Soli-Aktionen

Soli-Aktion für das Watch the Med Alarm Phone

Aktionsbanner: Bis Sonntag spenden wir 5 % eures Bestellumsatzes an das Alarmphone

Über 2.400 Menschen sind bis Anfang August 2017 Schätzungen des UNHCR zufolge im Mittelmeer auf der Flucht gestorben (2016 waren es über 5.000). 120.000 haben es dagegen geschafft, vorwiegend nach Italien. Dass sie es letztlich auf europäisches Gebiet schaffen ohne zu ertrinken, daran haben neben mehreren Organisationen, die trotz widriger Umstände mit Schiffen zur Seenotrettung unterwegs sind, Projekte wie das Watch the Med Alarm Phone ihren Anteil. Hier können Flüchtende, die auf dem Mittelmeer in Seenot sind, anrufen. Bis zum Sonntag spenden wir 5 % eurer gesammelten Bestellwerte an das Watch the Med Alarm Phone. Als kleinen Anreiz bieten wir euch 5 % Rabatt auf alles im Shop (außer deutschsprachige Bücher, Gutscheine und alles in den ARIWA- und Hard To Port-Shops).
Für unser Blog haben wir Conni und Lena vom Watch the Med Alarm Phone interviewt, die sich dankenswerterweise die Zeit dafür genommen haben.

Mögt ihr kurz erläutern, was das Alarm Phone macht?

Das Watch the Med Alarm Phone ist ein Projekt, das im Oktober 2014, ein Jahr nachdem 390 Bootsflüchtlinge vor der Insel Lampedusa starben, von einem Netzwerk von Aktivist*innen in Europa und Nordafrika ins Leben gerufen wurde. Das Projekt startete ein selbstorganisiertes Call-Center für Geflüchtete, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten. Wir sind in allen drei Regionen, in denen Menschen die Seegrenzen der EU überwinden, aktiv:

  • In der Ägäis (zwischen der Türkei und Griechenland),
  • im zentralen Mittelmeer (zwischen Libyen/Tunesien und Italien),
  • im westlichen Mittelmeer (zwischen Marokko und Spanien).

Von Seenot Betroffenen wird durch den Anruf beim Alarm Phone eine zweite Möglichkeit gegeben, ihren Hilferuf an die Küstenwachen heranzutragen. In Echtzeit wird ein Fall dokumentiert und ggf. weitere Unterstützung mobilisiert. Auf diese Weise wird – soweit wie möglich – auf die jeweiligen Verantwortlichen Druck ausgeübt, um Menschenrechtsverletzungen, wie beispielsweise Pushbacks (illegale Rückschiebungen) zu verhindern und Leben zu retten.

In der Praxis heißt das, dass wir mit rund 30 Teams jeden Tag in drei Schichten rund um die Uhr in Bereitschaft sind. Wir arbeiten entlang gemeinsam entwickelter Standards: Alarmpläne für die verschiedenen Regionen beschreiben detailliert, wer zu kontaktieren ist und was wir von den Booten abzufragen versuchen. Desweiteren beziehen wir Informationen von Schiffstracking-Webseiten und Wetter-Onlinediensten in unsere Recherchen ein.
Wichtig ist dabei: Das Alarm Phone ist keine Rettungsnummer, aber eine Nummer, um Unterstützung und Rettung zu organisieren.
Wenn wir über ein Boot in Not informiert werden – dies geschieht meist entweder über unsere Netzwerkkontakte oder durch einen Anruf von Menschen auf dem Boot selbst – alarmieren wir in der Regel die europäischen Küstenwachen und auch zivile Akteure der Seenotrettung, wir geben aktuelle GPS-Positionen weiter und „begleiten“ und unterstützen die Boote bis zur Anlandung oder Rettung. Ein wichtiger Teil unserer Arbeit besteht auch darin, das Guthaben von Satellitentelefonen der Menschen auf den Booten online aufzuladen oder sie zu beruhigen und ihnen in verzweifelten Situationen Mut zuzusprechen.
Eine unabhängige Beobachtung und Kontrolle des Handelns – oder Nichthandelns – der Küstenwachen ist dabei ein zentraler politischer Effekt unserer Intervention. Denn unsere Kritik am Grenzregime adressiert insbesondere die politischen Verantwortlichen der EU.
Die Alarm Phone Nummer wird größtenteils im direkten Kontakt mit Geflüchteten-Communities in den wichtigen Transitländern Nordafrikas und in der Türkei verteilt. Weiterhin verteilen wir auch Info-Flyer, um über die Risiken der Überfahrt zu informieren.

Wie kam es dazu, dass das Watch the Med Alarm Phone entstand?

Vor der Gründung des Alarm Phones gab es schon seit 2011 das Projekt Watch the Med, das Seenotfälle dokumentiert und Fälle von Nicht-Rettung angeprangert und z. T. vor Gericht gebracht hat. Das Alarm Phone entstand, weil wir eine Intervention in Echtzeit wichtig finden, um nicht nur Todesfälle auf dem Meer zu dokumentieren, sondern auch eingreifen und Druck zur Rettung machen zu können. Und aus unseren Kontakten zu Geflüchteten und AktivistInnen in verschiedenen Ländern entstand ein großes transnationales Netzwerk, das auf praktischer und inhaltlicher Ebene zusammenarbeitet.

Demo im April 2016 in Catania zum Gedenken
an den Tod von über 900 Bootsflüchtlingen
ein Jahr zuvor (Foto: privat)

Was hat das Alarm Phone eurer Meinung nach verändert?

In etlichen Fällen haben wir es geschafft, nach Anrufen von Booten oder Kontaktpersonen von Flüchtenden Druck auf die Küstenwache auszuüben und dadurch die Rettung von Schiffbrüchigen oder auf einsamen Inseln Gestrandeten zu erreichen. Durch Beobachtung der Schiffe auf dem Mittelmeer und des Verhaltens v. a. von Küstenwachen, Frontex und Militärschiffen gerieten diese unter Rechtfertigungsdruck und können sich nicht mehr alles erlauben.
Zudem konnten wir durch Dokumentation und Veröffentlichung von Fällen, politische Analyse und Bewertung der Situation auf dem Mittelmeer und der EU-Migrationspolitik zu einer breiteren öffentlichen Diskussion beitragen.
Auch konnte durch Vernetzung über das Mittelmeer hinweg mit Aktivist*innen, Flüchtenden dort und Geflüchteten ein Beitrag zur Entwicklung solidarischer Strukturen geleistet werden. Durch Zusammenarbeit mit anderen zivilen Rettungsorganisationen konnten wir eine bessere Koordination und mehr Druck für eine gemeinsame Entwicklung von Forderungen und Durchführung von öffentlichen Aktionen erreichen.

Mit welchen Sprachen seid ihr vertreten? Klappt die Kommunikation gut?

Unser Netzwerk besteht mittlerweile aus fast 150 Aktivist*innen aus vielen Städten in ganz Europa, der Türkei und aus Nordafrika. Einige von uns haben selbst die Erfahrung machen müssen, mit einem kleinen Boot das Mittelmeer zu überqueren. Die meisten Alarm-Phone-Aktiven wirken bei den Schichtteams mit, viele helfen aber auch mit Hintergrundrecherchen, bei der Verbreitung der Nummer oder mit Übersetzungen. In den Schichten sind zum einen oftmals Menschen mit diversen Sprachkompetenzen vertreten, zum anderen können im Bedarfsfall durch die bestehenden Netzwerke schnell Dolmetscher*innen gefunden. Hierbei sind die wichtigsten Sprachen: Englisch, Französisch, Arabisch, Dari, Tigrinya, Somali, Kurdisch und manchmal westafrikanische Sprachen wie Fulla, Wolof oder Mandinka.

Wohin gebt ihr die Meldungen weiter? Schaut ihr selbst, welche Schiffe in der Nähe sind und kontaktiert dann gezielt?

Wir wenden uns immer zuerst an die federführenden Rettungszentralen, also im Zentralen Mittelmeer ans MRCC Rom, die Einsatzzentrale der italienischen Küstenwache, im westlichen Mittelmeer an die spanischen Stellen von Salvamento Maritimo, in griechischen Gewässern an die griechische Küstenwache, in Notfällen bei Zustimmung der Betroffenen dort auch an die türkische Küstenwache. Libysche und marokkanische Einsatzkräfte rufen wir normalerweise nicht an, außer wenn es in deren Gewässern um Leben und Tod geht und die Menschen auf dem Boot ausdrücklich zustimmen. Schiffe werden dann von diesen Einsatzzentralen zur Rettung beauftragt.
Wir selbst nehmen oft anschließend zusätzlich Kontakt zu zivilen Rettungsschiffen oder in manchen Fällen auch zu Handelsschiffen auf, wenn diese in der Nähe sind. Hierfür nutzen wir Online-Karten und das Know-How des Monitoring-Projektes Watch The Med. Wir als Alarm Phone können aber niemanden zur Rettung auffordern, denn alle Rettungseinsätze müssen von den genannten Zentralen koordiniert werden.

Ein Rettungsboot auf dem Mittelmeer, das voll Wasser gelaufen ist und in dem nur noch die Rettungswesten schwimmen
Gekentertes Rettungsboot
(Foto: Sea Watch e. V.)

Auf dem Meer gibt es ja verschiedene Akteur*innen, zum Beispiel Frontex, Marine, Küstenwachen, private Schiffe sowie die zivilen Seenotrettungsinitiativen. Wie sind jeweils eure Erfahrungen was den Umgang mit Seenotmeldungen angeht?

Frontex und die Schiffe der Militäroperation EUNAVFOR Med/Sophia halten sich im Zentralen Mittelmeer bei notwendigen Rettungsaktionen zunehmend zurück und haben ja „Schlepperbekämpfung“ und Abschreckung als wesentliche Ziele. Die Einsatzzentrale der italienischen Küstenwache, das MRCC Rom, hat auch keine Möglichkeiten, den Standort der Militärschiffe zu sehen und direkt zu ihnen Kontakt aufzunehmen, sondern kann das nur über deren Leitungsebene. Ab und zu nehmen sie dann auch Gerettete auf und bringen sie an Land.

Der italienischen Küstenwache fehlen Kapazitäten, vor allem vor der libyschen Küste, so dass es oft lange dauert, bis sie im Einsatzgebiet sind.
Eine einheitliche libysche Küstenwache gibt es nicht, sondern mehrere, den verschiedenen Regierungsfraktionen und Milizen unterstehende Einheiten, die zum Teil auch als Schlepper agieren. Mitglieder der Einheit, die der westlibyschen und von der EU anerkannten Regierung von Sarradsch untersteht, wurden von EUNAVFOR Med trainiert und sollen jetzt verstärkt Flüchtende schon in libyschen Gewässern aufgreifen und nach Libyen zurückbringen.

