Soli-Aktionen

Spenden-Aktion für Afrique-Europe-Interact

Aktionsbild für die Spendenaktion. Auf dem Foto sieht man neben dem Amkündigungstext demonstrierende Menschen in aai-Shirts
Bamako-Dakar-Karawane (2011): Demo am Rande der
Sahara. Foto: Leona Goldstein

Letztes Jahr haben wir euch schon das Watch The Med Alarmphone vorgestellt – eine Initiative zur Unterstützung Flüchtender, die auf dem Mittelmeer in Seenot geraten. Das Projekt wird unter anderem von Afrique-Europe-Interact getragen, die wir euch sehr gerne diesen Monat vorstellen wollen.
Und natürlich geht auch diesmal eine Spende an Afrique Europe Interact, und zwar spenden wir 10 % eures Bestellwertes vom 19. bis 25. Februar!

Afrique-Europe-Interact ist vermutlich vielen kein Begriff. Wer seid ihr, und was macht ihr?

Afrique-Europe-Interact (AEI) ist ein kleines, transnational organisiertes und ausschließlich ehrenamtlich arbeitendes Netzwerk, das Anfang 2010 gegründet wurde. Beteiligt sind Basisaktivist*innen vor allem in Mali, Burkina Faso, Togo, Guinea, Tunesien, Marokko, Deutschland, Österreich und den Niederlanden – unter ihnen viele Geflüchtete, Migrant*innen und Abgeschobene. Politisch verfolgt AEI eine doppelte Programmatik: Einerseits verteidigen wir die Rechte von Geflüchteten und Migrant*innen, was nicht nur bedeutet, die repressive Migrationspolitik der EU öffentlichkeitswirksam zu kritisieren, sondern auch den daraus resultierenden Entrechtungen praktisch-solidarisch entgegenzutreten, z. B. durch die Mitarbeit beim Watch the Med Alarmphone und Aktionen gegen Abschiebungen. Andererseits unterstützen wir in mehreren afrikanischen Ländern Initiativen von Betroffenen, u. a. gegen Landgrabbing und innerstädtische Vertreibungen. Diese zweite Zielsetzung steht im Kontext unseres grundsätzlichen Anspruchs, die strukturellen Hintergründe von Flucht und Migration und somit die Forderung nach gerechter bzw. selbstbestimmter Entwicklung zum Thema zu machen. Verknüpft sind beide Schwerpunkte durch die Devise: „Für das Recht zu bleiben und das Recht zu gehen“.

Wie kam es zu den Kontakten, insbesondere zu Beginn nach Togo und Mali?

Demo von ehemaligen Bewohner_innen des
tunesischen Wüstenlagers Choucha bei der
Innenministerkonferenz in Osnabrück im Dezember
2013.Foto: visual.rebellion

In Togo ist die Assoziation der Abgeschobenen Togos (ATE) in Sokodé Teil unseres Netzwerks. Viele der Aktivist*innen sind aus Deutschland abgeschoben worden und die Verbindungen bestehen schon seit damals. Die aktuellen politischen Proteste in Togo beschäftigen uns gerade sehr viel, nicht zuletzt, weil viele AEI-Aktivist*innen in Europa ursprünglich aus Togo kommen. Die Kontakte nach Mali sind im Rahmen der ersten großen Aktion von AEI entstanden, einer dreiwöchigen „Karawane für Bewegungsfreiheit und gerechte Entwicklung“, die Anfang 2011 auf Initiative der in Bamako ansässigen AME (Assoziation der Abgeschobenen Malis) stattgefunden hat: Rund 250 AktivistInnen, die meisten aus Mali, haben sich an der Bustour von der malischen Hauptstadt Bamako zum 11. Weltsozialforum in Dakar/Senegal beteiligt – einschließlich zahlreicher Aktionen und Versammlungen mit der lokalen Bevölkerung entlang der Route. Auch die Kontakte zu den Aktivist*innen in Burkina Faso sind damals entstanden und die Leute von Faso Kele, die in Guinea gerade ein ökologisches Künstler*innendorf aufbauen, waren auch schon auf der Karawane dabei. Außerdem haben wir Kontakte in Marokko und Tunesien geknüpft, zum einen zu subsaharischen Migrant*innen, die dort gestrandet sind, z. B. 2011-2014 im Lager Choucha an der tunesischen Grenze zu Libyen, zum anderen aber auch zu dortigen Menschenrechtsorganisationen und Gruppen wie denen, die beim Alarmphone Tunis aktiv sind.

Stichwort “Gestrandete Migrant*innen”: Letztes Jahr haben wir das Watch The Med Alarmphone für das Mittelmeer vorgestellt. Nun seid ihr auch an dem Aufbau eines Alarmphones für die Sahara beteiligt. Warum ist das notwendig?

Eine Gruppe Menschen diskutiert mit den Insassen eines grünen Kleinbusses von AEI
Mobilisierungstour im Office du Niger (Mali), 2015.
Foto: Afrique-Europe-Interact

Auch in der Wüste verlieren jedes Jahr unzählige Menschen ihr Leben. Offizielle Daten darüber gibt es keine, aber Migrant*innen, die die Wüste durchquert haben, und auch Akteure aus den unmittelbar betroffenen Ländern gehen davon aus, dass die Zahlen ähnlich hoch wie im Mittelmeer sind. Und genau wie im Mittelmeer führen auch in der Wüste stärkere Kontrollen und Kriminalisierung dazu, dass die Reise immer gefährlicher wird und noch mehr Migrant*innen ums Leben kommen. Das Alarmphone Sahara will zum einen Migrant*innen verlässliche Informationen zur Verfügung stellen, damit sie nicht abhängig sind von Fehlinformationen von Schleppern oder internationalen Organisationen wie etwa der Internationalen Organisation für Migration (IOM), einer seit Herbst 2017 der UNO angegliederten Organisation, der es vor allem um Verhinderung von Migration geht. Wir wollen Todesfälle und Gewalt gegen Migrant*innen dokumentieren und so mit der Forderung nach sicheren und legalen Flucht- und Migrationswegen versuchen, öffentlichen Druck in den betroffenen Ländern, aber auch in Europa, zu machen. Als drittes soll es auch darum gehen, eigene Rettungsmissionen zu versuchen, wenn zum Beispiel ein Fahrzeug in der Wüste liegen bleibt. Als ersten Schritt dazu wollen wir demnächst in Agadez, im Norden von Niger, ein Büro eröffnen.

