Interview mit dem Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

Vor einem Jahr hat sich das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista gegründet. Wie auch wir, wünschen sich die vier Gründungsmitglieder eine gerechtere und solidarischere Welt ohne Ausbeutungsverhältnisse und Umweltzerstörung.Wir finden ihr Engagement unbedingt unterstützenswert und haben gleich ihren Kaffee in unser Sortiment aufgenommen. Damit ihr euch ein Bild von ihnen machen könnt, haben wir sie für euch interviewt:

Kaffeepackungen auf Regal-klein

Ihr habt euch 2012 gegründet. Wie kam es dazu?

Wir vier haben vor der Gründung von Aroma Zapatista zwischen 3 und 5 Jahren bei Café Libertad gearbeitet. Dort kam es im Jahr 2011 zu immer heftigeren persönlichen aber auch politischen Konflikten. Es gab Versuche mit Hilfe von Moderatorinnen und einem Supervisor die Konflikte in den Griff zu bekommen, was allerdings scheiterte. Die Folge war, dass 6 von 9 Menschen bei Café Libertad ausstiegen. 2 arbeiten jetzt in anderen Bereichen. Kerstin, Doro, Dorit und ich (Hans-Martin ) wollten uns in keinem Fall aus der ökonomischen Solidaritätsarbeit mit den Zapatist_innen zurückziehen. Deshalb gründeten wir das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista eG. In der Trennungsvereinbarung mit Café Libertad wurde vereinbart, dass wir im Laufe des Jahres 2012 zapatischen Rohkaffee von ihnen bekommen konnten . Diesen Kaffee lassen wir zur Zeit nach und nach rösten und verkaufen ihn dann. Für die Ernte 2012/13 haben wir mit den zapatistischen Kaffeekollektiven eigene Verträge über den Import von Rohkaffee abgeschlossen.

 

Was unterscheidet euch von anderen Firmen, die fair gehandelten Kaffee anbieten?

Im Bereich des fairen Handels bewegen sich viele unterschiedlich große, aber auch unterschiedlich motivierte Akteure. Über Lidl etc., also große streng kapitalistisch ausgerichtete Firmen braucht man, glaube ich, kein Wort zu verlieren. Unser Ansatz ist ein anderer – wir bezeichnen unsere Arbeit als solidarischen Handel, da wir davon ausgehen, dass ein fairer Handel zur Zeit nicht möglich ist. Wir unterstützen mit den Zapatist_innen eine Bewegung, die einen gesellschaftsverändernden Charakter hat, unter anderem allein schon dadurch, dass durch ihren Aufstand 1994 viele indigene Familien in Chiapas überhaupt erst eigenes Land zur Verfügung haben und nicht mehr auf den Kaffeefincas reicher Europäer oder Mexikaner arbeiten müssen.

Auch wollen wir uns soweit wie möglich von den Schwankungen des Kaffeepreises am Weltmarkt vor allem nach unten abkoppeln. Der faire Handel macht auch die Schwankungen nach unten mit (Im fairen Handel ist der Kaffeepreis an den Weltmarktpreis, wenn auch mit einem Aufschlag, gekoppelt).

 

Was verbindet euch mit der zapatistischen Bewegung in Mexiko? Und warum wollt ihr gerade die Zapatist*innen unterstützen?

Die Motivation ist bei uns unterschiedlich: Kerstin Dorit und Doro waren schon mehrfach in Chiapas, sei es als Menschenrechtsbeobachterin, Filmemacherin, Delegierte für den Kontakt mit den Kaffeekooperativen. Sie haben dadurch die Zapatist_innen, ihre Arbeit, ihre Erfolge und auch ihre Probleme kennengelernt.

Ich habe in den Achtzigern Solikaffee nach der Revolution in Nicaragua verkauft, dann lange Zeit eher in Hamburg in anderen Bereichen gearbeitet und bin über die Arbeitssuche vor 7 Jahren wieder in den Solikaffeehandel eingestiegen und habe dabei die politische und ökonomische Arbeit der Zapatist_innen schätzen gelernt.

 

Was bedeutet es für euch, in einem Kollektiv zu arbeiten?

Da wir alle diese Gesellschaft nicht für die Beste aller möglichen halten und sie gerne verändern wollen, denken wir, dass einer der wichtigen Schritte in diese Richtung der Versuch ist, die eigenen Arbeitsstrukturen zu demokratisieren. Auf diesem Weg bietet ein Kollektiv die besten Möglichkeiten. Dazu gehört auch, dass wir immer wieder auch im Kollektiv unsere Verhaltensweisen, unser Diskussionsverhalten infrage stellen und ggf. verändern, um dauerhaft auch zu einem wirklich gut funktionierenden und emanzipatorischen Kollektiv zu werden. Das private oder auch arbeitstechnische Verhalten ist eben auch politisch.

