Politisches

Sachspende an die Antifaschistische Aktion Hamm

Neben den großen Spenden über mehrere hundert Euro, supporten wir auch immer mal wieder gerne unterstützenswerte Aktionen, Einzelpersonen und Gruppen mit Sachspenden. Und so hat z. B. auch die Antifaschistische Aktion Hamm ein kleines Päckchen mit so allerlei schönen Dingen von uns bekommen, die sie am 28.5. im Rahmen einer Soliparty gegen Polizeirepression als Dosenwerfgewinn raushauen werden. Also übt gerne schonmal fleißig daheim eure Zielgenauigkeit und kommt Ende Mai in Münster zur Party.

Beutel, Buttons, Aufkleber, Aufnäher, all dies gibt's bei der Party zu gewinnen

Zu den Hintergründen der Veranstaltung schreibt die Antifa Hamm:
Am Rande von Gegenprotesten zu einer Nazikundgebung kam es im vergangenen Jahr zu massiven Auseinandersetzungen mit der Polizei. Dabei wurde eine*r unserer Genoss*innen festgenommen. Dadurch sind für uns und den Betroffenen schon jetzt enorme Kosten absehbar. Um diese decken zu können, veranstalten wir am 28.05 eine Soliparty in der Baracke Münster. Zum Tanzen bringen werden euch das Dosenbrot Soundsystem, GlitterGewitter und redredred, wodurch von antifa-mitsing-hymnen, punkrock, trashpop und techno für alle was dabei sein sollte. Natürlich wird auch fürs leibliche Wohl mit Getränken und leckerem veganem Essen vom Grill gesorgt. Außerdem wird auch ein Awareness-Team für euch anwesend sein.
Nazis, Rassist*innen, Sexist*innen und andere Idiot*innen werden selbstredend von der Veranstaltung ausgeschlossen.

Love Party – Hate Repression
Antifaschistische Aktion Hamm

Facts:
28.05.16 // 19 Uhr // Baracke Münster
Eintritt gegen Spende
Getränke und Essen zu fairen Preisen

GETRÄNKE:
– Bier
– Pfeffi
– Mate
– Cocktails
– Longdrinks

FUTTER:
– vegane Steakbrötchen vom Grill

Außerdem könnt ihr bei unserem Soli-Special viele Preise gewinnen, die von folgenden Shops gestiftet wurden (vielen Dank dafür!) :
– Disyouth
– Fairdruckt Münster
– Black Mosquito
– Roots of Compassion
– Linke T-Shirts
– Schwarze Socke Mailorder

300 € Spende aus dem Solitopf

roots of compassion spendet 300 € aus dem Erlös der Refugees Welcome Soliartikel.

Als wir beschlossen haben Refugees Welcome-Soli-Artikel ins Sortiment zu nehmen, haben wir nicht vermutet, welche spannenden und in diesem Fall dramatischen Dinge wir in diesem Zusammenhang kennenlernen würden. Eine davon ist die Geschichte eine*r Aktivist*in, die der schlimmen persönlichen Situation eines befreundeten Geflüchteten nicht tatenlos zusehen konnte und dementsprechend gehandelt hat! Wir fanden ihr*sein entschlossenes und mutiges Verhalten mehr als unterstützenswert und haben sie*ihn aus den Mitteln der Soli-Artikel mit 300 € supportet. Die betreffende Person hat ihre Geschichte und ihre Hintergründe aufgeschrieben und wir würden sie gerne mit euch teilen:

Um euch einen Eindruck von dem Geschehen zu vermitteln, welches sich Ende des letzten Jahres zugetragen hat, habe ich den folgenden Text verfasst.

Worum geht es?

Es geht um Fluchthilfe. In einem sehr kurzen Zeitraum wurde ein Geldbetrag organisiert, der dann per „MoneyGram/MoneyTransfer“ in ein anderes Land gesendet wurde.
Dadurch wurde ermöglicht, dass sich mehrere Menschen (darunter auch Kinder) auf die Flucht nach Deutschland begeben konnten.

Wie kam der Kontakt zu Stande?

Es kam dazu, dass aus Sprachtandempartner_innen Freund_innen wurden, sodass wir im Laufe der Zeit auch über private Dinge sprachen. So erfuhr ich beispielsweise, dass besagte Person auf dem Weg nach Deutschland mehrfach und in unterschiedlichen Ländern verhaftet und gefangen genommen wurde.
Außerdem sprach sie von ihren Kindern, welche mit einem Erwachsenen Familienmitglied auf der Flucht waren.

Wie kam es zur Fluchthilfe?

Irgendwann fragte mich meine neue Bekanntschaft, ob es möglich sei einen Bankkredit zu erwerben ohne im Besitz eines deutschen Passes zu sein.
Da sich Teile ihrer Familie, darunter zwei Kinder noch in einem der Flüchtlingslager in der Türkei befanden, war es ihr das wichtigste Anliegen die Angehörigen schnellst möglich zu sich zu holen.
Die Bedingungen in dem türkischen Lager verschlechterten sich u.a. durch das Wetter massiv, sodass sie immer besorgter wurde.
Sie begann nach alternativen Möglichkeiten zu suchen, um den Geldbetrag zusammen zu bekommen.
Ich versuchte meine/n Bekannte/n zu beruhigen, bat um Geduld, um durch die Hilfe von Spenden und Soliaktionen Geld organisieren zu können. Die Unterstützung war zu Anfang recht mau, so wurden vereinzelte Unterstützungen ausgesprochen, auf die teilweise wenig folgte. Die Zeit wurde zu knapp. So dauerte irgendwann sogar der Kreditantrag, welcher zu diesem Zweck von mir beantragt wurde, zu lange.
Verständlicherweise war mein/e Bekannte/r mittlerweile panisch, da die deutsch-europäische „Grenzsicherungspolitik/-polizei“ nach einem Konzept vollkommener Willkür zu agieren schien.
Die bekannte Person lieh sich Geld von einem Freund, welches für die erste Fluchtetappe ausreichte. Ich bat dann ein Familienmitglied, den zweiten Teil des Betrags zur Verfügung zu stellen und „lieh“ mir den dritten benötigten Teil von dem Konto meines Arbeitgebers.
Durch anschließende Unterstützung im Freundes- und Bekannt_innenkreis konnte die finanzielle Situation wieder so ausgeglichen werden, dass sowohl ich als auch mein/e Bekannt/e ohne weitere Schulden aus der Sache rausgegangen sind.