Private Schiffe sind zur Rettung verpflichtet, werden auch öfter dazu aufgefordert, sind allerdings meist nicht für eine größere Zahl oft verletzter, erschöpfter Menschen ausgestattet.

Abends auf dem Mittelmeer: Ein überfülltes Boot mit Flüchtenden wird von Freiwilligen von Sea Watch per Schlauchboot kontaktiert um die Insassen zu retten
Rettungsaktion von Sea Watch
(Foto: Fabian Melber für Sea Watch e. V.)

Die zivilen Rettungsorganisationen haben in den letzten Monaten etwa 40 % der Seenotrettungsoperationen durchgeführt, werden aber durch Interventionen libyscher Milizen sowie durch Kriminalisierung durch europäische Institutionen zunehmend daran gehindert.

Zwischen Spanien und Marokko ist oft das Problem, dass Flüchtende von der marokkanischen Marine aufgegriffen und zurück gebracht werden, bevor die spanische Rettungsorganisation Salvamento Maritimo, mit der das Alarm Phone recht gut zusammenarbeitet, sie retten kann.
Zwischen der Türkei und Griechenland ist der Grenzverlauf oft unklar und Boote werden in die Türkei zurückgeschickt, auch wenn sie schon in griechischen Gewässern waren. Außerdem sind dort NATO– und Frontex-Schiffe zur Abschreckung präsent.

Ihr erwähntet die libyschen Küstenwachen, die ihr, wie türkische und marokkanische, nur in Ausnahmefällen kontaktiert. EUNAVFOR Med trainiert sogar diese Küstenwachen, und europäische InnenministerInnen fantasieren gerne immer mal wieder auch von „Auffanglagern“ in Libyen. Mit der Türkei gibt es gar einen schmutzigen Deal um Flüchtende dort festzuhalten. Was erwartet Flüchtende, wenn sie von den Küstenwache wieder zurück nach Libyen, Marokko oder in die Türkei transportiert werden?

In Libyen ist die Situation für die Geflüchteten absolut menschenrechtswidrig: Die politische und wirtschaftliche Lage hat sich durch den Kampf zwischen den verschiedenen Regierungen und Milizen verschärft, gewalttätige Auseinandersetzungen gehören zum Alltag. Schmuggel von Menschen und Waren, Ausbeutung von Migrant*innen und die Organisation von Überfahrten in immer seeuntüchtigeren und überfüllteren Booten sind für viele Libyer zur einzigen lukrativen Erwerbsquelle geworden. Teilweise arbeiten die verschiedenen Fraktionen der sogenannten libyschen Küstenwache mit Schleppern und Milizen zusammen, so dass auch den SAR-NGOs oft unklar ist, mit wem sie es auf See zu tun haben.

Das Alarm Phone erreichten auch Hilferufe von Migrant*innen, die in Libyen feststecken. Unterstützungsmöglichkeiten in diesem Land gibt es jedoch kaum, weil auch humanitäre Organisationen dort nicht ohne Lebensgefahr tätig sein können. Und obwohl von der IOM organisiert, ist selbst die Rückkehr in ihre Herkunftsländer für viele Geflüchtete unmöglich, weil die meisten Straßen wegen der Gefahr von Überfällen unpassierbar sind. Es drohen Entführungen und Internierungen in Lagern, in denen die Menschen misshandelt, erpresst und auch getötet werden. Die deutsche Botschaft in Nigers Hauptstadt Niamey berichtete in einer Diplomatischen Korrespondenz („Drahtbericht“) von „allerschwersten, systematischen Menschenrechtsverletzungen in Libyen.(…) Authentische Handy-Fotos und -Videos belegen die KZ-ähnlichen Verhältnisse in den sogenannten Privatgefängnissen“ So bleibt den Flüchtenden oft nur die Möglichkeit, sich wieder in die Hände der Schlepper zu begeben und zu versuchen, übers Meer Richtung Europa zu gelangen. Gerettete an Bord der Iuventa sagten: „Wir wussten, dass wir eventuell sterben, aber das war uns egal, denn wir konnten keine Sekunde länger in Libyen bleiben“.

In Marokko werden aufgegriffene Geflüchtete erst einmal in Polizeiwachen in Haft gesteckt, manchmal nach einigen Tagen wieder entlassen, aber sie sind sowohl in den Städten als auch in den Wäldern rund um die spanischen Enklaven Ceuta und Melilla ständig von Razzien, Festnahmen und Abschiebungen in die Wüste oder an die algerische Grenze bedroht. Nur ein geringer Teil der Migrant*innen in Marokko wurde in den letzten Jahren unter bestimmten, relativ rigiden Bedingungen legalisiert, aber sie finden meist keine Arbeit und erhalten keinerlei staatliche Leistungen und insbesondere Schwarze sind auch mit Rassismus konfrontiert.

In der Türkei landen die Zurückgeschobenen entweder in Flüchtlingslagern oder in den Städten, wo sie versuchen, von schlecht bezahlten Hilfsarbeiten zu überleben. In viele Länder finden aber auch Abschiebungen statt, manchmal sogar in den syrischen Bürgerkrieg, und die rechtlichen und politischen Möglichkeiten, sich dagegen zu wehren, sind in der Türkei angesichts von Massenverhaftungen kritischer Anwält*innen, Journalist*innen und Mitgliedern von NGOs mehr als gering.

Wie nehmt ihr die Situation auf dem Mittelmeer aktuell wahr? Was für eine Entwicklung erwartet ihr bis zum Ende des Jahres?

Das Hauptproblem ist zur Zeit die Kriminalisierung der zivilen Rettungsorganisationen mit dem Ziel, sie aus der Rettungszone zu vertreiben und ihre breite öffentliche, auch finanzielle Unterstützung zu vermindern. Das Schiff Iuventa wurde z. B. bereits wegen des Vorwurfs „Beihilfe zu illegaler Einreise“ von italienischen Behörden beschlagnahmt, Ermittlungen gegen weitere Akteure laufen. Gleichzeitig wurde die Präsenz europäischer Militärschiffe in libyschen Gewässern sowie aktuell die Ausweitung der libyschen Rettungszone beschlossen. Zivile Rettungsschiffe werden aus dieser Zone durch die Androhung gewaltsamer Angriffe, die es bereits gab, vertrieben. Außerdem wurden die zivilen Rettungsorganisationen unter Druck gesetzt, einen Verhaltenskodex (Code of Conduct) zu unterzeichnen, der u. a. die Duldung bewaffneter Polizei an Bord vorsieht und ihnen den Transfer Geretteter auf andere Schiffe verbietet. All dies wird zu mehr Rückführungen in menschenrechtswidrige libysche Lager und mehr Toten führen. Es kann sein, dass sich die Fluchtrouten dann wieder verlagern, auf jeden Fall gefährlicher und teurer werden.

Das Alarm Phone ist ja in erster Linie praktische Hilfe. Vertretet ihr auch politische Forderungen, und falls ja, welche?

Ein Schiff auf dem Rhein vor dem Kölner Dom mit einem Banner 'Fähren statt FRONTEX'
Soli-Aktion in Köln (Foto: privat)

Kurzfristig zielt das Alarm Phone darauf ab, Rettungsaktionen zu initiieren, um Tote und Menschenrechtsverletzungen, z. B. durch Pushbacks, zu verhindern, und wir fordern eine Ausweitung der staatlichen Rettungskapazitäten statt Abschreckung und „Schlepperbekämpfung“ durch Frontex und Militär.
Das Sterben im Mittelmeer und das Geschäft von Schleppern könnten allerdings längst Vergangenheit sein, wenn es sichere und legale Fluchtwege gäbe. Deshalb fordern wir gemeinsam mit zivilen Rettungsorganisationen, mit denen wir zusammenarbeiten, eine „safe passage“ (sichere Überfahrt). Und als Alarm Phone haben wir im letzten Jahr eine Kampagne „Fähren statt Frontex“ gestartet.

Tatsächlich werden – ohne grundlegende Veränderungen – die letzten Unglücke nur der Anfang von vielen weiteren Toten im Mittelmeer sein. Daher verbinden wir unsere Echtzeitintervention mit kritischer Dokumentation, Öffentlichkeitsarbeit und Aktionen in verschiedenen Ländern gegen die Migrationskontrollen und das tödliche EU-Grenzregime.
Das Recht auf Bewegungsfreiheit steht für uns im Kontext eines umfassenden Kampfes für globale soziale Gerechtigkeit. Wichtig sind uns in diesem Zusammenhang auch transnationale Kooperationen mit Initiativen auf beiden Seiten des Mittelmeeres und die Unterstützung von Selbstorganisierungsprozessen von Geflüchteten und Migrant*innen im Transit und auf den jeweiligen Routen.

Ich stelle mir vor, dass es nicht so einfach zu verarbeiten ist, die Notfälle so nah mitzubekommen – näher als sie für viele andere in Europa jedenfalls. Was macht euch Mut und motiviert euch?

Wir machen Schichten meist mindestens zu zweit, treffen uns ab und zu lokal und transnational, machen auch Workshops zu diesen Fragen und versuchen uns gegenseitig zu unterstützen und zu stärken.

Mut machen uns:

  • Die Rückmeldungen geretteter Menschen
  • Die zunehmende Vernetzung und gemeinsamen Diskussionen und Aktionen über das Mittelmeer hinweg, wobei wir viel voneinander lernen
  • Die zumindest zeitweise Veränderung der gesellschaftlichen Stimmung, z. B. das Entstehen vieler ehrenamtlicher Initiativen zur Solidarität mit Geflüchteten und das zeitweise hohe Spendenaufkommen für zivile Rettungsorganisationen, einschließlich Alarm Phone – genau das soll durch die laufende Kriminalisierung zerstört werden. Deshalb müssen wir gemeinsam und verstärkt weitermachen!
Ein Segelboot, das durch einen Hafen fährt und 'Ferries not Frontex
Fähren statt FRONTEX (Foto: privat)

Wie könnte euer Engagement am besten unterstützt werden?