Welche Projekte und Kampagnen werden ansonsten derzeit von euch besonders unterstützt?

Selbstbestimmt und solidarisch
Rassistische Polizeigewalt in Leipzig

In Mali unterstützen wir mehrere Dörfer in ihrem Kampf gegen Landgrabbing, unter anderem im Rahmen einer aus Afrique-Europe-Interact hervorgegangenen bäuerlichen Basisgewerkschaft. Außerdem spielen Migration sowie die gesellschaftliche Krise im Norden des Landes eine wichtige Rolle. In Togo, Tunesien, Marokko und Deutschland unterstützt AEI Geflüchtete, Migrant*innen und Abgeschobene (bzw. ihre Familien) in ihren Kämpfen um gleiche Rechte. Neben diversen politischen Aktivitäten gehört hierzu auch ein von AEI gegründetes Rasthaus für Migrantinnen und ihre Kinder in Rabat. Die Frauen können bis maximal drei Monate dort bleiben, viele haben während der Wüstendurchquerung massive sexualisierte Gewalt erfahren. In Burkina Faso hat AEI den Sturz des langjährigen Diktators Blaise Campoaré und den anschließenden Transformationsprozess seit Oktober 2014 solidarisch begleitet, woraus unter anderem ein 90-minütiger Dokumentarfilm entstanden ist. Außerdem spielt in Europa, insbesondere in Deutschland und Österreich, auch die auf Nord-Süd-Fragestellungen fokussierte Öffentlichkeitsarbeit eine wichtige Rolle – sei es durch Publikationen, Veranstaltungen oder die Produktion von Filmen. In diesem Zusammenhang hat Afrique-Europe-Interact vom 6. bis 8. Oktober 2017 zusammen mit Akteur*innen aus der Klima- und Postwachstumsbewegung in Leipzig eine 2,5-tägige Konferenz unter dem Titel „Selbstbestimmt und solidarisch! Konferenz Migration, Entwicklung und ökologischer Krise“ organisiert, an der 700 Menschen teilgenommen haben.

Sehr wichtig ist auch, in der EU aktiv zu sein. Denn die Politik der EU und der einzelnen Staaten hat oft auch für andere Staaten Konsequenzen. Könnt ihr ein paar konkrete Beispiele nennen, und welche Folgen daraus ihr für Afrika bzw. Teile Afrikas feststellt?

Kontrollposten zwischen Burkina Faso und Niger
Kontrollposten in Burkina Faso auf der Strecke
Richtung Niger (2017), Migrant_innen werden
aussortiert und müssen einen willkürlichen Wegzoll
bezahlen. Foto: Richard Djif

Das ist eigentlich ein Thema, das nicht in ein paar Sätzen abzuhandeln ist. Zum einen hat natürlich die EU-Migrationspolitik ganz konkrete und beabsichtigte Auswirkungen in den afrikanischen Herkunfts- und Transitländern, die nicht nur Flüchtende betreffen. Zum Beispiel behindert die Schließung innerafrikanischer Grenzen nicht nur die Migration, sondern auch den wirtschaftlichen Austausch zwischen afrikanischen Ländern. Ganz konkret ging z. B. im Niger vor kurzem eine Buslinie von der Hauptstadt Niamey nach Agadez, einem Knotenpunkt von Migration in Richtung Libyen, aufgrund ständiger Ausweiskontrollen pleite, und die Beschlagnahmung von Autos und die Verhaftung angeblicher Schlepper (die früher v. a. im Sahara-Tourismus tätig waren) führte zum Verlust von Einkommen zahlreicher Familien. Wirtschaftsverträge und sogenannte Entwicklungshilfe-Abkommen mit afrikanischen Staaten werden immer stärker mit der Bedingung des Kampfs gegen “illegale” Migration verknüpft – durch schärfere Grenzkontrollen, Einführung biometrischer Ausweise, Rückübernahme nicht nur von Staatsangehörigen, sondern auch von Transitmigrant*innen etc. Bisher wehren sich zwar einige Regierungen, z. B. die Malis, noch gegen solche Rückübernahmeabkommen, da sie selbst ja auch ein Interesse an Migration, vor allem an den Rücküberweisungen der Migrant*innen, haben und es viele Proteste gibt. Aber der Druck wird immer größer.
Zum anderen wird durch die aufgezwungene Liberalisierung des Handels, durch Landgrabbing, durch Leerfischen der Meere durch technisch überlegene europäische Fischfangflotten und viele andere Maßnahmen die wirtschaftliche Situation für die große Mehrheit der afrikanischen Bevölkerung immer prekärer, Korruption und auch politische Konflikte nehmen zu. Das heißt, Fluchtursachen werden nicht beseitigt, wie von Politiker*innen behauptet wird, sondern noch weitere geschaffen. Und weil legale Migrationsmöglichkeiten, die es vor Einführung des EU-Visaregimes in den 1990er Jahren gab, und sichere Fluchtwege heute fehlen, nehmen viele Menschen immer gefährlichere Routen in Kauf.

Ihr seid ein breites Netzwerk, über Ländergrenzen hinweg, aber auch innerhalb Deutschlands ist das wahrscheinlich nicht so einfach. Wie organisiert ihr die Zusammenarbeit von Aktivist*Innen, die über große Distanzen verteilt sind und aus recht unterschiedlichen Zusammenhängen kommen?