Die Flucht

Es war für uns alle, am aller meisten jedoch für meine/n Bekannte/n unfassbar Nerven aufreibend und seltsam, Geld loszuschicken, damit sich u.a. die minderjährigen Kinder auf ein Schlauchboot setzen konnten, um die Flucht weiter bestreiten zu können.
Sie reisten nach geglückter Bootsfahrt weiter. Zu Fuß, mit Bus und Zug, bis sie endlich in Deutschland ankamen.
Es ist unfassbar, dass es (vor allem für Kinder) keine anderen, legalen und sicheren Fluchtmöglichkeiten gibt. Weil viel Geld von Regierungen ausgegeben wird, um Grenzen zu sichern, müssen Menschen auf der Flucht Gelder organisieren, um sich auf die unfassbar gefährliche Flucht begeben zu können, damit sie eine Chance auf Sicherheit haben.
Die Familie ist nun vereint und physisch unversehrt in Deutschland <3

Danke!

Ich bin unfassbar froh darüber, dass es Menschen gibt, welche durch Soliaktionen und Geldsammeln im Bekannten- und Familienkreis Unterstützung geboten haben, um dies zu ermöglichen. Es ist ein sehr gutes Gefühl zu wissen, dass wir wirksam sein und etwas verändern können, wenn wir uns zusammenschließen.
Danke für euer Interesse

Interview mit Hendrik von Leezenschmiede

roots of compassion spendet 150 € an Leezenschmiede.

Wie angekündigt haben wir 150 € an das Projekt Leezenschmiede aus dem Mitteln der Refugees Welcome-Soli-Artikel gespendet und ein kleines Interview mit Hendrik geführt. Viel Spaß beim Lesen.

Hallo Hendrik, stell doch bitte euer Projekt kurz vor …

Die Leezenschmiede – Fahrräder für Flüchtlinge ist eine Initiative aus Münster, die dazu aufruft, gebrauchte Fahrräder und Fahrradteile zu spenden und diese gemeinsam mit Geflüchteten zu reparieren, um am Ende nicht nur ein verkehrstüchtiges Fahrrad zu erhalten, sondern auch einen einfachen Austausch zwischen Münsteraner*innen und in Münster ankommenden Geflüchteten zu ermöglichen. Die Leezenschmiede ist also mehr als eine Fahrradwerkstatt – sie ist ein Treffpunkt, ein Ort der Kommunikation und Integration.

Wie seid ihr auf diese Idee gekommen?

51 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. Auch in Münster kommen jede Woche Menschen auf der Suche nach Frieden, Sicherheit und einem neuen Leben an. Wichtige Voraussetzungen für diesen neuen Start und eine erfolgreiche Integration sind Mobilität, Unabhängigkeit und das Gefühl der Zugehörigkeit. Die neue Heimat erkunden kann nur, wer Zugang zu einem Verkehrsmittel hat. Erst recht, wenn der neue Wohnort in einem der zahlreichen Vororte der Stadt liegt und eine Busfahrt schon einen Großteil des Tagesbudgets einnimmt. Die Idee zur Gründung dieser Initiative entstand im Winter 2014 als Teil meiner Bachelorarbeit im Bereich Kommunikationsdesign. Mit der Leezenschmiede sollte ein kleines und vor allem lokales Projekt entstehen, das die Situation geflüchteter Menschen in Münster ein kleines bisschen verbessert und zu einer besseren Kommunikation zwischen Menschen beiträgt, die im Alltag leider kaum Berührungspunkte besitzen.

Wie möchtet ihr euch zukünftig entwickeln?

Zur Zeit versuchen wir monatliche Treffen zu organisieren, in denen wir gemeinsam jeweils 5 – 8 Fahrräder reparieren. Unser Team besteht aus sechs Personen – somit sind wir, was die Anzahl der Räder und geflüchteter Personen angeht, ziemlich ausgelastet und, falls das Projekt wachsen soll, auf helfende Hände angewiesen. Gebrauchte Räder sammeln wir immer in den Wochen vor dem nächsten Treffen, um den Zustand des Rades einschätzen und Ersatzteile organisieren zu können. Generell freuen wir uns über neue Leute, die Interesse daran haben, das Projekt aktiv mitzugestalten. Bei Interesse kann sich per Mail bei uns gemeldet werden: leezenschmiede@gmail.com

Interview und Soli-Shop: Hard To Port

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Eigentlich hatten wir vor, Ende März eine der Soli-Aktionen zugunsten der noch recht jungen Organisation Hard To Port zu machen, die sich gegen Walfang in Island einsetzt. Recht schnell entwickelte sich das ganze dann aber in eine Richtung, die wir vorher nicht geahnt hätten (ihr erkennt es schon an der Überschrift) – zumindest für diesen Sommer bzw. solange sie keinen eigenen Onlineshop haben, bekommt ihr nun bei uns die T-Shirts von Hard To Port. Wow! Wir freuen uns sehr über die Anfrage und denken, dass das sehr gut zusammenpasst. Für jedes verkaufte Hard-To-Port-T-Shirt spenden wir künftig unglaubliche 7,50 € an Hard To Port!
Natürlich wollen wir euch dennoch – oder gerade deswegen – die Organisation einmal näher vorstellen. Dafür haben wir ein Interview mit Arne, einem der Mitgründer der Organisation, gesprochen:

Was ist Hard To Port, und magst du erzählen, wie es zur Gründung kam?

Die Anfänge von Hard To Port

Hard To Port existiert seit dem Sommer 2014 und versteht sich als eine Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, den kommerziellen Walfang in Island zu beenden. Entstanden ist unsere Initiative aus einer Protestaktion gegen die Jagd auf Finnwale, eine Spezies die auf einer internationalen Liste für bedrohte Arten steht. Während sich im Hafen der isländischen Hauptstadt Reykjavik jedes Jahr Tausende von Touristen einfinden, um mit den lokalen Whale Watching Anbietern aufs Meer zu fahren, um Wale und Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum zu bewundern, werden zeitgleich nur wenige Meter entfernt Schiffe in Stand gesetzt, die zur Jagd auf die Meeressäuger eingesetzt werden. Ein wirklich sehr bizarrer und verstörender Anblick.