 

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Unser wichtigstes Ziel ist es, eine langfristige Perspektive zu haben, für die Zapatist_innen, für uns und natürlich für alle Lieberhaber_innen unseres Kaffees. Das erste Jahr ist gut gelaufen, aber es ist unser Ziel, unseren Kaffeeumsatz weiterhin zu erhöhen, um uns bald Löhne auszahlen zu können. Auch steigen bei höherem Kaffeeverkauf unsere Möglichkeiten, die zapatistische Bewegung zu unterstützen, da von jedem kg Röstkaffee 0,45 € als Unterstützungsgeld nach Chiapas gehen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist es, wenn möglich, weitere Produkte aus Chiapas zu vermarkten, um zusätzlich zu den Kaffeebäuer_innen andere Zapatistas zu unterstützen. Zur Zeit ist der Import von Zitronengrastee geplant.

Zum Anderen ist natürlich auch die politische Soliarbeit sehr wichtig, um weiter über die Zapatist_innen und über Ihren Kampf um ihre Autonomie und Würde zu informieren und Unterstützer_innen zu werben.

Wenn unser Projekt gut läuft, können wir uns vorstellen auch anderen Kaffee von Kaffeebäuer_innen zu importieren, die für ihre Rechte zu kämpfen.

 

Wie kann man euch unterstützen?

Vor allen Dingen: Viel Kaffee trinken und Freund_innen etc. überzeugen, unseren zapatistischen Kaffee zu kaufen. Jede Unterstützung ist hier willkommen. Zudem freuen wir uns sehr über private Direktkredite für den Rohkaffee-Einkauf, um die Bankzinsen möglichst gering zu halten. Weiterhin ist es auch wichtig, über die politischen Ziele und Forderungen der Zapatist_innen zu informieren und sie in ihrem Kampf zu unterstützen. Für Soli- und Informationsveranstaltungen stehen wir gern zur Verfügung.

Infos und Online-Shop: www.aroma-zapatista.de

 

Selbstbestimmtes Arbeiten im Kollektiv

”Grüne Wiese” und ”roots of compassion” stellen sich vor.

”roots of compassion” ist ein Kollektiv von vegan lebenden und herrschaftskritischen Menschen aus Münster. Sie betreiben einen veganen, zum größten Teil bio und fairen Online-Shop, seit 2009 einen Verlag und seit 2012 einen Vegan-Laden in Münster. Sie möchten durch ihre Arbeit den Tierbefreiungsgedanken und die vegane Lebensweise verbreiten sowie Gesellschafts- und Kapitalismuskritik üben. Zeitgleich müssen und wollen sie von ihrer Arbeit leben können – ein Spagat, der nicht immer einfach ist.

Grüne Wiese ist ein Laden und Onlineshop für ökologische und zugleich fair(er)produzierte Kleidung. Die Betreiber_innen Simone und Lars kommen aus der Anti-Atom, Klimagerechtigkeits-und globalisierungskritischen Bewegung. Seit der Gründung 2008 bieten sie nicht nur öko-faiere Produkte an, sondern praktizieren auch eine Unternehmungsführung, die Nachhaltigkeit und Solidarität statt Profit maximiert. Gemeinsam mit weiteren Läden und grünen Modelabels haben sie einen Kodex für solidarisches Wirtschaften entwickelt.

Die Veranstaltung läuft im Rahmen der Veranstaltungsreihe ”Anarchismus und Selbstorganisation”, Donnerstag 06.06.2013, 19.30 Uhr, Interkulturelles Zentrum Don Quijote Nieberdingstr. 8, Münster

Lavera – Tierversuche in China?

Eine Kundin hatte uns darauf hingewiesen, dass Lavera Produkte nach China liefert, die dort aufgrund der dortigen Rechtslage noch einmal im Tierversuch getestet werden müssten. Da wir die Zahncreme von Lavera gelistet haben, haben wir beim Hersteller angefragt. Hier die zusammengefasste Antwort des Telefonates für euch:

Lavera führt grundsätzlich keine Tierversuche durch, auch nicht für den chinesischen Markt. Laut Gesetz ist es den zuständigen chinesischen Behörden bei der Registrierung von Kosmetikprodukten aber grundsätzlich erlaubt, die zu registrierenden Produkte selbst in Tierversuchen zu testen. Inwiefern dies tatsächlich geschieht ist aber unbekannt und es ist fraglich, ob die chinesischen Behörden den Aufwand betreiben und das Geld bereitstellen um im großen Stil Kosmetikprodukte testen zu lassen. Die Lavera-Zahnpasta wurde nicht registriert, so dass Tierversuche hierfür ausgeschlossen werden können.

Knastpatenschaften gegen Militarismus

Wir solidarisieren uns mit Hanna Poddig, die mit einer Ankettaktion 2008 einen Militärtransport für mehrere Stunden stoppte, um ein Zeichen gegen Militarismus und Krieg zu setzen. Für die Aktion wurde sie zu 90 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt. Wir von roots of compassion übernehmen als Zeichen der Solidarität die Patenschaft für eine Woche und legen auch euch ans Herz, euch zu beteiligen. Weitere Infos erhaltet ihr hier: http://krieg.nirgendwo.info/