  • Durch Spenden für uns und die zivilen Rettungsboot-Organisationen
  • Durch Öffentlichkeitsarbeit über unsere Aktivitäten
  • Durch Verbreiten unserer Nummer in migrantischen Communities
  • Durch Mitmachen beim Alarm Phone, z. B. in Schichten, als Dolmetscher*innen oder bei der Öffentlichkeitsarbeit und Spendenwerbung

Vielen lieben Dank für das Interview und euer Engagement!

Wie schon erwähnt – bis Sonntag, 27.8.2017, spenden wir 5 % eures Bestellumsatzes an Watch the Med Alarm Phone. Aber vielleicht braucht ihr ja gar nichts von uns? Dann spendet doch viel lieber direkt:
Alarm Phone
Jugend rettet
Sea Watch
Ärzte ohne Grenzen
Proactiva Open Arms
Sea Eye
Save the Children

So, Und hier nun noch ein paar passende/hilfreiche Empfehlungen aus unserem Sortiment:

  • Nichtstun ist keine Lösung – Hilal Sezgin darüber, was uns bremst und warum andere uns bremsen. Und warum wir dennoch aufstehen und aktiv werden sollten.
  • Refugees Welcome! – Soli-Artikel
  • Total Liberation – Hier geht es um Aktivismus, der nicht auf Kosten anderer Kämpfe Erfolge feiern will, sondern die Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen der verschiedenen Bewegungen betont

Spenden an ausgeCO2hlt und Hard To Port

Bild von einer ausgeCO2hlt-Aktion und das Spendenergebnis von 95 €

Es ist mal wieder Zeit für ein kleines Update: Als Ergebnis unserer Spendenaktion für ausgeCO2hlt Ende Juni haben wir nun 95 € an die Gruppe gespendet. Im hier verlinkten Blogartikel findet ihr auch Infos bzw. Links, wenn ihr selbst spenden und/oder aktiv werden wollt.

Außerdem haben wir mal wieder die Bestände in unserem Hard To Port-Shop gezählt. Infolgedessen gingen 67,50 € an den Verein.
Ende Juli wird wieder ein Team vor Ort sein und Whalter Watching betreiben. Mit den Shirts könnt ihr sie dabei finanziell unterstützen.


Melanie und Sania mit dem Hard-To-Port-Shirt aus dem Soli-Shop

Soli-Aktion für ausgeCO2hlt

Aufmerksamen Beobachter*innen wird nicht entgangen sein, dass wir seit dem letzten Jahr 10 Cent pro verschicktem Paket an ausgeCO2hlt spenden. Wir haben uns schon vor Jahren dagegen entschieden, Services wie DHL Go Green zu nutzen – denn wir möchten lieber direkt Projekte unterstützen, die wir gut finden. Ihr werdet euch vielleicht fragen, was die Unterstützung einer Gruppe für den Kohleausstieg bringen soll, wenn doch gepflanzte Bäumchen direkt CO2 binden. Aber was, wenn dieses Engagement den Kohleausstieg ein Jahr früher beginnen lässt? Wenn dadurch ein Braunkohle-Tagebau, oder nur ein Teil davon, verhindert wird? Und was noch besser ist: Hier werden nicht Menschen in anderen, meist deutlich ärmeren Gegenden, in die Pflicht genommen, für unseren Dreck einen Ausgleich zu schaffen, sondern es wird vor der eigenen Haustüre gekehrt.

Für die letzten beiden Jahre haben wir bereits 853 € an ausgeCO2hlt gespendet. Und mit euch zusammen wollen wir den Betrag noch ein wenig aufstocken. Zu diesem Zweck gibt es bei uns im Shop wieder eine Reihe Produkte, für die wir im Zeitraum vom 26. Juni bis 2. Juli bei jedem Kauf jeweils einen Betrag zwischen 0,50 € und 15 € an ausgeCO2hlt spenden werden. Übrigens: Für die System Change-Klamotten gehen auch sonst pro verkauftem Teil 2 € an ausgeCO2hlt!

Und nun genug der Vorrede, wir haben natürlich auch ein paar Fragen an ausgeCO2hlt gestellt:

Schön, dass du dir ein wenig Zeit nimmst, unsere Fragen zu beantworten!
Vielleicht magst du kurz erläutern, worum es sich bei ausgeCO2hlt handelt?

Zwei Menschen malen auf einem roten Plakat den Spruch 'System Change Not CLimate Change'.
System Change Not Climate Change

Hey zusammen, erstmal DANKE für eure Unterstützung!
ausgeco2hlt ist eine selbstorganisierte Gruppe, die sich für den sofortigen Kohleausstieg und Klimagerechtigkeit einsetzt. Wir sind Menschen mit verschiedensten Hintergründen und setzen unseren Fokus auf das Rheinische Braunkohlerevier, der größten CO2-Quelle Europas. Wir bringen uns beispielsweise bei den jährlichen Klimacamps ein und sind mit den Menschen vor Ort in Kontakt. Außerdem sind wir in bundesweiten Bündnissen, wie beispielsweise „Ende Gelände“ aktiv und legen Wert auf eine Vernetzung mit Aktiven aus anderen Teilen der Welt.
Uns ist es wichtig, den Klimawandel als ein komplexes Problem zu begreifen, das seine Ursachen im Kapitalismus und vielen anderen Herrschaftsverhältnissen hat. Der Kohleausstieg ist daher einer von vielen Schritten, die es für das gute Leben für alle braucht.

Wie stellt ihr euch eine selbstverwaltete Energiewende vor?

Dezentralität ist ein wichtiges Stichwort für eine selbstverwaltete Energiewende. Um viele Dinge, die wir zum Leben brauchen, können wir uns selbst kümmern. Dazu gehört auch die Stromproduktion. Viele Menschen produzieren mit Solar- und Windkraftanlagen schon jetzt mehr Energie, als sie selbst brauchen. Es ist möglich, die Stromversorgung so umzubauen, dass wir nicht mehr auf große, mit fossiler Energie arbeitende Konzerne angewiesen sind. Selbstverwaltung bedeutet, dass die Menschen selbst über die Dinge entscheiden können, die sie angehen und sich so Machtverhältnisse in der Gesellschaft verschieben. Es braucht also widerstandsfähige/resiliente Gemeinschaften, die gut miteinander vernetzt sind und sich um die technischen und sozialen Aspekte kümmern.
Dieser Aufbau einer alternativen Stromversorgung geht Hand in Hand mit dem Widerstand gegen den Abbau fossiler Brennstoffe.

Was, wenn sich vielleicht viele Menschen gar nicht um ihre Energieversorgung kümmern wollen?

Natürlich muss sich nicht jede Einzelperson direkt um ihre Energieversorgung kümmern und in die Materie eintauchen. Wenn sich Menschen in Gemeinschaften und Netzwerken zusammentun ist eine Aufgabenteilung sinnvoll und schön, so dass sich Menschen mit den Themen beschäftigen können, die sie auch interessieren. Trotzdem sollte jeder Mensch die Verantwortung für den eigenen Energieverbrauch übernehmen und sich darum kümmern, möglichst wenig zu verbrauchen sowie regenerative Energie zu benutzen, die dann evtl. von anderen zur Verfügung gestellt werden.

Eine große Gruppe Menschen in weißen Schutzanzügen ist auf einer Landstraße auf dem Weg zu einer Aktion.
Widerstand auf dem Weg

Mit welchen Mitteln versucht ihr euer Ziel zu erreichen?

Wir arbeiten nach dem Motto „Kohleausstieg ist Handarbeit“, da wir glauben, dass eine gerechte Energiewende und auch Klimagerechtigkeit nur „von unten“ kommen kann. Daher ist der Aufbau einer breiten und organisierten Klimabewegung für uns sehr wichtig. Wir machen also Veranstaltungen, arbeiten in politischen Netzwerken und organisieren widerständige Aktionen. Zur Zeit arbeiten wir daran, neue Klimagruppen bei ihrer Gründung zu unterstützen und veröffentlichen dazu auch diesen Sommer eine Broschüre.
Eine Bewegung lebt durch persönliche Beziehungen, Achtsamkeit und Solidarität miteinander, das versuchen wir zu leben. Dabei ist es uns wichtig, dass unser Aktivismus nachhaltig ist und wir auf unsere eigenen Kapazitäten achten.

Eine Karte der schmutzigsten Kraftwerke Deutschlands, die zu den 30 schmutzigsten in der EU zählen.
Die deutschen Kraftwerke der 30 schmutzigsten
in Europa 2014

Die deutsche Politik gibt gerne vor, dass Deutschland im Klimaschutz Vorreiter sei. Gleichzeitig werden neue Kohlekraftwerke gebaut. Mit welchen Argumenten wird dieser Widerspruch gerechtfertigt?

Eins der häufigsten Argumente, das genannt wird ist die Versorgungssicherheit. Es wird behauptet, dass die Lichter ausgehen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. In solchen Fällen sei Kohle der „Partner der Erneuerbaren“. Die Schwachstellen einer zentral strukturierten Energieversorgung sind die Speicherung bzw. die Transportwege. Kohlekraftwerke sind allerdings nicht dazu in der Lage, kurzfristige Engpässe bei der Energieversorgung auszugleichen, da sie zu lange brauchen um hochgefahren zu werden.
Ein anderes wichtiges Argument sind die Arbeitsplätze, die bei einem Kohleausstieg verloren gehen würden. Das Rheinland und auch die Lausitz sind seit vielen Jahrzehnten von der Kohle geprägt. Daher ist es wichtig, dass der Ausstieg sozial gerecht gestaltet wird. Ein solcher Strukturwandel ist eine große Aufgabe, die aber von Konzernen und Politiker*innen noch immer weggeschoben wird. Es werden heute noch junge Menschen in den Kraftwerke und Tagebauen ausgebildet, obwohl alle wissen, dass der Kohleausstieg nur eine Frage der Zeit ist.

Eure Meinung zu den UN-Klimaverhandlungen?

Das Klima-Abkommen in Paris wurde von Avaaz, Germanwatch und vielen anderen als Mega-Erfolg gefeiert. Wir sehen die positive Bezugnahme auf das 1,5 Grad Ziel als einen Teilerfolg, der uns gleichzeitig das Genick brechen kann. Denn dieses Ziel ist in keiner Weise an verbindliche Maßnahmen geknüpft (auf deren Einhaltung wir im Übrigen nicht vertrauen könnten).
Die Maßnahmen, die innerhalb der Klimaverhandlungen beschlossen werden, richten sich nach der Realpolitik kapitalistischer Systeme, nach Großkonzernen und neokolonialen Herrschaftsverhältnissen und bleiben damit innerhalb der gleichen Logik, die das Problem verursacht hat. Beispiele dafür sind die marktbasierten Mechanismen wie der Emissionszertifikatehandel. Sie ändern nichts an den Ursachen für unseren ausufernden Ressourcenverbrauch, sondern bringen uns nur noch weiter in Gefahr.