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Walfänger (Bild: Hard To Port)

Unsere beiden Gründungsmitglieder entschlossen sich während ihres Island-Aufenthalts im Frühsommer 2014 dazu, gegen die bevorstehende Jagdsaison zu protestieren. Einer unserer Aktivist_Innen besetzte in den frühen Morgenstunden den Mast eines der Walfangschiffe und verharrte dort für 15 Stunden. Mit Hilfe seines SmartPhones informierte er zahlreiche nationale und internationale Medien über unseren Protest. Wenn es eine Sache gibt, die die Walfangindustrie gar nicht mag, dann ist es Aufmerksamkeit.
Unsere Aktion verhinderte das Auslaufen der Walfangflotte nicht, aber es brachte die Diskussion über die Weiterführung des kommerziellen Walfangs in Island in die Medien und somit zurück in die Köpfe der Menschen. Die Aktion war ebenfalls die Geburtsstunde von Hard To Port und der Beginn unseres organisierten Engagements für den Schutz der Wale in Island.

„Whaler Watching“ 2015: Was habt ihr letztes Jahr gemacht und wie waren die medialen Reaktionen auf die Kampagne?

Trailer zur Hard To Port Doku

Unsere erste Kampagne in Island verlief dank des tollen und sehr engagierten vierköpfigen Teams sehr erfolgreich. Unser Konzept, dem wir den Namen „Whaler Watching“ gegeben haben, zielt darauf ab, die brutale Jagdpraxis aufzudecken, zu dokumentieren und unsere Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um so eine kritische Debatte in Island über das Thema anzustoßen. Die isländische Walfangindustrie ist wie viele andere Industrien, die sich an der Ausbeutung von Tieren bereichern, sehr intransparent und entzieht sich somit einer kritischen Beurteilung durch die Bevölkerung. Viele Informationen über den Walfang, die öffentlich verfügbar sind, stammen von den beteiligten Unternehmen. Die isländische Regierung greift diese Daten ungeprüft auf und publiziert sie. Unserer Meinung nach entsteht so in der Öffentlichkeit ein sehr verfälschtes Bild des kommerziellen Walfangs.

Whaler Watcher beobachtet Walfänger mit Kamera und Drohne
Whaler Watchers in Aktion
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Mit einem Team bestehend aus Aktivist_Innen, einer Tierärztin und Journalistin, einem Fotografen und einem Dokumentarfilmemacher machten wir uns im Sommer 2015 auf den Weg zu einer zweiwöchigen Kampagne in Island. Uns war es wichtig dem bestehenden Informationsmonopol der Walfänger entgegenzuwirken und die Menschen über die grausame Realität der Jagd auf Wale zu informieren. Während der zwei Wochen konnten wir nicht nur sehr informative Gespräche mit Einheimischen führen, sondern eben auch Teile der Walfangaktivitäten dokumentieren. Vor allem der Einsatz von kamerabestückten Drohnen zur Dokumentation aus der Luft und Apps zur Ortung der Walfangschiffe regte das Interesse der nationalen und internationalen Medien, die überwiegend positiv über unsere Arbeit in Island berichteten.

Euer Team besteht ja bislang ausschließlich aus Leuten aus Deutschland – es ist aber sicher immer einfacher, wenn man bei einer Kampagne die Bevölkerung auf seiner Seite hat. Wie ist der Rückhalt für eure Arbeit in Island – einem Land, dessen Reichtum zu großen Teilen auf Fischfang basiert – aber mittlerweile auch auf Tourismus?

Engagement von ausländischen Organisationen und Gruppierungen muss in der Tat sehr gut durchdacht sein. Viele Menschen in Island sind in ihrer Einstellung zum kommerziellen Walfangprogramm unentschlossen, sehen aber ein „Eingreifen“ aus dem Ausland tendenziell eher kritisch. Nach reichlicher Recherche und Überlegung glaubten wir mit unserer „Whaler Watching“ Kampagne einen Ansatz gefunden zu haben, der es uns erlaubt, effektiv auf ein Ende des kommerziellen Walfangs hinzuarbeiten, dabei aber die Gemüter nicht gegen uns aufzubringen. Einige der Leute und Unternehmen in Island, mit denen wir in Kontakt standen, haben unseren Ansatz durchaus befürwortet, vor allem da sie selber denken, dass viele Menschen in Island nicht ausreichend über die umstrittene Jagd auf Wale informiert sind. Wir vom Hard To Port e.V. versuchen mit unserer Arbeit diese Lücke zu füllen und die Menschen von der Notwendigkeit einer Abkehr vom kommerziellen Walfang zu überzeugen.
Selbstverständlich würden wir es begrüßen, wenn sich vermehrt Einheimische für unsere Initiative interessierten und sich aktiv an unserer Kampagne beteiligen würden. Erste Kontakte konnten wir während und seit unserer ersten Kampagne im letzten Sommer knüpfen, und wir hoffen, dass wir gemeinsam mit Aktivist_Innen und kritischen Bürger_Innen der einheimischen Bevölkerung verstärkt unsere Arbeit im Sommer fortsetzen werden.

Wie reagieren Tourist*innen auf eure Kampagne? Whale Watching ist ja meist fester Bestandteil eines Islandaufenthaltes – andererseits konnte ich letztes Jahr in Island feststellen, dass viele es gar nicht erwarten konnten, Zwergwal in einem der vielen Restaurants zu essen, die Walfleisch auf der Speisekarte haben. Quasi eines der Dinge, die man in Island getan haben muss …

Zwergwal auf der Menükarte
Menükarte eines isländischen Restaurants
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Im vergangenen Sommer haben wir überwiegend mit Einheimischen über unser Anliegen gesprochen und sie nach ihrer Einstellung zum Walfang befragt. Isländer_Innen selber essen kaum Walfleisch. Lediglich 3 % der Isländer_Innen konsumieren regelmässig das Fleisch von Zwergwalen. Eine so geringe Nachfrage wäre nicht lukrativ genug, um diese „Industrie“ am Leben zu erhalten. Die treibende Kraft sind leider die vielen Tourist_Innen, die in den Restaurants das Fleisch der Tiere bestellen. Hier gibt es bereits eine sehr engagierte Kampagne einer anderen NGO, die sich gezielt an Besucher_Innen des Landes wendet. Auch wir vom Hard To Port e. V. werden diesen Ansatz aufgreifen und unsere Arbeit in diesem Bereich intensivieren.

Whalewatching auf Island - jede Menge Tourist*innen auf kleinen Schiffen
Whale Watching
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Wie ist euer Verhältnis zu Whale Watching Anbietern? Geht ihr Engagement gegen Walfang über ein lediglich kommerzielles Interesse hinaus? Viele bieten ja neben Walfang auch gerne Hochseefischen an, was an ihrer Tierliebe durchaus Zweifel aufkommen lässt.