Wie schon gesagt, kennen viele von uns einander von gemeinsamen Aktionen und Konferenzen in afrikanischen und (sofern Einladungen möglich sind) europäischen Ländern. Solche Treffen und gemeinsame Aktivitäten, wie z.B. die Bamako-Dakar-Karawane, kosten natürlich viel Geld und sind aufgrund unserer begrenzten finanziellen Mittel nicht allzu häufig möglich. In der Zwischenzeit bleibt der Kontakt über das Internet (e-mail-Listen, WhatsApp-Gruppen, facebook), aber in vielen afrikanischen Ländern sind die technischen Verbindungen nicht so gut wie hier und Aktivist*innen können sich meist keine eigenen Computer leisten. Deshalb ist auch dabei Unterstützung nötig, z. B. bei der Anmietung und Ausstattung von Büros der AEI-Aktivist*innen in afrikanischen Ländern.
Klar ist, dass die politische Arbeit hier und dort unter sehr unterschiedlichen Bedingungen stattfindet. Kriminalisierung und Verhaftungen, schon bei friedlichen Demonstrationen, sind z. B. in Togo Alltag. Und die meisten Aktivist*innen in afrikanischen Ländern haben kein Geld, um auch nur zu einem Treffen in der Hauptstadt zu fahren, weshalb auch dies oft aus Spenden an AEI finanziert werden muss.

Protest von Afrique-Europe-Interact vor afrikanischen
Botschaften am 11.11.2016 in Berlin.
Foto: Tom Ben Guischard

Hier in Deutschland müssen Geflüchtete in Lagern weitab von großen Städten leben und haben schon allein deshalb Probleme, sich zu organisieren und an die Öffentlichkeit zu gehen. Fahrtkosten zu unseren regelmäßigen Treffen (3-4 mal im Jahr für ein Wochenende), Konferenzen und gemeinsamen Aktionen z. B. gegen Abschiebungen und für die Rechte von Geflüchteten müssen deshalb auch weitgehend aus der AEI-Kasse bezahlt werden. Außerdem können bei weitem nicht alle AEI-Mitglieder hier Deutsch oder Englisch, sondern sprechen Französisch oder andere Sprachen, so dass Übersetzung bei Treffen und von schriftlichen Texten organisiert werden muss und der elektronische Austausch mehrsprachig ist. Wichtig ist uns, dass alle die Möglichkeit haben, zu Wort zu kommen und wir versuchen, auf Augenhöhe zu kommunizieren und zusammen zu arbeiten.

Wie nehmt ihr die Solidarität mit euren Anliegen in Europa wahr? Mein Eindruck ist, dass es sehr schwierig ist, Menschen für Themen zu mobilisieren, die sie nicht direkt greifbar betreffen, und man selten zum Beispiel eine nennenswerte Menge Aktivist*Innen zusammenbekommt, wenn etwas nicht direkt vor der eigenen Haustür geschieht.

Das stimmt. Wir erhalten zwar sehr viel positives Feedback für unsere Aktivitäten, vor allem für den Versuch, südliche Perspektiven bzw. Positionen in Europa stärker zur Geltung zu bringen. Und sicher beschäftigen sich auch mehr Menschen als früher in Bezug auf Afrika kritisch mit dem Kolonialismus und rassistischen Kontinuitäten. Aber praktisch einbringen wollen sich nur wenige, vor allem wenn es darum geht, zusammen mit Aktivist_innen aus afrikanischen Ländern politischen Druck aufzubauen. Gegen das neoliberale TTIP-Freihandelsabkommen konnten Hunderttausende mobilisiert werden, aber gegen so desaströse Abkommen wie die EPA-Verträge (Economic Partnership Agreements) zwischen Europa und Afrika ist das nie gelungen. Da ist in Europa eine gewisse Distanz zu spüren, wahrscheinlich auch ein Erbe des Kolonialismus.
Andererseits: Durch die Selbstorganisierung vieler Geflüchteter und Aktionen in der Öffentlichkeit, vor allem im “Sommer der Migration” 2015, aber auch schon vorher, wurde zumindest in Deutschland und anderen europäischen Ländern erreicht, dass die Situation, Probleme und Forderungen auch afrikanischer Menschen näher gerückt sind und mehr Solidarität in breiteren Kreisen entstanden ist. Aus der zunächst nur humanitären Unterstützung ist zum Teil auch politisches Interesse und Engagement entstanden. Bei unseren Veranstaltungen und Aktionen nehmen wir das wahr, auch wenn in den Mainstream-Medien und auf der Ebene der Regierungspolitik andere, gefährliche Tendenzen unübersehbar sind. Rassistische Argumente und Angriffe nehmen zu und rechtspopulistische Parteien gewinnen an Zulauf. Gerade deshalb müssen wir gemeinsam in Europa und mit Aktivist*innen in Afrika noch deutlicher machen, wie die Probleme hier und dort zusammenhängen und für was für eine Politik wir kämpfen.

Zu guter Letzt: Was wünscht ihr euch von den Menschen, die diesen Blogbeitrag lesen?

Wie in einigen Sätzen schon deutlich geworden ist, sind wir dringend auf finanzielle Unterstützung angewiesen und freuen uns auch über jeden kleinen Geldbetrag – noch mehr natürlich über größere Spenden. Aber noch wichtiger ist uns, Interesse an unseren Inhalten und Aktivitäten zu wecken und vielleicht auch neue Mitstreiter*innen zu gewinnen.

Vielen Dank für das Interview!

Wie anfangs erwähnt, gehen 10 % eures Bestellwertes vom 19. bis 25. Februar an Afrique-Europe-Interact. Darüber hinaus seid ihr natürlich herzlich eingeladen, direkt zu spenden, oder gar selbst aktiv zu werden.