Eine Gruppe von Aktivist*innen hat sich vor einem mächtigen Tagebaubagger versammelt.
Klimaschutz in direkter Aktion: Bagger steht.

Daher werden wir auch im November während der Klimaverhandlungen in Bonn nicht vor dem Konferenzzentrum protestieren, sondern im Rheinischen Revier mit unseren Aktionen zeigen, wie konsequenter Klimaschutz wirklich aussieht.

Wäre ein sofortiger Ausstieg aus der Kohle eurer Meinung nach zweifelsfrei möglich?

Wenn wir das Problem auf der technischen Ebene betrachten, können wir sehen, dass Deutschland Strom in großen Mengen exportiert. Die Gruppe Anti Atom Bonn hat ausgerechnet, dass ein sofortiger Ausstieg aus Kohle und Atom möglich ist. Detaillierte Infos findet ihr unter: http://antiatombonn.de

Aber es ist auch wichtig, zu schauen, wofür der Strom verbraucht wird. Ein großer Teil geht beispielsweise in die Waffenproduktion und ähnliche vollkommen überflüssige und schädliche Dinge.
Wenn wir in einen gesamtgesellschaftlichen Prozess einsteigen und uns fragen, was wir für ein gutes Leben FÜR ALLE brauchen, dann wird das Ergebnis sein, dass wir konsequent bestimmte Produktionsstätten abschalten müssen um Energie und Ressourcen zu sparen und Lebensräume zu erhalten. Dann ist ein sofortiger Kohleausstieg auch möglich. Und die Antwort darauf kann keine rein technische sein … ja es geht auch um technologische Lösungen und um Dämmung von Häusern, aber vor allem geht es auch darum sich selbst und das System in dem wir leben von Grund auf in Frage zu stellen.
Selbstverständlich wissen wir, dass das nicht einfach wird und mit vielen anderen Schritten zur Überwindung der Verhältnisse einhergehen muss – aber es ist angesichts der bereits jetzt auftretenden verheerenden Folgen des Klimawandels sowie lokaler Folgen von Kohleabbau absolut notwendig!

Mobivideo für „Ende Gelände“
KLimacamp von schräg oben mit Zelten zum Schlafen und für Workshops und vielen Menschen, die dort allerlei Tätigkeiten nachgehen
Klimacamp
Menschen in rot bzw. mit roten Bannern, die eine rote Linie auf einem unbefestigten Weg bilden.
Rote Linie

Ende August werden im Rheinland wieder Klimacamps und Aktionstage stattfinden. Was erwartet Menschen, die daran teilnehmen wollen?

Es wird in diesem Jahr zwischen dem 19.-29.8. drei Camps geben. Das Klimacamp, das Connecting Movements Camp, bei dem es darum geht, verschiedene Bewegungen noch mehr miteinander zu vernetzen und das Camp for [future], das gezielt neue Menschen ansprechen will. Bei allen Camps wird es um Bildung, Vernetzung und den Aufbau einer alternativen Gesellschaft gehen.

Außerdem finden vom 24.-29.8. vielfältige Aktionstage statt. Unterschiedlichste Akteur*innen rufen zu Demonstrationen und Aktionen auf. Es wird beispielsweise eine von NGOs und lokalen Bürgerinitiativen organisierte Menschenkette, eine Rote Linie, beim Tagebau Hambach geben. Die Gruppe Animal Climate Action wird mit einer Fahrradtour auf die Verknüpfung zwischen Tierrechtskämpfen und Klimagerechtigkeit aufmerksam machen.
Außerdem rufen verschiedene Bündnisse und Gruppe zu Aktionen des zivilen Ungehorsams auf. Ende Gelände wird mit vielen tausend Menschen Kohleinfrastruktur blockieren. JuNePA (Jugendnetzwerk für politische Aktionen) organisiert eine ungehorsame Aktion für Menschen die noch wenig Aktionserfahrung haben. Und Zucker im Tank ruft Menschen dazu auf, sich in Kleingruppen zu organisieren und eigene Aktionen auf die Beine zu stellen.

Es wird also allerhand los sein und wir freuen uns, wenn Menschen sich auf ihre eigene Weise einbringen und Widerstand gestalten.

Mobivideo für Code Rood

Zuvor gab es letztes Wochenende noch eine Aktion am 24. Juni in Amsterdam, zu der ihr auch aufgerufen habt. Was steht hier an?

Unsere Freund*innen aus den Niederlanden haben eine Massenaktion des zivilen Ungehorsams für den 24. Juni im Hafen von Amsterdam geplant. Unter dem Motto „Code Rood“ gab es Aktionen im weltweit größten Gas- und Europas zweitgrößtem Kohlehafen. Daran haben sich über 300 Menschen beteiligt! Zeitgleich fand auch das erste Klimacamp in Tschechien statt, bei dem über 100 Aktivist*innen die Braunkohleinfrastruktur lahmgelegt haben.
Der Klimawandel ist ein weltweites Problem, das nicht an einem Ort allein gelöst werden kann. Daher ist es für uns wichtig, gegen alle fossilen Energieträger aktiv zu werden und unsere Freund*innen in anderen Ländern zu unterstützen.

Um euer Ziel zu erreichen greift ihr zu Mitteln des zivilen Ungehorsams. Daher ist Repression natürlich auch bei euch Thema. Für 2015 gab es kürzlich Freisprüche. Wie ist ansonsten der Stand bei euch?

Ein Aktivist wird in einem Polizeiwagen festgehalten.
Kann leider auch passieren …

Gerade sind wir viel mit sogenannten Unterlassungsverpflichtungserklärungen beschäftigt. RWE fordert Menschen auf, sich zu verpflichten das Betriebsgelände nicht mehr zu betreten. Diese Form der Repression gehört zum Zivilrecht, mit dem politische Bewegungen bisher noch wenig Erfahrung haben. Im Gegensatz zum Strafrecht fallen hier besonders hohe Prozesskosten und Anwaltskosten an. Die Kampagne „Unten lassen statt unterlassen“ organisiert Unterstützung für Menschen mit Zivilklagen und freut sich über Spenden.

Auch gegen Menschen aus dem Hambacher Forst gibt es immer wieder Verfahren und einige saßen in den letzten Jahren mehrere Monate in Untersuchungshaft. Das Wiesencamp neben dem Wald ist auch gerade juristisch umkämpft und braucht Unterstützung bei den Prozesskosten.

Und auch wegen Ende Gelände 2015 laufen die Prozesse weiter. Wir freuen uns über die Freisprüche und sind gespannt, wie sich die Situation weiter entwickelt. Es sieht so aus, dass die Umfriedung des Tagebaus Garzweiler nicht ausreichte, damit ein Betreten des Tagebaus juristisch als Hausfriedensbruch gewertet wird. Dennoch gibt es weitere Prozesstermine, auch wegen anderer Vorwürfe. Detaillierte Infos dazu könnt ihr auf der Homepage der Anti Repressionsgruppe Rheinisches Revier (AntiRRR) nachlesen.

Wie könnt ihr unterstützt werden?

Wir freuen uns, wenn Menschen selbst aktiv werden, zum Beispiel im August im Rheinland. Außerdem freuen wir uns, wenn Menschen bei uns mitmachen oder uns mit ihren Talenten unterstützen wollen. Meldet euch gerne bei info@ausgeco2hlt.de Toll ist es auch, wenn Menschen sich selbst organisieren und in ihrer Region gegen den Klimawandel und für das gute Leben aktiv werden. Wir brauchen für unsere Arbeit auch Geld, daher sind auch Spenden hilfreich.

Vielen Dank an ausgeCO2hlt für das Interview!!
Und wenn ihr mögt, könnt ihr mit eurem Einkauf zwischen dem 26. Juni und 2. Juli einen Beitrag zu unserer Spende an das Bündnis leisten. Wir haben eine Auswahl verschiedener Artikel zusammengestellt, für deren Verkauf wir jeweils einen festen Betrag spenden werden.

Und hier nun noch ein paar passende/hoffentlich hilfreiche Empfehlungen von uns:

  • Total Liberation – Hier geht es um Aktivismus, der nicht auf Kosten anderer Kämpfe Erfolge feiern will, sondern die Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen der verschiedenen Bewegungen betont
  • Direkte Aktionen – Ideensammlung mit Tipps und Tricks
  • go. stop. act. – Erfahrungsberichte und Geschichten zu Aktionsformen. Zur Nachahmung empfohlen
  • Radical Tasche – denn radikal bedeutet erstmal nur, das Problem an der Wurzel anzupacken und nicht nur an den Symptomen rumzudoktern
  • Green is the new red – Wie Öko-Aktivismus systematisch zu Terrorismus erklärt wird
  • Gürtel aus Fahrradreifen – in Fahrradläden gesammelt und in praktisch und in langlebige und schicke Gürtel verwandelt
  • Bücher zu Ökologie – Hier mal ein Überblick über die Literatur, die ihr momentan zum Thema findet
  • Wege durch die Wüste – denn du solltest wissen, was du tust, wenn du politisch aktiv wirst
  • Learning Good Consent – Wie kommen wir zu einem guten Konsens? Eine kleine Hilfestellung
  • Tierbefreiung #90 – mit dem Schwerpunkt „Kampagnen und Aktionsbündnisse“
  • Atomkraft, Nein Danke! – Der Button zum Atomausstieg
  • Projekt A – Eine Reise zu anarchistischen Projekten in Europa

Alle Fotos wurden uns von ausgeCO2hlt zur Verfügung gestellt.

Spenden gehen an: ausgeCO2hlt, Mastanlagen Widerstand, Keinen Meter den Nazis und Free Animal!

Liebe Leute,
es ist mal wieder Zeit euch auf den neuesten Stand zu bringen! Diese Woche gingen direkt mehrere Spenden raus, die längst überfällig waren. Und ihr seid ja vielleicht auch neugierig, wieviel bei den letzten beiden Spendenaktionen rumgekommen ist …

Aber fangen wir ganz am Anfang an. Jene von euch, die super-aufmerksam verfolgen, was wir so tun, wissen vielleicht, dass wir nicht DHL Go Green oder ähnliches nutzen, um die durch den Transport entstehenden CO2-Emissionen auszugleichen. Sondern wir unterstützen mit 10 Cent pro Paket direkt die Gruppe ausgeCO2hlt. Denn wir sind überzeugt, dass der Kampf gegen Braunkohle-Tagebaue ein sinnvoller und wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel ist. Selbst wenn nur ein Teil der Kohle dadurch im Boden bleibt, ist der Effekt ziemlich groß. Allemal besser, als die Kohle erst zu verfeuern und dann Bäumchen zu pflanzen um das auszugleichen. Merkt euch schonmal den 24.-29. August vor!
Langer Vorspann, und jetzt noch fix das Ergebnis: Wir haben 568 € an ausgeCO2hlt gespendet!