Whale Watching gilt in Island oftmals als ökonomische Alternative zum Walfang. Grundlegend spricht für uns nichts gegen eine respektvolle Begegnung zwischen Mensch und Tier, die in ihrem natürlichen Lebensraum stattfindet, aber pauschal möchten wir die Whale Watching Branche auch nicht befürworten. Walbeobachtungen können die Tiere nicht nur stressen, sondern leider existieren auch Berichte über Kollisionen zwischen Touristenbooten und den Tieren. Das Whale Watching Unternehmen, mit dem wir gesprochen haben arbeitet sehr verantwortungsvoll und ist ein hilfsbereiter Verbündeter im Kampf gegen den kommerziellen Walfang. Wir können und möchten über die Tierliebe und Motivation des Engagements einzelner Mitarbeiter_Innen gegen den Walfang nicht spekulieren. Einige unser Interviewpartner_Innen haben sich vor der Kamera sehr emotional zu dem Thema geäußert – ob sich ihre Faszination und Liebe zu Walen auch auf andere Spezien übertragen lässt, vermögen wir nicht zu sagen.

Wie kann Island eigentlich Mitglied in der Internationalen Walfangkommission IWC sein, die 1986 ein Walfang-Moratorium verkündet hat, und gleichzeitig kommerziellen Walfang betreiben?

Finnwal vor der Zerlegung an Land
Getöteter Finnwal an Land (Bild: Hard To Port)

Nicht nur Island, sondern auch andere Walfangnationen wie Norwegen und Japan sind Mitglieder der Internationalen Walfangkommission. Norwegen und Japan haben dem Walfang-Moratorium von 1982 widersprochen und akzeptieren den Beschluss bis heute nicht oder umgehen ihn mit einer zweifelhaften wissenschaftlichen Begründung ihrer Jagd. Island widersprach dem Moratorium nicht, trat aber wenige Jahre nach dem in Kraft treten aus der Internationalen Walfangkommission aus. Anfang der Jahrtausendwende bemühte sich Island um einen Wiedereintritt und äußerte seinen Vorbehalt zum geltenden Walfangmoratorium. 2003 startete Island unter dem Deckmental der Wissenschaft ein Walfangprogramm. Drei Jahre später verkündete die isländische Regierung die Rückkehr zur kommerziellen Jagd auf die Meeressäuger.

Dieses Jahr soll es in Island keine Jagd auf Finnwale, aber weiterhin auf Zwergwale, geben. Wie deutet ihr diese Entscheidung? Und welche Auswirkungen hat das auf eure Kampagne in 2016?

Zerlegen eines Finnwals in Island.

Die Nachricht der vorläufig gestoppten Jagd auf Finnwale hat uns zugegebenermaßen sehr überrascht. Ihr könnt Euch aber vielleicht vorstellen, wie sehr wir uns gefreut haben, nachdem wir uns in den letzten 2 Jahren sehr engagiert dafür eingesetzt haben. Die Jagd auf Finnwale stand seit Jahren in der Kritik, und viele NGOs haben auf unterschiedliche Art und Weise auf dieses Ziel hingearbeitet. Unabhängig davon, was offiziell als Grund für die vorläufige Einstellung der Jagd genannt wurde, ist dieses Ergebnis ein enormer Erfolg für die gesamte Tierrechts- und Meeresschutzbewegung.
Hard To Port wird seine Arbeit in Island natürlich fortsetzen, solange Wale für kommerzielle Zwecke getötet werden. Unsere Arbeit wird sich bis auf weiteres auf die Zwergwaljagd konzentrieren, d. h. wir werden neben unserer Dokumentationsarbeit auch vermehrt an einem Outreachkonzept arbeiten, mit dem wir uns an die zahlreichen Tourist_Innen des Landes wenden, die (Zwerg)Walfleisch während ihres Aufenthalts konsumieren.

Warum engagiert ihr euch eigentlich für Wale – ein Thema, das ja schon viel von großen Organisationen beackert wird -, während gleichzeitig unglaubliche Mengen anderer mariner Lebewesen weltweit und weitgehend unwidersprochen ihr Leben lassen müssen?

Der kommerzielle Walfang ist zweifelsohne eine sehr dunkle Epoche der jüngeren Geschichte. Wenn man sich einmal etwas intensiver mit dem Thema beschäftigt und realisiert, wie exzessiv und grausam Millionen dieser Tiere getötet wurden und ihre Populationen binnen weniger Jahrzehnte an den Rand des Aussterbens getrieben wurden, dann kann man einen Fortbestand dieser Industrie nicht einfach tolerieren. Wir haben in unserem Ansatz eine echte Chance gesehen, konstruktiv und effektiv auf die Beendigung des kommerziellen Walfangs hinzuwirken.

Ja, verständlich – aber was ist mit den vielen anderen Meereslebewesen, die zeitgleich an den Rand des Aussterbens oder darüber hinaus gebracht werden? Und selbst wenn sie nicht vom Aussterben bedroht sind, reden wir hier ja auch von unvorstellbaren Mengen von Individuen, die auf See getötet werden.

Wir vom Hard To Port e. V. lehnen jegliche Form der Ausbeutung und Tötung von Tieren ab, egal um welche Spezies es sich dabei handelt. Ein Ende des kommerziellen Walfangs in den kommenden 2-3 Jahren in Island zu erwirken, erschien uns als ein realistisches Ziel, zumal wir mit unserem Ansatz eine, unserer Meinung nach, vielversprechende Strategie ausgearbeitet hatten, die wir mit einem überschaubaren Budget in die Tat umsetzen konnten.
Natürlich hat uns unser Engagement in anderen Organisationen in der Vergangenheit für das Thema „kommerzieller Walfang“ sensibilisiert. Wenn man miterlebt wie ein (Zwerg)Wal vor den eigenen Augen am Ende einer Harpune qualvoll um sein Leben kämpft, dann ist das ein Moment der sich fest im Gedächtnis einbrennt und der einen so schnell nicht mehr loslässt.
Zweifelsohne ist es wichtig auch andere Themen anzusprechen und sich für die vielen anderen (Meeres)Lebewesen die vom Menschen ausbeutet werden zu engagieren. Sollte unser Verein in naher Zukunft über weitere finanzielle Mittel verfügen, werden wir darüber nachdenken in welchem Bereich und mit welcher Kampagne wir unsere Arbeit ausbauen können.

Viele Menschen, denen Wale am Herzen liegen, unterstützen vermutlich schon Organisationen wie Greenpeace und Sea Shepherd. Einige von euch waren ja auch schon für Sea Shepherd aktiv. Warum braucht es dennoch Hard to Port – und was unterscheidet euch von diesen Organisationen?