Hagen Rether über die Quelle unseres Wohlstands

Ganz zum Schluss haben wir noch ein paar passende/hilfreiche Empfehlungen aus unserem Sortiment:

  • Nichtstun ist keine Lösung – Hilal Sezgin darüber, was uns bremst und warum andere uns bremsen. Und warum wir dennoch aufstehen und aktiv werden sollten.
  • Aftershock – viele Aktivist*innen setzen sich Tag für Tag mit grausamen Gegebenheiten auseinander, aus erster wie aus zweiter Hand. Teilweise sind sie auch direkt in traumatisierende Situationen involviert. Aftershock ist für genau diese Menschen und ihre Unterstützer*innen
  • Refugees Welcome! – Soli-Artikel
  • Total Liberation – Hier geht es um Aktivismus, der nicht auf Kosten anderer Kämpfe Erfolge feiern will, sondern die Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen der verschiedenen Bewegungen betont
  • Aphro-Ism – Hier findet ihr Texte von Aph und Syl Ko, die in neue Konzepte münden, wie Afrofuturismus und Schwarzer Veganismus zusammen gedacht werden können
  • Deutschland Schwarz Weiß – Noah Sow nimmt euch mit auf eine Selbsterkenntnis- und Senisibilisierungsreise zum Thema Rassismus.
  • re-visionen – In diesem Buch setzen sich verschiedene Personen of colour mit Rassismus, Islamophobie und ausgrenzenden Migrations- und Integrationsregimes auseinander und diskutieren Fragen von individuellem und kollektivem Widerstand, antirassistischer Kulturpolitik und postkolonialen Denkansätzen
  • Widerstandsbewegungen – dieses Buch zeigt die Bandbreite antirassistischer Aktionsformen und Interventionsmöglichkeiten auf und richtet einen schlaglichtartigen Blick auf die Geschichte antirassistischen Widerstands.

Spendenrückblick 2017

Ein Überblick über die Spenden, die wir 2017 getätigt haben

Ein für uns immer wieder wichtiger Aspekt unserer Arbeit bei roots of compassion ist natürlich auch, andere Initiativen zu unterstützen. Damit ihr davon auch etwas mitbekommt, gibt es fünfmal im Jahr Spendenaktionen, wo wir die jeweilige Initiative auch mit einem Interview vorstellen. Darüber hinaus gibt es eine monatliche Unterstützung für einen Lebenshof, und natürlich kommen immer mal wieder spontan noch kleinere Summen aus verschiedenen Anlässen dazu.

Insgesamt gingen ca. 3.700 € an:

Die erwähnten Interviews finden wir natürlich auch wirklich lesenswert, drum hier nochmal ein Link auf einen Artikel, von dem aus ihr sie alle mit einem Klick findet.
Wir hoffen, dass wir dieses Jahr wieder mindestens ebenso viel zusammenbekommen!

Spende an ausgeCO2hlt

Wir spenden 597 € an ausgeCO2hlt

2017 ist vorrüber, und es ist Zeit für einen Kassensturz. Und siehe da: Wir haben ein paar mehr Sendungen als im letzten Jahr verschickt und kommen auf insgesamt 597 €, die wir an ausgeCO2hlt gespendet haben. Denn es wäre ja wohl eine der besten CO2-Ausgleichsmaßnahmen überhaupt, wenn wir dazu beitragen, dass viel weniger CO2 ausgestoßen wird. Kohlekraftwerke dichtmachen, Kohleabbaugebiete stilllegen und renaturieren – je eher wir das erreichen, umso besser!

Vegane Tiernahrung für das Land der Tiere

Hund und Katze vom Lebenshof für Tiere in Mecklenburg-Vorpommern

Klaus wohnt auf dem Land der Tiere. Klaus mag Ami Cat, wenn er sich nicht gerade sein Essen besorgt. Aber nicht nur Klaus mag Ami Cat. Auch die Freund*innen, die er im Winter mitbringt. Und wenn Klaus nicht aufpasst, haben sich Fuchs und Marder auch schon bedient.
Muli und Nica sind ein bisschen größer als Klaus. Deswegen brauchen sie auch viel, viel mehr leckeres Zeug. Ami Dog, V-Dog, Benevo – egal, wird alles durchgezogen.

Diese Woche könnt ihr alle zusammen eine große Lieferung mit veganer Tiernahrung an das Land der Tiere zusammenstellen. Bei uns im Shop gibt es eine kleine, feine Auswahl, die auf dem Land der Tiere benötigt wird. Für jeden dieser Artikel schenken wir euch 15 % vom Verkaufspreis und organisieren hinterher die Anlieferung an den Lebenshof.
Einfach in euren Warenkorb packen, alles bezahlen – ihr bekommt dann den Rest zugeschickt, der nicht an den Lebenshof geht. Klingt eigentlich recht einfach, und ist es hoffentlich auch! 🙂

In unserem Blog gibt es übrigens auch ein Interview über das Land der Tiere!

Spenden, Spenden, Spenden!

Ein kurzer Rückblick in Bildern auf unsere Spendentätigkeiten der letzten Tage:

Bei der Weltveganwoche kamen insgesamt 450 € zusammen, die wir zu gleichen Teilen von je 90 € an die fünf Organisationen gespendet haben, die wir euch dieses Jahr vorgestellt haben!

Kurz zuvor haben wir noch eine Spendenaktion für tierretter.de gemacht, bei der immerhin 120 € zusammengekommen sind!

Und last, but not least: Wir haben mal wieder geschaut, was wir in letzter Zeit so an T-Shirts und Pullis von Hard To Port verkauft haben und kommen auf insgesamt 125 €, die dem Engagement gegen Walfang und Delfinarien zugute kommen!

Weltveganwoche 2017

Diese Woche spart ihr 5 % und wir spenden 5 %.