Bilder von Aktionen von Mastanlagen Widerstand

Dann hatten wir zwei Spendenaktionen, bei denen ihr vielleicht schon die Mitteilung des Ergebnisses vermisst habt. Das holen wir nun mal fix nach. Im Februar haben wir um Aufmerksamkeit für Mastanlagen Widerstand gebeten. Das Bündnis setzt sich nicht nur auf verschiedenste Weise gegen neue Mastanlagen ein, sondern ist auch solidarisch mit Geflüchteten und wird auch anlässlich des G20 in Hamburg im Juni aktiv sein. Zieht euch das Interview nochmal rein und lasst euch inspirieren. Mit eurem Konsum habt ihr im Februar dann auch einen sehenswerten Beitrag dafür geleistet: 426 € wandern in die Kasse von Mastanlagen Widerstand!

Dagegen war das Ergebnis unserer zweiten Aktion für Free Animal zumindest auf unserer Seite leider deutlich geringer. Wir hoffen sehr, dass ihr euch stattdessen unseren Vorschlag zu Herzen genommen habt, ddirekt zu spenden, wenn ihr eigentlich gar nichts braucht! Wir denken, dass Lebenshöfe einen wichtigen Beitrag zur Bewegung leisten, denn zum einen finden dort zahlreiche Tiere ein Zuhause, die befreit oder anderweitig gerettet werden konnten (und die meisten davon haben eine berührende Geschichte), und zum anderen sind sie die Orte wo wir sehen können, wie es den unzähligen Tieren in Mastanlagen eigentlich gehen könnte, wenn man sie nur ließe. 50 € gehen von uns an Free Animal, und ihr seid natürlich herzlich eingeladen, diesen Betrag nochmal direkt auf deren Konto zu erhöhen.

Rassismus und Nationalismus sind keine Alternativen

Und ganz zuletzt haben wir nochmal den Refugees Welcome-Soli-Topf geplündert! Zur Unterstützung des NSU-Tribunals in der letzten Woche kommen nun zusätzlich 200 € an das Münsterander Bündnis Keinen Meter den Nazis. Das Bündnis entstand in Reaktion auf die Ankündigung eines Naziaufmarsches im März 2012 (leider liefen die Nazis damals trotzdem ziemlich viele Meter …), hat danach aber kontinuierlich weiter gearbeitet, zum Beispiel auch immer wieder mit Protesten gegen NPD, Pro NRW, Pro Deutschland und die AfD. So auch letzte Woche, als die AfD sich innerhalb kurzer Zeit zum zweiten Mal in Münster gezeigt hat.

250 € an das Tribunal „NSU-Komplex auflösen!“

Letzte Woche haben wir uns entschieden, aus dem Geld, welches wir durch den Verkauf der Refugees Welcome-Artikel einnehmen, 250 € an das NSU Tribunal zu spenden. Wir möchten euch ermutigen, euch ebenfalls mit kleinen oder großen Spenden zu beteiligen. Derzeit fehlen immer noch mehrere Tausen Euro.

Das Tribunal in Köln am nächsten Wochenende soll ein Ort der gesellschaftlichen Anklage sein, auf dem von Rassismus Betroffene keine Statist*innen sind, sondern ihre Stimme erheben und gehört werden.
Der NSU ist kein isoliertes Phänomen, sondern Teil einer Geschichte des Rassismus in Deutschland. In den Jahren und Jahrzehnten zuvor gab es zahllose Opfer rasstistischer Gewalt, und auch heute geht sie mit täglichen Angriffen und Ausgrenzungen weiter. Es geht hier auch nicht nur um die unmittelbar verantwortlichen Täter*innen, sondern auch um Untersützer*innen (sowohl aus der rechten Szene als auch beim Verfassungsschutz), rassistische Äußerungen in Medien, von Politiker*innen, als auch um den Justizapparat, der nicht willens oder in der Lage zu einer lückenlosen Aufklärung ist. Dies ist der gesellschaftliche Rahmen, in dem die NSU-Morde passierten und vielleicht auch erst passieren konnten.

Spendenaktion für Free Animal

Banner für die Spendenaktion

Wir denken, es ist so langsam an der Zeit, dass wir auch mal eine Aktion machen können für einen Verein, für den wir schonmal auf diesem Wege ein wenig Geld gesammelt haben. Die Rede ist in diesem Fall von Free Animal. Die einen oder anderen werden sich vielleicht an das Interview erinnern. Seitdem ist ein wenig Zeit vergangen, und wir haben nochmal ein kleines Interview von Free Animal bekommen können.
Natürlich gibt es eben nicht nur dieses Interview, sondern ihr könnt mit eurem Einkauf die Höhe des Betrages bestimmen, den wir an Free Animal spenden. Wir haben eine ganze Reihe Produkte nominiert, für die wir einen jeweils unterschiedlichen Betrag an Free Animal spenden werden, wenn ihr sie zwischen dem 24. und 30. April kauft. Wieviel genau, könnt ihr dem Profilfoto entnehmen! Natürlich findet ihr diese Produkte auch nochmal fein zusammengestellt an einem Ort

Jubiläumstorte für den Lebenshof Hunsrück, mit Schweinen, Kuh und Enten auf der Torte sowie dem schriftzug zum 20jährigen Jubiläum
Torte zum 20-Jährigen: Lebenshof Hunsrück

Letztes Jahr habt ihr Jubiläum gefeiert: 20 Jahre Free Animal! Wie fällt euer Rückblick aus?

Eingang durchs Burgtor zum Tierbefreiungskongress. Das Banner weht im Wind.
Tierbefreiungskongress 2017

Positiv, denn wir und unsere SpenderInnen konnten im Laufe der letzten 20 Jahre mithelfen, vielen Tieren auf den von uns unterstützten Lebenshöfen und in den Projekten ein Leben ohne Ausbeutung bis an ihr natürliches Lebensende zu ermöglichen. Wir konnten 2011 aus dem schon geschlossenen Tierpark in Lübeck 38 Tiere übernehmen und damit vor einem ungewissen Schicksal bewahren. Viele von ihnen leben heute noch auf den Höfen ein freies Leben ohne begafft zu werden. Seit 2012 gibt es die La Vita, unseren Vereinsrundbrief, in dem die Höfe und Projekte über ihre Arbeit berichten und auch über andere Tierrechtsthemen berichtet wird. Im September 2012 erhielt Free Animal den Tierschutzpreis der Hans-Rönn-Stiftung, dotiert mit 3000,00 Euro, worüber wir uns natürlich sehr gefreut haben. Wir nahmen im Laufe der Jahre an vielen Veranstaltungen, Straßenfesten, Demos und Messen teil, was sicherlich geholfen hat den Lebenshofgedanken in die Bewegung zu tragen und zu etablieren. Free Animal war auch einer der ersten Vereine, der den Begriff Lebenshof anstatt Gnadenhof für diese Zufluchtsstätten für nichtmenschliche Tiere einführte und benutzte. Ein Lebenshof hat übrigens nichts mit „Tierschutz“ zu tun sondern versteht sich als politisches Projekt gegen Ausbeutung, Unterdrückung und Gewalt.
2014 und 2015 waren wir Hauptveranstalter des Veganen Straßenfestes in Hamburg, das Erste dieser Art in der Stadt.
Ein Highlight war 2016 die Teilnahme an zwei Veranstaltungen mit Hof Butenland beim Tierbefreiungskongress auf der Burg Lohra,:
“Doch für das Tier die ganze Welt – Chancen und Grenzen von Lebenshöfen der Tierbefreiungsbewegung“ und „Es war einmal… Die Geschichte der Tierrechtsbewegung als biographische Erzählung“. Und natürlich die Jubiläumsfeier auf dem Tierlebenshof Hunsrück-Mosel e.V. – also Alles in Allem ein sehr positiver und aktiver Rückblick.

Habt ihr mal nachgehalten, wie viele Tiere insgesamt in der Zeit einen Ort ohne Ausbeutung bei euch gefunden haben?

Nein wir haben nicht gezählt, aber es waren bestimmt an die 500. Ende 2016 lebten auf den von uns überstützten Höfen und in den Projekten z. B. an die 400 nichtmenschliche Tiere – ohne die Katzen, die kommen und gehen, mitzurechnen.

Gibt es eine Geschichte oder Geschichten, die besonders hängen geblieben ist/sind?

Ziegenbock Pascha, der gerade aus einem Stall herauskommt.
Pascha

Jedes Tier hat bzw. hatte eine andere Geschichte, es bleibt immer was hängen, mal mehr mal weniger. Vergessen haben wir keines.
Besonders war natürlich die Rettung der Lübecker Tiere, die wir selbst abgeholt und transportiert haben, und die damit verbundenen Umzüge, bis sie ihren Lebensplatz gefunden hatten. Als Beispiel die Zusammenführung der Ziegenherde nach einem Jahr bei der TSG Stellichte. Drei Ziegen hatten direkt ein Zuhause bei den Stellichtern gefunden, sechs wurden ein paar Monate später bei einem veganen Schäfer in der Nähe von Hamburg untergebracht, leider. Die Zustände auf dem Grundstück und die Lebensbedingungen waren nicht ideal, aber es gab auf die Schnelle keinen anderen Platz. Die Situation eskalierte, die Zustände dort wurden von Monat zu Monat schlimmer, die Ziegen krank und wir suchten händeringend nach einem neuen Platz. Es war wohl Schicksal, dass Hermann, der sehr eigensinnige und die Jahre gekommene Ziegenbock bei den Stellichtern, leider in dieser Zeit starb. Die Stellichter erklärten sich sofort bereit, die fünf Ziegen und auch den Chef der Herde, Pascha, einen großen Ziegenbock, aufzunehmen und die Familie zusammen zu führen. Niemand von uns Menschen wusste: Klappt es nach so langer Zeit, oder nicht? Wir alle waren aufgeregt und unruhig. Die sechs Neuankömmlinge wurden ausgeladen und in ein abgetrenntes Gehege gebracht, es gab keinen Sichtkontakt zu den anderen Dreien. Nach kurzer Zeit kam eine Unruhe zwischen den Gehegen auf, die Ziegen hatten längst gemerkt, wer da gekommen war. Sie haben, ohne sich zu sehen, erkannt: Das ist Familie. Sie meckerten und riefen. Aus einem Bauchgefühl heraus öffnete Manuela Tietsch die Tore und es dauerte keine 3 Minuten, bis die drei zu den sechs Neuen rannten. Das war Wiedersehensfreude pur nach fast einem Jahr, und wir hatten alle Tränen in den Augen. Bis heute lebt die Familie bei den Stellichtern, denen wir ohne Ende dankbar sind für die Entscheidung, die komplette Familie aufzunehmen. Die spannenden Geschichten über die Rettung der Tiere aus dem Tierpark Lübeck kann mensch auf unserer Website nachlesen.