Port of Hvaljördur, Iceland 30th of June 2015. First whale of the season hunted by the islandic whaler-industry. Activists of the anti-whaling-ngo "HARD TO PORT" tried to raise attention by lighting smoke-signals and to climb the dead whale. The fin whale is officially an endangered animal.
Hafen von Hvaljörþur, Aktion von Hard To Port
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Unsere Arbeit wäre unter dem Namen einer anderen, bestehenden Organisation so vermutlich nicht realisierbar gewesen.
Wir versuchen bei Hard To Port einen Rahmen für unseren (Tierrechts)Aktivismus zu schaffen, der sich mit unserer politischen Einstellung und unserem Privatleben vereinbaren lässt. Bislang klappt das auch ganz gut. Wir sehen unsere Initiative als Teil einer Grassroots-Bewegung die unserer Ansicht nach von einer Vielfalt von Ansätzen und Gruppierungen profitiert und gestärkt wird. In vielen Fällen befürworten wir die Arbeit und Kampagnen anderer Organisationen. Es ist aber auch kein großes Geheimnis und legitim anzumerken, dass es oftmals einige inhaltliche Differenzen gibt, sei es bei politischen Standpunkten oder der Art zu kommunizieren, um zwei Beispiele zu nennen.

Das können wir verdammt gut verstehen … Vielen Dank für das Interview!

Artikel im Morgunblaþiþ anlässlich der Aktion von 'Hard to Port'
Artikel im Morgunblaþiþ
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Wie könnt ihr denn nun Hard To Port unterstützen? Zum einen natürlich, indem ihr eines der super-super-schicken T-Shirts kauft. Zum anderen findet ihr auf der Website von Hard To Port einige Hinweise, was für Unterstützung sie brauchen können: Geldspenden, Equipment, personeller Einsatz, Unterstützung vor Ort – und natürlich: Verbreiten, verbreiten, verbreiten.

Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt – das könnte euch vielleicht auch interessieren:

  • Blackfish DVD – eine Dokumentation über den Orca Tilikum und über die Lebensbedingungen der Tiere in Gefangenschaft.
  • Moby Dick T-Shirt – Moby Dick versus Ahab! Die Rache kommt aus der Tiefe der See …
  • Öko Krieger – Geschichten über Öko-Aktivist*innen aus der ganzen Welt
  • The Ghosts in our Machine DVD – eine Dokumentation über das Leiden der Tiere weltweit – aber auch über gerettete Tiere, die der Maschinerie entgehen konnten
  • We Animals – Bildband mit Fotografien von Jo-Ann McArthur, die auch in dem Film „The Ghosts in our Machine“ portraitiert wird

Neujahr im „Jungle“ von Calais

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins Neue Jahr gekommen. Ich habe Silvester in einem Refugee-Camp im Norden von Calais (Frankreich) verbracht und mag meine Eindrücke mit euch teilen. Zusammen mit zwei Freund*innen habe ich mich am 28.12. auf den Weg gemacht. Da wir nur eine Woche zur Verfügung hatten, haben wir uns, statt in den Balkan oder nach Griechenland zu reisen, entschieden dorthin zu fahren, uns einen Eindruck von der momentanen Situation zu verschaffen und die Menschen vor Ort zu unterstützen, wo es uns möglich war.

Der „Jungle“ ist eine bedrückende aber auch beeindruckende kleine „Stadt“ aus Zelten und Hütten, mit kleinen Restaurants, einer Kirche, einer Moschee, einem Theater, einer Schule – alles aus Zelten, Paletten, Planen und Decken gebaut – und Matsch und Müllbergen, stinkenden Dixi-Toiletten und Kälte (besonders in der Nacht). In ihr (über-)leben zur Zeit ca. 6.000 – 7.000 Menschen mit der Hoffnung und Hoffnungslosigkeit irgendwie nach England zu kommen. Dies auf legalem Weg zu tun, wird ihnen untersagt, weshalb sie oft lebensgefährliche Risiken auf sich nehmen müssen (24 Todesfälle wurden allein in 2015 dokumentiert).

Jeden Tag kommen neue Menschen an, werden von ehrenamtlichen Helfer*innen fürs Erste mit Zelten und Decken versorgt, damit sie nicht unter freiem Himmel schlafen müssen – eine sehr prekäre Situation. Wer würde freiwillig im Winter ausgestattet mit einer Decke zelten gehen – und das auf unbestimmte Zeit?

Als wir aus dem Auto steigen, fragt mich ein Mann in Flip-Flops, ob ich mit ihm die Schuhe tauschen würde. Nein, ich habe keine anderen dabei, aber an Schuhen mangelt es, wie an so vielem anderen.

Einige Kilometer vom Camp entfernt steht ein „Warehouse“, in dem ankommende Sachspenden sortiert und deren Verteilung organisiert werden. Hier arbeiten sehr viele Freiwillige. Lieferwagen fahren von dort aus täglich in den „Jungle“. Falls ihr auch nach Calais fahren wollt, könnte u. a. das Warehouse eine Anlaufstelle für euch sein. Es liegt in der Rue Clement 56 in Calais.

Wir haben in einem Projekt direkt im Camp mitgeholfen. Nahe am Eingang entsteht basierend auf der Idee Zimako Jones‘, der konstant vor Ort ist und versucht alle Freiwilligen zu delegieren und Material anzuschaffen, eine Schule (die „Ecole Laïque du Chemin de Dunes“), eine Art Krankenhaus, Schlafräume für Lehrer*innen und Krankenpfleger*innen und ein Gemeinschaftsraum. Als wir ankamen, standen die „Häuser“ schon. Wir haben Böden mit Paletten ausgelegt, Wände im Innenbereich mit Decken isoliert, Müll eingesammelt, aber auch einige Migranten (tatsächlich nur Männer) kennen gelernt. Wir wurden zum Essen eingeladen, haben in provisorischen Hütten mit ihnen Tee getrunken, gelacht und fast vergessen wie beklemmend ihre Situation ist. Bis einer meinte, er wolle zu einem Schiff schwimmen. Er sei ein guter Schwimmer und könne es schaffen. Bei der Vorstellung wurde mir schlecht. Das „Camp“ ist kein Zuhause, keine*r will hier bleiben, alle möchten weiter. Diesen Ort dürfte es eigentlich gar nicht geben. Unsere Reise hat mich wieder einmal deutlich meine Privilegien spüren lassen. Ich weiß, dass ich einfach fahren kann, wenn es mir zu kräftezehrend wird, ich habe ein Zuhause und meine Freund*innen und meine Familie leben in Reichweite. Den Menschen in Calais müssen – auch innerhalb Europas – ihr Leben riskieren, um sich wenigstens eine neue Basis schaffen zu können.