Es ist wieder soweit: Weltvegantag! Wir hoffen natürlich, dass ihr morgen alle einen großartigen Weltvegantag habt!
Und auch dieses Jahr wollen wir das wieder ähnlich wie im letzten Jahr mit einer Weltveganwoche zelebrieren. Es gibt also auch dieses Mal vom 1. bis 7. November 5 % Rabatt auf unser gesamtes Sortiment (außer deutschsprachige Literatur, Gutscheine und alles im Hard-To-Port- und ARIWA-Shop) für euch. Aber eigentlich geht es uns bei der Weltveganwoche eben nicht darum, euch mit Rabatten vollzukleistern, sondern wir wollen nochmal ein wenig Geld für die Initiativen, die wir euch dieses Jahr bereits vorgestellt haben, sammeln.
Wir werden also weitere 5 % eures Bestellwertes vom 1. bis zum 7. November zu gleichen Teilen an folgende Organisationen spenden:

Ihr findet übrigens am Ende der Interviews jedes Mal Links, wenn ihr direkt spenden wollt und gerade eigentlich nichts von uns braucht. Oder für den Fall, dass ihr die 5 %, die wir euch diese Woche schenken, auch noch spenden wollt!

Soliaktion für tierretter.de

Vor ca. zwei Jahren haben wir bereits einmal eine Spendenaktion für tierretter.de gemacht – dieses Jahr wollen wir ein weiteres Mal für die Arbeit der tierretter sammeln. Das Interview zur ersten Aktion über die Arbeit des Vereins findet ihr hier.

Dieses Mal spenden wir 10 % des Gesamtwertes eurer Bestellungen im Zeitraum vom 19. Bis 21. Oktober an tierretter.de!

Kleiner, aber wichtiger Hinweis: In den verlinkten Videos und auf den Fotos erwarten euch angesichts der Thematik unschöne Bilder von leidenden und toten Tieren aus verschiedenen Recherchen.

Christian, was hat sich für euch in den letzten zwei Jahren verändert?

Vor zwei Jahren standen wir mit der Vereinsarbeit noch ganz am Anfang, jetzt blicken wir schon auf eine dreijährige Vereinsgeschichte zurück. Wir haben über 30 Infostände gemacht, über 20 Vorträge gehalten und wir haben viele verschiedene Aufnahmen veröffentlicht und Filmaufnahmen zu über 20 Fernsehbeiträgen beigesteuert. Wir hoffen, dass viele Menschen sich diese Bilder auch zu Herzen genommen haben und reflektieren, dass sie mit ihrem Konsumverhalten diese Tierquälerei direkt subventionieren. Besonders gefreut hat uns, dass wir in zwei Beiträgen direkt Stellung zu Tierbefreiungen nehmen konnten und wir in einem Fall sogar von einem Fernsehteam bei der Befreiung von über 20 Hühnern begleitet wurden. Denn gerade bei solchen Beiträgen ist es möglich unsere Botschaft unmissverständlich klar zu machen: Es geht uns nicht darum, dass Haltungsbedingungen verbessert werden müssen, es geht darum, dass die Ausbeutung endgültig enden muss.

Ein Mann filmt im Dunkeln mit Kamera und Lampe dicht stehende Schweine in einem Schweinestall
tierretter.de-Aktivist bei der Arbeit

Der Verein ist durch diese Beiträge bekannter geworden, das merken wir auf Strassenfesten, an dem Feedback auf unseren Kanälen, aber tatsächlich bei der Gegenseite und Lobbyverbänden der tierhaltenden Landwirtschaft. Auf einmal taucht unserer Vereinsname auch in Grafiken über die Vernetzung der ’Szene‘ auf, Schweineverbände schicken uns Fragebögen auf Grundlage von diffamierenden Trugschlüssen und Gesichter unserer Aktivisten tauchen in Foto-Collagen über die angeblich schlimmsten Aktiven der Tierrechtsszene auf. Tatsächlich schöpfen wir besonders aus diesen Gegenreaktionen viel Kraft. Wir und unsere Arbeit stellen anscheinend eine ‚Gefahr‘ dar – und das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind und unsere Arbeit Früchte trägt.

Aber für euch gefährliche Situationen sind daraus noch nicht entstanden?

Nicht wirklich, wir sehen das gelassen. Wenn Vereine eine solche Arbeit wie wir machen, muss damit gerechnet werden, dass es Gegenwehr geben wird und diese auch zum Teil persönlich wird. Was bleibt einer Industrie, die Milliarden mit der Ausbeutung und dem Mord von Lebewesen verdient auch anderes übrig, wenn Menschen ihr Tun offenlegen? Alle guten Argumente haben wir: Tierschutz, Umwelt, Welthunger, Klima – der Fleischindustrie bleibt ja gar nichts anderes übrig als zu solchen Mitteln zu greifen.
Wenn einzelne Tierwirte und Tierwirtinnen in vorschnellen Reaktionen Morddrohungen (ebenfalls innerhalb der letzten zwei Jahre passiert) oder üble Beleidigungen aussprechen habe ich dafür sogar Verständnis. Das kommt ja auf beiden Seiten, auch auf denen der Tierrechtler*innen vor. Wir stehen für Gewaltlosigkeit und einen offenen Diskurs ein, deswegen thematisieren wir das auch, wenn es auf unseren Seiten zu sowas kommt. Schön ist das nicht und wir alle sollten uns dafür einsetzen, dass sowas endet. Menschlich kann ich das aber verstehen, wenn bei den Veganer*innen die Emotionen angesichts der Bilder hochkochen, oder eben auch bei den tierhaltenden Bäuer*innen, wenn das Eis immer dünner wird.
Was ich aber tatsächlich nicht nachvollziehbar finde ist, wenn große Vereine der Gegenseite, oder hochrangige Stellvertreter*innen Lügen verbreiten, völlig unangemessene Vergleiche ziehen oder absolut haltlose Unterstellungen äußern. Ich hätte gedacht, dass sie klüger wären und selber merken, wie peinlich das ist. Da hab ich mich jedoch getäuscht.

Vielleicht weil die Erfahrung, zum Beispiel aus mehreren Wahlen der letzten Zeit, zeigt, dass man mit Falschinformationen durchaus Erfolg haben kann?