In den letzten Jahren hat sich ziemlich viel getan. Wirkt sich die größere Verbreitung veganer Lebensweise auch positiv auf eure Arbeit aus?

Nicht direkt. Es kommt immer darauf an, warum die Menschen sich vegan ernähren. Ob sie es aus politischen oder tierrechtlichen Gründen tun oder ob sie einfach auf den Vegan Hype aufgesprungen sind. Die Menschen, die sich für die Befreiung der Tiere einsetzen und deswegen auch die Ernährung umgestellt haben, kommen und helfen auch auf den Höfen, spenden und unterstützen unsere und die Arbeit der Lebenshöfe. Das ist natürlich positiv zu sehen.

Im Interview 2015 meintet ihr, dass es viel mehr Anfragen zur Aufnahme von Tieren gibt als ihr realisieren könnt. Diese Anfragen abzulehnen stelle ich mir sehr schwer vor, und es brachte mich zu der Frage, wo ihr den Schwerpunkt der Arbeit von Free Animal seht. In der Unterstützung der Lebenshöfe? Oder sind für euch die Tiere auf den Höfen eher Botschafter, die zeigen, wie gut es nichtmenschlichen Tieren gehen kann und sollte – in einer Welt ohne Ausbeutung?

Zwei Pferde auf einem Hof, die direkt in die Kamera schauen und einen lustigen Pony haben
Sie hatten Glück …

Es ist sehr schwer. Bei Anfragen müssen wir uns automatisch auch mit der Geschichte des Tieres auseinandersetzen, selbst wenn wir es noch nicht gesehen haben. Daher fällt es immer schwer Nein zu sagen. Die Plätze auf den Höfen und in den Projekten sind begrenzt, die menschliche Kraft der BetreiberInnen ebenso und die finanziellen Mittel reichen oft nicht aus. Wir hatten vor 20 Jahren eine Vision, auch für sogenannte Nutztiere einen Lebensraum zu schaffen, wo sie ohne Ausbeutung einfach nur leben können. Das kostet Geld, daher haben wir uns zur Aufgabe gemacht, Menschen die diese Arbeit auf sich nehmen – ohne Feierabend und ohne Urlaub -, zu unterstützen. Natürlich auch mit dem Gedanken der Gesellschaft zu zeigen, dass es auch anders geht – dass auch nichtmenschliche Tiere ein Recht auf ein ausbeutungsfreies Leben, Freiheit und einen natürlichen Tod haben.

Zwei Schweine, die gemütlich rumliegen
Mal zusammen gemütlich rumliegen …

Bekommt ihr denn auch öfter die Rückmeldung, dass euer Engagement oder die Geschichten rund um die Lebenshöfe Menschen zum Nachdenken und Aktiv-werden angeregt haben?

Ja, klar bekommen wir Rückmeldungen. Viele Menschen sind zuerst nur neugierig, wollen sehen, wie „Nutztiere“, die sie sonst auf dem Teller haben, in Freiheit leben; das kannten sie nur bedingt von „Haustieren“. Viele waren erstaunt, Schweine und Kühe in Freiheit zu sehen, waren erstaunt über das soziale Verhalten dieser Tiere, die Freundschaften und familiären Bindungen, die sie schliessen.
Die schönsten Rückmeldungen waren dann nach einiger Zeit: „Wir essen kein Fleisch mehr, wie können wir helfen?“.

Ihr macht viel ehrenamtliche Arbeit, und das mit sehr wenigen Menschen. Ist euer Engagement oft auch eine Last, oder überwiegt trotzdem die Freude daran?

Es ist weder Last noch Freude, es ist nach so vielen Jahren zum Lebensinhalt und Mittelpunkt geworden. Klar müssen wir und die BetreiberInnen auf vieles verzichten: freie Wochenenden, Urlaub, oftmals auch Freunde und Familie, die das nicht nachvollziehen können.
Aber wir würden auch nie damit aufhören für die Befreiung der Tiere zu kämpfen, es ist eine moralische und ethische Verpflichtung, die vieles auch zurückgibt. Wenn wir in die Augen der Tiere schauen, sie dabei beobachten, wie sie ihr Leben wieder aufnehmen, nachdem sie den Misshandlungen oder dem Schlachthof entkommen sind, Selbstbewusstsein entwickeln und einfach nur zufrieden und glücklich sind, entschädigt das jeden Verzicht. Es ist Balsam für die Seele, zumindest für einen Moment. Das Wissen, dass dieses Glück nur wenige nichtmenschliche Lebewesen haben dürfen, die anderen millionenfach umgebracht und ausgebeutet werden, rückt schnell wieder in den Vordergrund und macht das Leben oftmals unerträglich.

Wie kann man euch am besten unterstützen?

Um ehrlich zu sein, finanzielle Hilfe ist am Besten, denn es passiert immer wieder, dass Tiere krank werden, die Tierarztkosten sind immens und selten besteht die Möglichkeit, Reserven zu bilden.
Tatkräftige Hilfe vor Ort ist auch gerne gesehen, allerdings müssen wir gleich dazu sagen: Es ist harte Arbeit. Mensch muss schon wissen, wie mit einer Mistgabel umzugehen ist, darf sich bei Hundehaufen, Kuhfladen oder Pferdeäppeln nicht zieren und Ahnung im Umgang mit Tieren, besonders Großtieren haben.

Aneinandergekuschelte Katzenwelpen bei der Katzenhilfe Lanzarote.
Katzenjunge auf Lanzarote

Gibt es irgendetwas, bei dem ihr derzeit akut Hilfe braucht?

Wir wissen, dass gerade die Tierarztkosten auf Lanzarote explodieren. Es müssen schwerkranke Katzen behandelt werden, es muss kastriert und sterilisiert werden, um das Katzenelend zumindest ein wenig einzudämmen. Spätestens im April/Mai kommen wieder Katzenwelpen auf die Welt, die mit Sicherheit Hilfe brauchen.

Vielen Dank an Free Animal für das Interview!
Wie schon eingangs erwähnt: neben der gerade erwähnten Möglichkeit zur direkten Spende gibt es auch die Möglichkeit, mit eurem Einkauf darauf Einfluss zu nehmen, wieviel wir spenden!

Free Animal Plakatmotiv

Und hier nun noch ein paar passende/hilfreiche Empfehlungen von uns:

  • The Ghosts in our Machine DVD – eine Dokumentation über das Leiden der Tiere weltweit – aber auch über gerettete Tiere, die der Maschinerie entgehen konnten
  • We Animals – Bildband mit Fotografien von Jo-Ann McArthur, die auch in dem Film „The Ghosts in our Machine“ portraitiert wird
  • Other animals are here with us – T-Shirt – not for us!
  • Klaus mag Hühner – Ein Kinderbuch, das wir mit Unterstützung von ARIWA herausgebracht haben.
  • Cowspiracy DVD – eine Dokumentation über eine der zerstörerischsten Industrien auf dem Planeten
  • Esther das Wunderschwein – Derek und Steve adoptieren ein „Mini“-Schwein – das dann gar nicht so „mini“ ist, das sie aber in ihr Herz schließen, und dann wird was ziemlich großes draus …
  • Rosa-Mariechen lebt auf Hof Butenland. Sie wurde als Schwein geboren, aber scheinbar wäre sie lieber eine Kuh …
  • Wieso? Weshalb? Vegan! – Hilal Sezgin richtet sich mit diesem Buch rund um Veganismus und Tierrechte an Jugendliche und alle, die gerne lockerere Texte lesen
  • Herbivore T-Shirt – für alle, die keine tierlichen Produkte zu sich nehmen …
  • Herbivore Gürtel – … und hier der passende Gürtel
  • Poster „Wiese“ – Mastanlagen zu Ruinen. So könnte es aussehen …
  • Liberate! – Shirts für die Befreiung aller Tiere!
  • Warum wir Hunde lieben, Schweine essen … – ein Buch von Melanie Joy über die sozialen und psychologischen Mechanismen, die dazu führen, dass wir bestimmte Lebewesen als Lebensmittel betrachten
  • Der Vegan-Hype – Wie aus einer radikalen Haltung eine Lifestyle-Äußerung geworden ist

Alle Fotos von Free Animal

Mastanlagen Widerstand

Banner für die Spendenaktion, mit einem Bild von einer Aktion bei Wiesenhof

Vor gut einem Jahr haben wir schon nach einem Aufruf von Mastanlagen Widerstand 500 € zur Unterstützung des Soliconvoys gespendet. Nun wollen wir Mastanlagen Widerstand auch endlich mal in unserem Blog vorstellen! Zu diesem Zweck haben wir dieses kleine Interview mit zwei Menschen aus dem Bündnis geführt. Wenn euch gefällt, was ihr lest (was wir hoffen), wird es euch sicherlich freuen, dass wir das Bündnis zum Ende der Woche finanziell an unserem Umsatz beteiligen. Und zwar gehen 10 % des Bestellumsatzes vom 23. bis 26. Februar an Mastanlagen Widerstand! Außerdem gibt’s als kleinen Anreiz 5 % Rabatt für euch auf alles*!

Wie kamt ihr auf die Idee, das Bündnis Mastanlagen Widerstand ins Leben zu rufen?