Ich möchte mit den Worten einer Unterstützer*innen-Website schließen:

We believe in freedom of movement is for everybody and not just the rich and white. Everybody should be able to move to wherever they want, whenever they want and for whatever reason they want. The horror of the current situation is that those with the most important reasons to move are also the ones most restricted and criminalised for doing so.

^Deni

https://calaismigrantsolidarity.wordpress.com/
http://calaismigrantsolidarity.blogsport.de/
https://www.google.com/maps/d/viewer?mid=zddfRUtGScOc.kQBgTQcoV5FM&hl=en_US

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Interview und Spendenaktion: Land der Tiere

Unser Aktionsbanner zur Spendenaktion an das Land der Tiere bis zum 27. Dezember 2015

Seit Oktober 2014 ist es endlich soweit: Tanja Günther und Jürgen Foß haben zusammen das Land der Tiere, einen Lebenshof (und mehr) in Mecklenburg-Vorpommern, als Projekt der Stiftung Tiernothilfe gegründet. Wir wollen das Jahr abschließen, indem wir euch dieses Projekt vorstellen – natürlich wieder vor allem dadurch, dass Tanja und Jürgen zu Wort kommen. Außerdem könnt ihr diese Woche wieder 5 % bei eurer Bestellung sparen und dabei außerdem noch mitverantwortlich dafür sein, wieviel wir an das Land der Tiere spenden – denn wir spenden 5 % eures Bestellwertes.

So, nun wird es aber Zeit, dass ihr ein bisschen mehr über das Land der Tiere erfahrt!

Land der Tiere – das klingt nach einem utopischen Ort, wo keine Grenzen zwischen den Spezies gezogen werden und alle Tiere frei leben können. Soviel sei vorweggenommen: Das ist es nicht. Aber was ist das Land der Tiere?

Zeus, der gutmütige Land-der-Tiere-Hund, liegt entspannt rum, währen im Hintergrund ein Schaf die Wiese kürzt
Zeus bringt nichts aus der Ruhe. Foto: Land der Tiere

Viele Menschen werden das Land der Tiere als Gnadenhof für landwirtschaftliche Tiere bezeichnen, Tierrechtler würden es veganen Lebenshof nennen. Es ist aber viel mehr und hat einen ganz anderen Ansatz: Im Land der Tiere leben zwar, wie auf einem Lebenshof, viele ehemals genutzte Tiere in maximal möglicher Selbstbestimmtheit. Das Land der Tiere versteht sich aber hauptsächlich als ein Projekt, welches die Öffentlichkeit sucht und den Tierrechts- und Tierbefreiungsgedanken verbreiten möchte. Daher wird es ab 2016 Öffnungszeiten geben, betreute Führungen zu den Tieren mit anschließendem Vortrag zur Theorie der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, Seminare, vegane Kochkurse für die breite Öffentlichkeit und vieles mehr. Wir suchen die Öffentlichkeit und möchten das Land der Tiere tatsächlich als ein Modell für ein anderes Miteinander in die Welt tragen. Viele Jahre schon decken wir die unerträglichen Zustände in der Tierausbeutungsindustrie mit Undercover-Recherchen auf und sensibilisieren damit die Menschen. Nun ist es an der Zeit den Menschen vermehrt zu vermitteln, dass jedes Tier eine eigene Persönlichkeit hat, Schmerz, Freude, Leid empfindet und am Wichtigsten hängt was es hat: an seinem Leben! Allein aus diesem Grunde, auch wenn es zuvor ein vermeintlich „glückliches“ Leben hatte, ist das Leben der Tiere genauso unantastbar wie unser eigenes! Um das zu vermitteln haben wir das „Land der Tiere“ ins Leben gerufen und bauen das Projekt seit Ende 2014 auf.

Seitdem baut ihr dieses Projekt auf – aber eigentlich seid ihr ja schon viel länger an der Planung. Wie lange habt ihr nach einem passenden Ort gesucht und welche Schwierigkeiten gab es für euch auf dem Weg dorthin zu bewältigen?

Wir haben tatsächlich einige Jahre gesucht, um den passenden Ort zu finden. Natürlich hätte es Objekte gegeben, die gepasst hätten – die hätten wir aber dann nicht bezahlen können. Es kam für uns weder in Frage, etwas zu pachten, noch Kredite aufzunehmen, weil wir derartige Unsicherheiten, die schnell in die Obdachlosigkeit von vielen Tieren hätte münden können, für die wir die Verantwortung haben, nie eingegangen wären.
Meist hat irgendetwas nicht gepasst: Passten die Gebäude, war das Grundstück zu klein oder die Nachbarschaft zu nah – passte das Grundstück, war der Sanierungsaufwand der Gebäude zu hoch, und so weiter. Was auch überhaupt nicht in Frage kam, war eine Mastanlage oder ein ähnlich grausamer Ort nebenan. Und allein mit diesem Ausschlusskriterium fallen heute fast alle Landimmobilien aus. Wir haben uns ziemlich viele „lost places“ angeschaut: Von der Ex-Versuchstierzucht von Harlan über ehemalige Arbeitslager bis zur stadtgroßen Klinik. Zum Teil wirklich krasse Orte, die darauf warteten, das dort in der Zukunft eine bessere Geschichte geschrieben wird.
Wir hatten zwischenzeitlich – bevor wir das Gelände in Banzin gekauft haben – zwei Objekte „kaufvertragsreif“, waren dafür schon mit Bauvoranfragen unterwegs um zu klären, ob unser Projekt überhaupt dort rein bau- und planungstechnisch genehmigt werden würde. Eins „erledigte sich“, als das Land NRW das Militär-Gelände plötzlich für den Bau einer Forensik behalten wollte, ein anderes, ein ehemaliges Schulungszentrum, nachdem wir die neuesten Hochwasserkarten gesichtet hatten.

Schafe grasen vor und auf einem Bunker auf dem Land der Tiere
So friedlich kann es zugehen … Foto: Land der Tiere

Mit dem nun gefundenen Gelände habt ihr einen schönen, aber ebenfalls ein bisschen bizarren Ort für dieses Projekt gefunden. Was hat euch an dem ehemaligen NVA-Gelände inmitten des Nirgendwos gereizt?