Ich glaube, dass das keine bewussten Entscheidungen sind, sondern das Diskussionsklima im gesamten in den letzten Jahren gewandelt hat. Die Wiederkehr des Populismus und das Entstehen von ‚Fakenews‘ sind da nur zwei Faktoren. Ich glaube, dass Social-Media-Plattformen im Gesamten einen massiven Einfluss haben. Auf einmal kann jede und jeder sich an quasi jeder Diskussion beteilige, selbst die abstrusesten Argumente liefern und irgendwer wird schon applaudieren.
Grundsätzlich ist es ja total begrüssenswert, dass auf einmal mehr Austausch stattfinden kann, jede und jeder sich beteiligen kann – das Klima der Diskussionen hat darunter aber sehr gelitten. Dabei spielt auch die Unmittelbarkeit eine Rolle, im Newsfeed wird irgendwas gesehen und nur einen Klick weiter kann der Senf dazugegeben werden – und das wird auch getan. Emotionen, Gefühle oder eben auch Fakten werden nicht mehr reflektiert, hinterfragt. Stattdessen wird dem ersten Gefühl nachgegangen und dieses dadurch auch oft erst manifestiert. Ich sehe das aber ganz klar als ein Problem, dass wahrscheinlich die gesamte Gesellschaft umfasst und dadurch natürlich auch im Mikrokosmos der Diskussion „Tierrechte vs. Tiernutzung“ eine Rolle spielt.

Kannst du ein paar Beispiele für die Unterstellungen geben, mit denen ihr konfrontiert seid?

Ein Rechercheur filmt Schweine
tierretter-Rechercheur in der Schweinezucht
Wasserleben
Blick in eine Mülltonne mit ganz vielen toten Ferkeln
Tote Ferkel in der Schweinezucht Wasserleben
Zwei Schweine, eines mit dem Hinterteil zur Kamera. Man sieht, dass sein Schwanz abgeschnitten wurde und eine fiese Wunde hinterlassen hat
Schweine auf dem Hof Schulze-Föcking

Die Industrie spült bei neuen Veröffentlichungen von Aufnahmen aus Tierställen fast immer das gleiche Repertoire an Argumenten ab. Dabei gibt es einerseits die inhaltlichen Argumente, dass es entweder ja alles nur Einzelfälle seien, oder gerade zu einem Zeitpunkt in dem Stall gefilmt wurde wo eine total außergewöhnliche und einzigartige Situation im Stall herschte. Und dann gibt es die konfrontativen, offensiven Argumente, mit denen versucht wird, die Ersteller*innen der Videos in ein schlechtes Licht zu rücken.
In der letzten Zeit kam dabei beispielsweise immer wieder das ‚Spendenmafia‘ – Argument, bei dem den Vereinen unterstellt wird, dass alles ja nur für die Spendengelder zu machen. Das ist natürlich (und besonders bei uns als Verein, der nicht einmal aufwendig um Spenden wirbt) vollkommen abstrus! Wir haben nicht einen einzigen Hauptangestellten, sondern vor allem Aktive, die ihre Freizeit für die Tierrechtsarbeit investieren. Von einer persönlichen Bereicherung oder ähnlichem zu sprechen ist schlichtweg diffamierend.
Natürlich ist es tatsächlich so, dass nach größeren Veröffentlichungen auch Spenden den Verein erreichen: Und zwar, weil unsere Arbeit für Menschen sichtbar wird, für gut und unterstützenswert erachtet wird und diese Menschen genau diese Recherchearbeit unterstützen möchten. Und das ist was wir mit unseren finanziellen Mitteln machen – unsere Arbeit fortführen. Und das ist ja der Punkt – die Gegenseite möchte diese Arbeit unterbinden und wenn uns Menschen Geld spenden, macht das uns möglich weiter zu arbeiten. Abgesehen davon spenden die Menschen ja freiwillig, dabei unterschlagen die Tierwirte und Tierwirtinnen gerne, dass bsplw. die Arbeit der Landwirtschaft durch erhebliche Summen subventioniert wird – und da wird kein Mensch gefragt ob er oder sie das überhaupt möchte oder nicht.
Letztens wurde uns vorgeworfen wir würden einen eigenen Rechtsstaat neben dem eigentlichen erstellen. Auch das ist an den Haaren herbeigezogen – wir üben keine ‚Selbstjustiz‘ oder ähnliches sondern suchen die öffentliche Diskussion. Witzigerweise steht dieses Argument auch in direktem Widerspruch zu einem anderen Argument, das immer wieder auftaucht – nämlich, dass wir doch lieber unsere Aufnahmen direkt und wahrscheinlich am liebsten ausschließlich an die Veterinärbehörden weitergeben sollen. Denn dann wären wir ja tatsächlich nur der verlängerte und selbsternannte Arm der Behörden – wir erstellen und veröffentlichen diese Aufnahmen aber gerade FÜR den gesellschaftlichen Diskurs und das ist genau das, was einen zivilen Ungehorsam definiert und das ist genau das, was die Fleischindustrie stört: Dass Menschen diese Aufnahmen sehen.

Zwei Menschen von tierretter.de im Dunkeln mit Puten auf den Armen
Von den tierrettern befreite Puten

Im letzten Interview sind wir nicht besonders darauf eingegangen, aber ein paar wenige Glückliche, die ihr bei euren Recherchen findet, dürfen nach den Recherchen ihr Leben auf einem Lebenshof weiterführen. Angesichts des Elends ist die Entscheidung, wen ihr mitnehmt, sicherlich nicht einfach – wie trefft ihr diese Entscheidung?

Das ist immer ein moralisches Dilemma. Wir machen diese Arbeit, weil wir glauben, dass kein Mensch über Leben und Tod entscheiden sollte. Und dann stehen die Aktiven in Anlagen mit zehntausenden Tieren und haben nur Platz für einige wenige Hühner. Auf einmal stehen die Aktiven vor genau dieser Entscheidung: Wer wird mitgenommen und kann leben, wer verbleibt in der Anlage und ist somit dem sicheren Tod ausgeliefert.
Ich glaube es ist sinnvoll sich bei den Aktionen auf die zu konzentrieren, die gerettet werden können und im Anschluss aus dem Gedanken, dass viele tausende zurückgelassen wurden, Motivation für die nächste Aktion zu schöpfen.