Menschen haben sich auf einer Zufahrt zum Schlachthof Möckern zusammengekettet, um den Zuweg zu blockieren
Schlachtfabrik-Blockade Mai 2014
Wiesenhof Schlachthofblockade März 2013

Wir haben Mastanlagen Widerstand nun mittlerweile vor fünf Jahren gegründet. Es gab für uns wohl eher viele Gründe, als eine Idee, sich zu organisieren.
Konzerne wie Wiesenhof stellen ein gutes Ziel für ein Aktionsbündnis dar. Als riesiger Fleischproduzent vereinigen sich dort zum einen verschiedenste Formen der Ausbeutung kapitalistischer Produktion. Sowohl die alltägliche, routinierte Ausbeutung von Tieren und Umweltressourcen, als auch rassistische Verwertungslogiken, wie z. B. die Ausbeutung von Schlachthofmitarbeiter*innen, können bei den Protesten gegen Wiesenhof thematisiert und öffentlich diskutiert werden. Darüber hinaus bieten die Ausbaupläne der PHW Gruppe direkte Ziele, denen mit Widerstand begegnet werden kann. Mastanlagen waren und sind in Süddeutschland im Genehmigungsverfahren, die gemeinsam mit Gegner*innen aus den jeweiligen Landkreisen gestört wurden und werden. Aber auch direkt die Schlachtfabriken können durch Blockaden in ihrem Ablauf zumindest für einige Stunden aufgehalten werden.
Als weiteren Punkt, den wir anführen möchten, ermöglichte dieses Bündnis sich mit weiteren Kampagnen wie der Kampagne gegen Tierfabriken in Niedersachsen und mittlerweile auch der Kampagne Tierfabriken Widerstand in Norddeutschland zu vernetzen und damit den Protest gegen die Fleischindustrie und unsere Kritik an Fleischkonsum zu intensivieren.
– Egal wo ihr Ausbeutungsstätten plant, müsst ihr mit Widerstand rechnen. –

Ihr erwähnt, dass ihr am Beispiel von Mastanlagen verschiedene Problematiken thematisieren könnt. Wie ist die Resonanz darauf, hier keinen Single-Issue-Protest zu etablieren? Ich denke da zum einen an Tierrechts- oder Tierschutzaktive, verbündete Bürgerinitiativen, aber auch zum Beispiel an die Medien …

Hmm, das ist gar nicht so einfach zu beantworten – vielleicht lässt es sich am besten mit ein, zwei kurzen Beispielen darstellen, was wir für Resonanz auf unser politisches Handeln und unsere Positionierung erhalten.
Letzten Sommer hatten wir beispielsweise eine Anfrage, ob wir auf der Münchner Veganmania mit einem Infostand teilnehmen wollen. Wir haben damals mit einer öffentlichen Stellungnahme abgesagt. Gründe waren die Teilnahme rechtsoffener Orgas und Querfrontaktivist*innen im Orgakreis der Veganmania. Über die Mailingliste der Veganmania kam daraufhin nichts außer Beschimpfungen als Antwort. Wir seien „Linksfaschisten“, Spalter und Nestbeschmutzer.
Wir sehen die Notwendigkeit sich ganz klar linksradikal zu positionieren und sehen uns als Folge tatsächlich inzwischen als Gegner*innen von dem Teil der Tierschutz-/Tierrechtszene, der sich entscheidet rechtsoffen oder „unpolitisch“ zu sein und darauf aufbauend dann beispielsweise menschenverachtende Orgas wie Animal Peace duldet.

Zwei Menschen von hinten, die sich in einem Betonfass zusammengekettet haben und so eine Schlachthofeinfahrt blockieren. Aus der Distanz werden sie von einer Gruppe Polizist*innen beobachtet
Blockadepunkt bei der G7-Aktion

Bei den BIs sieht es ein wenig anders aus. Da besteht aber auch schon von vornherein ein anderer Anspruch an die Leute als an organisierte Gruppen aus der Tierrechtszene. Meistens bleibt die Kooperation mit den BIs ja auch auf einem niedrigem Level oder Protest findet auch mal „nebeneinander“ statt. Da gibt es sowohl positive als auch negative Erfahrungen bzw. Resonanz.

Ähnlich ist es mit den Medien. Wir haben ja nur begrenzt Einfluss darauf, was von unseren Pressemitteilungen übernommen wird. Klar versuchen wir immer Kapitalismus mit als Ursache für Ausbeutung und Unterdrückung zu benennen. Und wir freuen uns auch, wenn das in irgendwelchen Hinterland-Zeitungen, in deren Regionen Anlagen entstehen sollen, abgedruckt wird.
Am besten ist es uns wohl bei den G7-Protesten 2015 gelungen. Damals wurde, kurz vor dem Gipfeltreffen in Elmau, die Münchner Schlachtfabrik sehr aufwendig blockiert. Wir hatten im Vorfeld einiges an Bedenken, ob die Medien das checken. Wider Erwarten war die Berichterstattung damals durchweg gut.

Am Wiesenhof Schlachthof-Bogen lassen zwei Menschen ein Banner herunterhängen, auf dem 'Mastanlagen Widerstand' steht
Bannerdrop am Wiesenhof-Schlachthof Bogen

Ja, das ist nicht unbedingt zu erwarten gewesen.
Anfang 2016 hattet ihr ja auch eine große Protestaktion gegen die Wiesenhof-Schlachtfabrik Bogen, die nach einem Brand in 2015 neu gebaut wurde. Was nehmt ihr mit einigem Abstand mit von diesen großen Protestaktionen – sowohl für euch, als auch bezüglich der Wirksamkeit?

Besetzung der Wiesenhof-Schlachtfabrik Bogen 2016

Das mit dem Abstand ist so eine Sache. In der Regel kommt die staatliche Repression meist ein Jahr nach der Aktion. Im Moment stehen z. B. die Verfahren für die Blockade in Bogen noch aus.
Der Blick auf diese „größeren“ Aktionen hat sich über die Jahre natürlich etwas gewandelt, bzw. haben sich manche Einschätzungen und Erwartungen bestätigt, andere nicht.
Wir halten Schlachtfabriken immer noch für ein gutes Ziel von aktivistischer Intervention, da sich an diesen Orten die Gewalt und Unterdrückung der kapitalistischen Verwertungslogik besonders deutlich zeigt und dementsprechend gut kritisieren lässt. Die Wirksamkeit ist natürlich begrenzt und unsere Kapazitäten und Handlungsspielräume eben auch.
Die Einschätzung, dass diese Aktionen andere Gruppen motivieren könnten und viele „Nachahmer_innen“ finden, die hat sich aus unserer Sicht leider nicht bestätigt. Dabei wäre es natürlich sehr erstrebenswert für die Tierbefreiungsbewegung, für Schlachtfabrikblockaden etwa öffentlich mobilisieren zu können und, anstatt mit 30 bis 50 Personen, mit mehreren hunderten Aktiven diese Fabriken blockieren zu können. Ich denke dabei an den motivierenden Moment der entstehen kann, wie etwa bei den von Ende Gelände organisierten Massenaktionen, um Tagebauten lahmzulegen.
Dazu sind wir im Moment leider noch nicht in der Lage.

Ein Traum, den ihr mit dem Netzwerk Animal Climate Action teilt
Ihr seht die aktuelle Situation der Proteste gegen Mastanlagen also nicht so positiv? Ist die Tierbefreiungsbewegung einfach nicht groß genug dafür? Zu passiv? Zu unentschlossen?

Ja das könnte mensch vielleicht so sagen: „… am Ende hängt es von uns allen ab.“ (Zitat aus dem Interview mit animal climate action)
Natürlich besteht in dem vermehrten Protest gegen die Fleischindustrie eine positive Entwicklung. Mit Tierfabriken Widerstand gibt es beispielsweise eine weitere Gruppe, die auf Erfahrungen der anderen Gruppen aufbaut und gegen den Bau von Mastanlgen in Nord- bzw. Ostdeutschland aktiv ist, dort BIs (mit-)initiiert und in den Genehmigungsverfahren interveniert. Es könnte aber natürlich wesentlich besser aussehen, hätte der hierzulande stattfindende Veganhype der letzten Jahre nicht so einen entpolitisierten Charakter getragen. Da müssen wir uns als Aktive schon auch selbst Fragen, wieso die Bewegung keinen wirklichen Aufschwung mitgenommen hat.
Vielleicht liegt es aber z. B. auch an anderen Faktoren, wie etwa dass es gesamtgesellschaftlich richtig beschissen aussieht und sich folglich auch bei vielen Leuten der Schwerpunkt der politischen Arbeit verlagert. Als Teil der linksradikalen Bewegung sollten wir die Bedrohung eines erstarkenden Neofaschismus ernstnehmen und natürlich auch versuchen ihn zu bekämpfen. Also, diese Frage müssen wir ernsthaft in unserer Gruppe und auch in der Tierbefreiungsbewegung diskutieren: Ist es sinnvoll, mit einer starken AfD im Bundestag, z. B. noch Schlachtfabriken zu blockieren? Vielleicht ist es für diese Frage auch beinahe schon zu spät, wenn wir bedenken, dass Menschen aktuell schon wieder nach Afghanistan abgeschoben werden und es kaum Proteste dagegen gibt.

Heißt das für euch als Gruppe, dass ihr derzeit noch stärker dazu tendiert, euch in Bereichen abseits reiner Tierrechtsarbeit zu engagieren?

Bei dieser Frage möchte ich jetzt nicht für die Gruppe sprechen, kann aber meine Sicht darauf etwas genauer darlegen.
Ohne Panik verbreiten zu wollen, empfinde ich die Entwicklung in Europa doch als sehr beängstigend. Einen solchen Rechtsruck und ein größtenteils ausbleibender Aufschrei der Zivilgesellschaften sollte aus linksradikaler Perspektive als Alarmzeichen wahrgenommen werden. Und ja, mir fallen dazu unweigerlich Primo Levis warnende Worte ein: „Es ist geschehen, und folglich kann es wieder geschehen.“
Es ist vielleicht noch nicht im Detail abzusehen, was z. B. die Etablierung einer AfD gesamtgesellschaftlich für Folgen haben wird. Aber wie sie bereits jetzt, ohne im Bundestag vertreten zu sein, wirken können, lässt nichts Gutes erahnen.
Und ich muss mir auch gar nicht so abstrakte Bilder ausmalen. Es reicht aus, den relevantesten Hetzer_innen zuzuhören und zu wissen dass sie in einem nicht unrelevanten bzw. größer werdenden Teil der Gesellschaft Rückhalt genießen. Was wird wohl ein: „Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet …“, bedeuten?!
Ob ich dann in einer von der AfD (mit-)regierten Gesellschaft, als Mensch der wegen Schlachtfabrik- und Naziblockaden in der Polizeidatenbank als Straftäter „linksmotiviert“ erfasst ist, weiterhin Schlachtfabriken blockieren kann, oder eher im Knast sitze, lass ich jetzt mal im Raum stehen. Was mit meinen Freund_innen passiert, die keinen deutschen Pass besitzen, ebenso.
Zusammengefasst: Ich würde es als Notwendigkeit sehen, als eine sich selbst als emanzipatorisch verstehende Bewegung, auf negative gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren und sich diese Flexibilität im Agieren zu bewahren.