Es gab natürlich vor allem rein praktische Gründe, dass unsere Wahl auf die ehemalige NVA-Funkstation „im Nirgendwo“ gefallen ist: Wir suchten ein Gelände ohne Nachbarn, ohne Straße daneben, ohne Mastanlage nebenan. Noch dazu liegt das gefundene Nirgendwo nicht am Ende der Welt, sondern in der Metropolregion Hamburg, also in erreichbarer Nähe vieler Menschen.
Allein der Anspruch, keine Mastanlage oder ähnliches nebenan haben zu wollen, ist bei der Landimmobiliensuche heute kaum noch zu verwirklichen. Dazu noch unser Flächenanspruch über 10 Hektar bei explodierenden Bodenpreisen, unsere alles andere als „fette“ Kassenlage und die Bedingung, dass Gebäude vorhanden sein müssen, die mehreren Menschen Wohnraum bieten, Spielraum für Seminargebäude und weitere Unterkünfte, und Gebäude, in denen Tiere wohnen können und direkten Zugang zu einem Gelände haben, welches nicht nur „platte Wiese“, sondern abwechslungsreiche Landschaft ist – eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, so einen Ort zu finden. Als wir letzten Sommer das erste Mal hier waren, war uns klar: „Das ist es“. Wegen des traumhaft schönen Geländes und dem vielen Nichts drum herum.

Die Verwandlung des Bunkers

Ein Fuchs klettert auf den Bunkerruinen im Land der Tiere rum.
Da turnt der Fuchs rum … Foto: Land der Tiere

Aus all diesen Gründen war es recht wahrscheinlich, dass es ein ehemaliges Militärobjekt werden würde. Wir haben mittlerweile viel Zuspruch bekommen von Menschen, die zu NVA-Zeiten hier arbeiten mussten – Menschen, die an diese Zeit keine schönen Erinnerungen hegen und Drill, Schikane und Unfreiheit erlebten. Manche stehen hier nun mit Freudentränen in den Augen, wenn die Schafe aus dem ehemaligen „Gefechtsstand“, also der Funkzentrale, kommen und sagen uns, dass sie froh sind, nun auf etwas so friedliches zu treffen und Humanität und Achtung vor dem Leben im Vordergrund stehen zu sehen, was diesen Ort für sie „in gewisser Weise heilen“ würde. Um ähnliche Gefühle kommen wir auch nicht umhin – und es hat auch etwas wirklich Beruhigendes und extrem Schönes, dass nun Füchse auf den Ruinen herumturnen, wo Honecker von der Wand blättert und Bäume aus Bunkern wachsen.

Wenn ihr, wie ihr gerade sagtet, Führungen, Seminare, Kochkurse und Co anbieten wollt, müsst ihr ja noch das eine oder andere anpacken. Was habt ihr für 2016 vor, und wie wollt ihr das Projekt entwickeln? Und wann ist der Punkt, dass ihr das nicht mehr alleine schafft?

So könnt ihr mit anpacken

Es war nie unser Plan, das alles alleine zu schaffen, daher haben wir von Anfang an Wert darauf gelegt, viele tolle Menschen mit einzubeziehen, die einen Teil dieser Arbeit übernehmen. Wir begreifen uns hier eigentlich als „Vorhut“, die den Anfang gemacht und den Grundstein gelegt hat für alles, was noch sein soll und wird. Langfristig werden nicht nur mehr Menschen mit hier leben und arbeiten, sondern Teilbereiche von anderen Menschen übernommen werden, die uns nahe stehen. Kochkurse und Seminare und andere Veranstaltungen müssen wir nicht selbst machen. So starten im nächsten Jahr die ersten Termine, die eine vegan lebende junge Biologin und Naturpädagogin macht, während wir die Führungen in den Öffnungszeiten übernehmen. Geplant sind zudem für die Unterstützung bei den täglichen Arbeiten zwei Bundesfreiwilligendienst-Stellen, wovon eine halbe Stelle bereits fest belegt und die zweite wahrscheinlich vergeben ist. Das bringt uns dann wieder mehr Zeit für weitere Planungen und Baustellen. Daneben müssen wir natürlich zusehen, dass etwas auf das Stiftungskonto kommt und mehr Menschen das Projekt unterstützen, damit es vorwärts gehen kann. Fest für 2016 steht natürlich auch, dass weitere Tiere einziehen werden, wofür noch einiges gebaut werden muss.

Welche Tierarten kommen für euch denn künftig infrage?

Wir werden hauptsächlich Tiere solcher Arten aufnehmen, die den meisten Menschen nur als „Nutztiere“ bekannt sind. Und natürlich auch in gewissem Umfang „Haustiere“ wie Kaninchen und Hunde. Keine Pferde, aber wir schließen natürlich nicht aus, dass auch mal ein altes Zirkuspony einzieht, sofern wir dafür Kapazitäten haben. Tiere, die nicht vegan ernährt werden können, finden bei uns keinen Platz.

Mupfis erster Tag im Land der Tiere

Da wir hier nicht die oft praktizierte Tierhaltung getrennt nach Arten in kleinstrukturierten Gehegen anstreben, sondern die Tiere, die harmonisch zusammen leben können, auch zusammen in größtmöglicher Freiheit leben lassen wollen, müssen wir bei der Aufnahme von Tieren schon ziemlich gut abwägen, wen wir aufnehmen können und wen nicht. Wenn wir einen streitlustigen Ziegenbock mit Hörnern aufnehmen und ihn zu den Schafen gesellen würden, wäre das für die Schafe eine ziemliche Belastung – so eine Kombination fällt also einfach aus, was uns natürlich bei der Tieraufnahme einschränkt, aber zugunsten der bereits hier lebenden Tiere geschieht. Ebenso können wir nicht einfach einen Hund retten, weil er uns so besonders leid tut, sondern müssen sicherstellen, dass die Rettung des einen nicht zu Lasten anderer geht. Die Hunde leben bei uns friedlich zusammen mit anderen Tieren, Kaninchen, Schildkröten, Katzen, Schafen, Hühnern und Puten – und das funktioniert eben lange nicht bei jedem Hund.

Und wo kommen die Tiere her, die bislang bei euch leben?