Warum ist es überhaupt wichtig für euch, neben dem Filmen und Veröffentlichen auch einige wenige Tiere mitzunehmen?

Open Rescue 2017: 34 Tiere gerettet

Jedes Leben zählt. Und jedes Tier, dass aus dem Ausbeutungssystem gerettet werden kann ist es wert. Gleichzeitig ist jedes Tier, dass in dem System stirbt eins zu viel. Tierbefreiungen bleiben dabei vor allem dennoch ein symbolischer Akt. Einige wenige Tiere stehen gegen Millionen. Deswegen veröffentlichen wir diese Aktionen auch – diese Tiere sollen zu Stellvertreter*innen für all jene werden, die in den Anlagen sterben. Befreite Tiere können den Schlachtstatistiken wieder ein Gesicht geben, sie können zeigen, wie sich die Tiere verhalten, wenn sie nicht eingepfercht sind.

In den letzten Jahren wurde und wird in Teilen der Tierrechtsbewegung viel über Effektivität diskutiert. Drei Tiere aus einer Mastanlage zu befreien und sie ggf. mehrere hundert Kilometer umherzufahren wäre nach deren Maßstäben wohl eher nicht effektiv hinsichtlich des Rettens von Tieren angesichts der schieren Menge, die jeden Tag sterben. Von der Arbeit, die auf den Höfen anfällt, um diese wenigen Tiere am Leben zu erhalten, ganz zu schweigen. Diese Aspekte sind dabei leicht messbar, nicht aber der von dir erwähnte symbolische “Stellvertreter”-Aspekt. Wie steht ihr zu diesem Thema?

Natürlich kann und sollte Effektivität bei der Arbeit eine Rolle spielen. Aber die Ausmaße, die diese Diskussion in den letzten Jahren angenommen hat, sind unseres Erachtens haarsträubend. Tierbefreiungen sind ein gutes Beispiel dafür. Natürlich gibt es Zeit und Kosten, die relativ genau benannt werden können – der ‚Output‘ einer solchen Aktion dagegen kaum bis schwierig. Die ganze Diskussion beruht aber auf Messbarkeit, es ist aber schlichtweg nicht alles messbar. Die Entscheidungen sich vegan zu ernähren sind beispielsweise meiner Ansicht nach immer multifaktoriell und (so gut wie) niemals herunterzubrechen auf einen Moment. Natürlich kann es sein, dass, nachdem ein Mensch auf der Straße von einem freundlich auftretenden, gut gelaunten Aktivisten mit dem Angebot zu einer Vegan-Whatever-Week besonders häufig dazu neigt, dann auch vegan zu werden – und natürlich ist das auch wichtiger Aktivismus. Aber die Entscheidung des Menschen wird vielleicht von der Aktion getriggert sein, aber nur weil er ganz viele Einzelmomente in der Vergangenheit hatte, die ihn dazu geleitet haben. Deswegen halte ich es für falsch daraus zu schließen, dass alles andere weniger effektiv sei.
Abgesehen davon, dass ich die Berechnungen teilweise für falsch, einseitig oder eben naiv halte, geht auch dieser gesamte Gedanke in eine komische Richtung. Denn da werden tatsächlich schamlos Euro in gerettete Tiere aufgewogen, da gibt es Seiten, die ‚besonders spendenwürdige Vereine‘ empfehlen – und das sind natürlich nur jene Vereine die nach dem 1×1 der Effektivität handeln, die irgendwann mal irgendwer so festgesetzt hat. Das ist eine Kapitalisierung von Aktivismus, der mit einer gefährlichen Elitenbildung einhergeht, bei der einfach auch viele hintenüber fallen. Nehmen wir beispielsweise Menschen, die sich für Taubenschutz einsetzen. Da gibt es in quasi jeder Stadt Menschen die ihre gesamte Freizeit und jede Menge privater finanzieller Mittel in Taubenschutz stecken. Das ist eine unheimlich wichtige Arbeit – denn der Tierrechtsgedanke bedeutet ja genau da: Sich um JEDES Lebewesen zu kümmern.
Und dann kommen ein paar große Vereine und kluge Köpfe und sagen: Du rettest da nur 10 Tauben, dein Aktivismus ist ineffektiv. Das würde natürlich so explizit nie ausgesprochen werden, aber das ist das, was zwischen den Zeilen steht. Dabei sind es diese 10 Leben wert gerettet zu werden, und der Aktivismus dieser Menschen ist genauso wichtig wie der von allen anderen auch. Wir brauchen eine Bewegung die sich vollumfänglich einsetzt und eben auch die Utopie, die wir fordern, bereits praktisch so gut wie möglich umsetzt. Dazu gehören Lebenshöfe, dazu gehört Taubenschutz, und dazu gehört eben auch den ‚Wert‘ eines Tieres nicht hochzurechnen – egal ob in Profit oder Effektivität.

In dieser Hinsicht ist wahrscheinlich auch eure Arbeit schwer zu beurteilen. Zwar könnt ihr euch Einschaltquoten einzelner Sendungen anschauen, aber wie stark der Impuls eurer Recherche ist, ist dann doch schwer nachzuvollziehen, oder?
Wodurch bekommt ihr oder holt ihr euch Bestätigung, dass eure Recherchearbeit sinnvoll ist und etwas bewegt?