In welchen Bereichen ist euer Bündnis denn derzeit aktiv? Und was habt ihr dieses Jahr noch vor?

Wir waren und sind vor allem bei der Unterstützung von selbstorganisierten NonCitizen-/Geflüchtetenprotesten aktiv. Ich glaube, da kann ich von einem Konsens in unserer Gruppe sprechen, dass, falls es diese Proteste in unserem Umfeld wieder gibt, wir sie auch mit sehr hoher Priorität unterstützen. Wie etwa zuletzt der Protestmarsch von München nach Nürnberg. Das sind Menschen die sich unter schwierigsten Bedingungen aufraffen und als Betroffene gegen Rassismus und Unterdrückung vorgehen.
Antifaschistische Präsenz auf der Strasse ist natürlich ebenfalls wichtig für uns. Allerdings müssen wir uns da wohl eingestehen, dass wir das eigentlich viel ernster und organisierter angehen müssten, als wir das bislang tun.
Was wir sonst konkret dieses Jahr vorhaben, verraten wir nicht Allerdings wollen wir hier auch nochmal kurz dazu aufrufen: Kommt alle zum G20! Wer sich Despoten wie Trump, Putin und Erdogan einlädt, der sollte schon seinen kompletten Polizeistaat auffahren müssen, um in Ruhe quatschen zu können. Wir hoffen auf ein entschlossenes inter-/antinationalistisches Zeichen der europäischen Radikalen Linken.

Improvisierte Feldküche
Soliconvoy-Küche in Tovarnik, Kroatien

In der jüngeren Vergangenheit fiel uns besonders eure eingangs erwähnte Solidarität mit Geflüchteten auf, zum Beispiel beim Soliconvoy. Auf welche Weise hängen diese Schwerpunkte für euch zusammen?

Naja. Wenn wir das Ziel einer befreiten Gesellschaft ernst meinen, dann muss wohl so einiges, was heute Alltag ist, angegangen werden.
Schon bei früheren Protesten von Mastanlagen Widerstand thematisierten wir auch die Ausbeutung von Menschen, beispielsweise durch die Kritik an den prekären Beschäftigungsverhältnissen von Schlachthofmitarbeiter*innen. Diese kommen meist aus osteuropäischen Ländern nach Deutschland.
Schon hier zeigt sich, dass Grenzen eine bedeutende Rolle in der Verwertung von Mensch und Tier spielen. Nur weil eine Person beispielsweise aus Rumänien kommt, ist es machbar und legitim sie aufgrund ihrer Herkunft und ihrer sozialen Situation zu diskriminieren und auszubeuten. Grenzen in Köpfen, die Tiere zu Waren machen, sind aus unserem Selbstverständnis heraus genauso zu kritisieren wie Grenzen, die nationale Konstrukte bilden und damit Menschen diverse Rechte zusprechen oder eben nicht.

Refugees stehen vor einem mit Maschendrahtzaun und Stacheldraht hochumzäunten Areal
Registrierungs- und Abschiebeknast Moria, Lesbos

Was gerade an den EU-Innen- und Außengrenzen passiert, thematisiert genau dies. Grenzen sollen Menschen davon abhalten ihr Leben zu schützen, für sich und andere zu sorgen oder einfach den Ort frei zu wählen, an denen ein Leben weitergeführt werden soll. Dazu ist alles recht: Zäune, Militär, Polizei, Abschreckung auf die ekelhafteste Art, frierende und hungernde Menschen, Asylrechtsverschärfungen, die noch mehr Kategorien einführen und Menschen erneut Rechte absprechen.

Welche Erfahrungen vom Soliconvoy sind bei euch euch besonders hängengeblieben?

Menschem mit Kindern, dicht an dicht. Im Vordergrund sieht man einen Polizisten mit Schlagstock, der sie zusammenschiebt
Eingekesselte Refugees, Röszke, Ungarn

Es gab viele Momente, die in Erinnerung bleiben. Wahrscheinlich berühren vor allem die vielen Kinder zwischen all der Gewalt und den furchtbaren Zuständen. Doch auch die Männer und Frauen, die immer wieder aus den Polizeiketten ausbrechen mit den Rufen „NO FINGERPRINTS“, bleiben im Gedächtnis. Ja, ich denke, vor allem diese Erfahrung ist in Röszke hängen geblieben. Im großen Chaos, während ein Mensch dringend Schuhe braucht und ein Baby unbedingt etwas zu essen, eine Mutter verzweifelt ihr Kind sucht, die Polizei mal wieder heroisch ihre Schlagstöcke zückt, um Menschen auf einem Platz zu halten, sind die Mensch widerständig geblieben. Sobald sich größere Mengen angesammelt haben, haben sie die Polizeiketten durchbrochen, ihre Registrierung verweigert, sich ihren Weg weiter gebahnt, gegen die viele Gewalt und Missachtung protestiert, die ihnen auf der Flucht entgegen gebracht wird, und damit Tag für Tag Grenzen praktisch in Frage gestellt. Sie sind einfach weitergegangen, auch wenn Polizei und Politik am Liebsten gehabt hätten, dass sie einfach doch als unangenehmes Bild von der Bildfläche verschwinden. Und sie haben damit zumindest für eine Zeit Dublin III unmöglich gemacht und sich Bewegungsfreiheit erkämpft.
Dass dies in autoritären Staaten nicht lange anhält, war zu erwarten. Es zeigt aber weiterhin, dass es Organisation, Widerstand und aktive Solidarität braucht.

Wenn mich euer Bündnis nun begeistert – wie kann ich mitmachen? Und wie könnt ihr sonst unterstützt werden?

Mehrere Menschen sind dabei, ein Tripod für eine Blockade aufzubauen
Anpacken: Tripodaufbau

Wir waren schon mal offener bzw. besser ansprechbar für neue Leute und sehen diesbezüglich die eigene Entwicklung auch kritisch. Am besten ist es, mensch schreibt uns einfach per E-Mail an oder lernt uns eben auf öffentlich beworbenen Terminen (Kongresse, Camps, Demos) kennen. Am besten unterstützen könnt ihr uns natürlich, wenn ihr selbst aktiv werdet oder bleibt. Organisiert euch und lasst euch nicht kaputt machen! Zum Schluss auch nochmal ein großes Dankeschön an euch tollen Leute von roots of compassion. Vor allem in der Zeit der Soliconvoys hat uns der politische Zuspruch und auch der finanzielle Support aus der Tierbefreiungsbewegung sehr berührt.

„The revolution will be intersectional or it won’t be successful“

Vielen Dank an Mastanlagen Widerstand für das Interview!!
Und mit euch zusammen unterstützen wir das Bündnis finanziell vom 23. bis 25. Februar: Ihr bestellt bei uns und bekommt dabei 5 % Rabatt auf eure Bestellung* – und wir spenden 10 % der in diesem Zeitraum gesammelten Bestellwerte an Mastanlagen Widerstand!

Und hier nun noch ein paar passende/hilfreiche Empfehlungen von uns:

  • Tierbefreiung #90 – mit dem Schwerpunkt „Kampagnen und Aktionsbündnisse“
  • Total Liberation – Hier geht es um Aktivismus, der nicht auf Kosten anderer Kämpfe Erfolge feiern will, sondern die Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen der verschiedenen Bewegungen betont
  • Direkte Aktionen – Ideensammlung mit Tipps und Tricks
  • go. stop. act. – Erfahrungsberichte und Geschichten zu Aktionsformen. Zur Nachahmung empfohlen
  • Poster „Wiese“ – Mastanlagen zu Ruinen. So könnte es aussehen …
  • Liberate! – Shirts für die Befreiung aller Tiere!
  • Bold Native – der Tierrechts-Spielfilm
  • Refugees Welcome! – Flagge zeigen!
  • The Ghosts in our Machine – Tierrechtsfotografin Jo-Anne McArthur gibt Einblicke in ihre Recherchen
  • Rosa-Mariechen – so gut kann es ein Schwein auf dem Lebenshof Butenland haben
  • Green is the new red – Wie Öko-Aktivismus systematisch zu Terrorismus erklärt wird
  • Muzzling a Movement – Beispiel USA: So soll per Gesetz die Tierrechtsbewegung mundtot gemacht werden.
  • Wege durch die Wüste – denn du solltest wissen, was du tust, wenn du politisch aktiv wirst

Alle Fotos von Mastanlagen Widerstand

*außer Gutscheinen, deutschsprachiger Literatur, Tiernahrung, Kaffee und allem in den Hard-To-Port- sowie ARIWA-Shops

Auswertung der Weltveganwoche

Mit diesem Banner haben wir für die Rabatt- und Spendenaktion Anfang November geworden - alle fünf Organisationen, für dir Geld sammeln wollten, sind in einem kleinen Ausschnitt dargestellt ...

Anfang November haben wir anlässlich des Weltvegantages mal eine neue Variante ausprobiert: eine Weltveganwoche mit einem kleinen Rabatt für euch und einem Spendenanteil an eine von fünf Organisationen. Da unser Shop leider nicht die Möglichkeit bietet, so etwas für alle Seiten komfortabel einzubauen, haben wir einen Umweg versucht und euch gebeten, ein kostenloses Produkt in euren Warenkorb zu packen, aus dem deutlich wird, wohin wir für eure Bestellung spenden sollen.
Insgesamt kamen bei der Aktion 183 € zusammen, die sich wie folgt aufteilten: Erdlingshof 80 €, ARIWA 36 €, Animal Climate Action 35 €, Hard To Port 17 € und Sven & Natasha 15 €.
Wir hatten ehrlich gesagt mit mehr gerechnet, aber es wurden auch schlicht erstaunlich viele Bestellungen ohne Spendenzielangabe getätigt. Nächstes Jahr werden wir uns dann wohl nochmal was anderes überlegen, da das vielleicht doch zu kompliziert war. Aber wir freuen uns dennoch auch über diese kleinen Beträge, und mit Blick auf unser bisheriges gesamtes Spendenaufkommen (unten auf der Seite) sind wir aufs Jahr betrachtet doch ziemlich zufrieden.