Die Rettung der Puten

Die Geschichten der Tiere sind ganz unterschiedlich: Manche wurden einfach „herrenlos“ gefunden, also wahrscheinlich ausgesetzt. Einer sogar direkt vor unserer Haustüre, nämlich Klaus, der Land der Tiere-Kater. Andere wurden von den Menschen, die sie mal irgendwann angeschafft hatten, abgegeben, weil kein Interesse mehr an ihnen bestand oder sie die Tiere aus verschiedenen Gründen nicht mehr versorgen könnten. Viele wurden davor bewahrt, geschlachtet zu werden. Auch aus Mastanlagen befreite Tiere wie die Puten haben hier ihre Heimat gefunden. In Zukunft werden sicher auch einige Tiere einziehen, die vom Veterinäramt sichergestellt werden konnten. Und natürlich helfen wir auch gerne Tierschutzvereinen und Tierheimen, die keine Möglichkeit haben, ein Schaf oder 20 gerettete „Schlachtkaninchen“ unterzubringen.

All die Tiere kommen mit ihrer eigenen Geschichte, oft sicherlich mit einer sehr traurigen. Gibt es eine Geschichte zu den Tieren bei euch, die euch besonders berührt hat?

Eine neue Chance für Vrieda

Besonders? Eigentlich nicht, weil sie alle berühren. Gut, manche natürlich mehr, zum Beispiel Vriedas Geschichte, weil sie unmittelbar vor ihrem sicheren Tod bewahrt werden konnte, als sie schwer verletzt und seit Tagen festgeklemmt im Stall von Aktivisten gefunden wurde, die in der „Masthühner-Elterntierhaltung“ recherchierten, wo Vrieda lebte. Wären diese Menschen nicht zufällig da gewesen und hätten sie mitgenommen, wäre sie elend gestorben. Wie Millionen anderer Vriedas da draußen in den Zucht- und Mastanlagen, deren Tod im System der Tierausbeutung einfach mit einkalkuliert ist und von kaum jemandem wahrgenommen wird. Vielleicht kann Vriedas Geschichte daran ein bisschen was ändern.

Das bringt uns wieder ein bisschen zur Ausgangsfrage zurück. Ihr wollt mit dem Land der Tiere den Tierrechtsgedanken verbreiten und das System der Tierausbeutung auf diese Weise mitbekämpfen. Was ist eure Utopie, euer Traum, wohin das alles für die Gemeinschaft aus menschlichen und nichtmenschlichen Tieren führen soll?

Kater Klaus und Schaf schauen sich in die Augen
Wer bist du denn? Foto: Land der Tiere

Unsere Utopie? Wenn wir ein bisschen dazu beitragen können, dass die menschlichen Tiere – deren Verstand ja bisweilen als hoch entwickelt bezeichnet wird – einen respektvollen Umgang mit dem Leben um sie herum pflegen, kommen wir der Sache näher. Vielleicht können wir Raum dafür schaffen, dass mehr Menschen sich bemühen, mit ihrem eigenen Leben möglichst wenig Schaden an anderem Leben zu verursachen und es als Gewinn verstehen, die eigene Freiheit so zu leben, dass die Freiheit anderer dadurch nicht beschädigt wird.

Tanja und Jürgen, vielen lieben Dank! Zum Schluss natürlich noch die Frage, die allen, die dies lesen, sicherlich besonders unter den Nägeln brennt: Was wünscht ihr euch an Unterstützung, wie können sich Menschen aktuell und konkret bei euch einbringen?

Das Land der Tiere kann jede Unterstützung brauchen: Menschen, die sich aktiv einbringen und ihre Arbeitskraft spenden, sei es bei der Tierversorgung, Baumaßnahmen, Arbeiten am Gelände, Büro- oder sonstiger Arbeit. Und natürlich wird auch finanzielle Unterstützung benötigt, um die Existenz dauerhaft zu sichern und das Land der Tiere weiter auszubauen. Nur dann können weitere Unterkünfte entstehen, die mehr Tieren eine neue, sichere Heimat bieten und die Strukturen so ausgebaut werden, dass möglichst viele Menschen gerne den Weg ins Land der Tiere finden – und sich von dort „gedanklich etwas mitnehmen“ können: Nämlich dass ein friedliches Miteinander möglich ist und tatsächlich alle davon profitieren.

Schildkröte frisst Löwenzahn
Auch ich lebe im Land der Tiere! Foto: ARIWA

Wir hoffen, ihr habt einen guten Einblick in das Projekt Land der Tiere gewinnen können, und habt Lust bekommen, es auf die eine oder andere Weise zu unterstützen. Durch Mit-Anpacken, spenden, Werbung dafür machen – und diese Woche auch durch eine Bestellung bei uns – denn wir spenden 5 % eures Bestellwertes an das Land der Tiere.

Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt – das könnte euch vielleicht auch interessieren:

  • We Animals – Bildband mit Fotografien von Tierrechtsfotografin Jo-Anne McArthur
  • The Ghosts in our Machine – Liz Marshall begleitete für diesen bewegenden Film Jo-Anne McArthur während ihrer Recherchen
  • Maximum Tolerated Dose – Einblicke in das Leben von Menschen und nichtmenschlichen Tieren, die an Tierversuchen beteiligt waren
  • Cowspiracy – eine Doku über die ökologischen Folgen der Tierausbeutung
  • Warum wir Hunde lieben, Schweine essen … – ein Buch von Melanie Joy über die sozialen und psychologischen Mechanismen, die dazu führen, dass wir bestimmte Lebewesen als Lebensmittel betrachten
  • Zoopolis – Wie kommen wir zu einer Gesellschaft, in der die politischen Rechte nichtmenschlicher Tiere mitberücksichtigt werden?
  • Tierrechtsbewegung – Geschichte, Theorie und Aktivismus der Tierrechtsbewegung

400 € an die Bio-Veganen Landbautage!

Zum Weltvegantag hat roots of compassion 400 € an die Bio-Veganen Landbautage gespendet. Auf dem Bild sehr ihr außerdem trockene Erde, die mit verschiedenen Gartengeräten fruchtbar gemacht wird, sodass ein erster grüner Salat auf ihr wächst.

Zum Weltvegantag haben wir ja eine kleine Spendenaktion zugunsten der Bio-Veganen Landbautage 2015 durchgeführt. Durch eure Bestellungen haben wir insgesamt einen Betrag von fast 400 € gesammelt, den wir dann entsprechend aufgerundet und gespendet haben. Wir hoffen, dass das Netzwerk wächst, gedeiht und bio-veganer Landbau bald nicht mehr so selten ist …

Spende an CAREA

roots of compassion spendet 260 € an CAREA

Ausnahmsweise wollen wir euch die Auswertung unserer Spendenaktion mal nicht so lange schuldig bleiben – von der Oktoberaktion spenden wir 260 € an CAREA. Auch dieses Mal haben wir zur Aktion ein Interview mit Menschen von CAREA im Blog gehabt. Schaut mal rein!