Natürlich gibt es Zahlen, an denen so etwas gemessen werden könnte: Zugriffszahlen auf Videos bei Youtube, Einschaltquoten der Presseberichte, Likes unter Facebook-Posts. Aber das ist alles und nichts. Wenn es gewollt wäre könnte das von uns auseinandergenommen und analysiert werden – ob das wirklich verwertbare Aussagen bringt, ist etwas anderes. Wir halten es einfach für wichtig, dass die Menschen sie selbst bleiben beim Aktivismus, sich nicht verstellen und authentisch sind! (Außer sie sind Rassisten oder ähnliches, dann sollten sie nicht sie selber sein, sondern lieber wer anders – aber nicht nur beim Aktivismus, sondern insgesamt).
Wir nehmen in Münster auch öfter Tiernotrufe an. Menschen finden ein Tier in Not und rufen uns an – wann immer es geht, fahren wir raus und versuchen zu helfen. Abgesehen davon, dass wir es als unsere Pflicht ansehen, so oft und jedem Tier zu helfen, wie es geht. Wenn die Anrufer oder Anrufer*innen danach auf unsere Homepage gehen und unsere Rechercheveröffentlichungen sehen, sollte ihnen sofort auffallen – die kümmern sich nicht nur um den Igel auf der Strasse so, sondern auch um die Tiere in der Nutztierhaltung. Das kann beispielsweise einen viel größeren Effekt haben als ein Fernsehbeitrag.

Talkrunde bei sternTV mit Christian Adam
von tierretter.de

Ob wir mit unserer Arbeit etwas bewirken oder nicht, ist natürlich schwer zu messen. Besonders wenn ‚harte Fakten‘ gesucht werden. Schauen wir auf unsere letzte große Veröffentlichung zurück: Wir haben Aufnahmen aus dem Schweinestall der Landwirtschaftsministerin in NRW veröffentlicht und damit einen mittelgroßen Skandal ausgelöst. Passiert ist aber erstmal: Nichts. Die Staatsanwaltschaften werden nicht wegen Tierquälerei ermitteln, sie ist immer noch im Amt*. Was ist also die Wirkung? Wahrscheinlich wissen mittlerweile Millionen von Menschen von dem Fall, es gab zahlreiche Fernsehsendungen und hunderte Presseartikel dazu. Und gerade das Ausbleiben von Konsequenzen muss doch den Konsument*innen zeigen: Das müssen Schweine ganz legal erleiden. Und wenn von denen einige ihre Ernährung umstellen, dann ist ja schon etwas erreicht. Und bei vielen anderen sind vielleicht diese Bilder einer der Faktoren, die sie irgendwann auf der Straße zu den Menschen mit den Vegan-Flyern gehen lässt.

*tierretter.de hat übrigens nie den Rücktritt gefordert und auch keine Strafanzeige gestellt.

Vielen Dank für deine klaren Worte.
Was wünscht ihr euch ganz aktuell an Unterstützung für euren Aktivismus?

Wir erfahren eine Menge Solidarität, unter anderem durch Aktionen wie diese hier – deswegen sind wir da momentan fast wunschlos glücklich. Was uns immer freut, ist wenn sich Menschen auf unseren Seiten reflektiert und differenziert äußern und eben nicht unter jedem Post den ‚Tierquälern‘ mit Mord und Totschlag drohen. Das sollte natürlich nicht nur so auf unseren Seiten so sein, sondern am besten überall (und immer). Sicher – es ist ein hochemotionales Thema und eine erste wütende Reaktion ist da oft menschlich verständlich, aber wir wünschen uns doch alle eine Welt GANZ ohne Gewalt und das sollten wir auch so kommunizieren. Dementsprechend – danke an alle, die uns unterstützen, unsere Texte lesen, Videos anschauen, uns weiterempfehlen! Kommt gerne alle beim nächsten Infostand auf einen Schnack vorbei. Wir freuen uns!

Lieber Christian, Danke für das Interview!

Ihr könnt tierretter.de also nun mit einem Kauf bei uns im Onlineshop unterstützen (ihr erinnert euch: 10 % eures Bestellwertes vom 19. bis 21. Oktober), oder aber: Ihr spendet direkt!

Falls ihr jetzt wieder zurück in unseren Shop wollt – hier ein paar Abkürzungen:

  • Inside Fur – Auf Undercover-Mission in norwegischen Pelzfarmen
  • The Ghosts in our Machine DVD – eine Dokumentation über das Leiden der Tiere weltweit – aber auch über gerettete Tiere, die der Maschinerie entgehen konnten
  • We Animals – Bildband mit Fotografien von Jo-Ann McArthur, die auch in dem Film „The Ghosts in our Machine“ portraitiert wird
  • Captive – noch ein Bildband mit Fotografien von Jo-Ann McArthur: Hier geht es konkret um Tiere in Gefangenschaft
  • Animal Utopia – Hartmut Kiewert portaitiert eine Welt, in der Tiere und Menschen gleichberechtigt zusammenleben
  • Poster „Wiese“ – Mastanlagen zu Ruinen. So könnte es aussehen …
  • Rosa-Mariechen lebt auf Hof Butenland. Sie wurde als Schwein geboren, aber scheinbar wäre sie lieber eine Kuh …
  • Lass mich frei! – ein tolles Kinderbuch, in dem ihr durch Umblättern Tiere freilassen könnt
  • Nichtstun ist keine Lösung – es gibt viele Probleme – packen wir sie an!
  • Tierethik – Friederike Schmitz gibt eine kurze und verständliche Einführung in die Tierethik
  • Total Liberation – ein Überblick über die Wege, wie Aktivist*innen aus Ökologie- und Tierrechtsbewegung Ungleichheit bekämpfen
  • Until all are free – ein Buch über die schwedische Animal Liberation Front
  • If A Tree Falls – Film über AUfstieg und Fall einer Earth-Liberation-Front-Gruppe
  • Until all are free, no one is free – T-Shirts, Pulis und Jacken

Alle Fotos von Free Animal

220 € gehen an das „Watch the Med Alarmphone“!

Wir freuen uns, nach der Aktion des letzten Monats 220 € an das Watch the Med Alarmphone zu spenden! Wichtiges Engagement, das wir sehr gerne unterstützen. Wenn ihr nochmal mehr zum Alarmphone erfahren wollt, findet ihr bei uns im Blog das passende Interview!