Grüne Woche demaskieren – Interview mit dem Aktionsbündnis

Logo des Bündnisses 'Grüne Woche demaskieren'

Heute hat die Internationale Grüne Woche in Berlin begonnen. Anlässlich dieser Messe war schon im letzten Jahr das Aktionsbündnis Grüne Woche demaskieren vor Ort mit zahlreichen Aktionen präsent. Auch für dieses Jahr haben sie sich einiges einfallen lassen – einige Aktionen sind auch schon im Vorfeld der Messe gelaufen.
Trotz all der Vorbereitungen hatten einige Menschen aus dem Bündnis tollerweise auch kurz vorher noch Zeit, uns ein paar Interviewfragen zu beantworten:

Der VEBU schreibt, die „Internationale Grüne Woche Berlin 2015 setzt auf ‚vegetarisch-vegan'“. Braucht es „Grüne Woche demaskieren“ jetzt noch?

Natürlich! Die Formulierung des VEBU ist weit übertrieben. Das vegan-vegetarische Segment spielt auf der Grünen Woche nur eine unbedeutende Rolle – es handelt sich lediglich um ein Zusatzangebot, das wohl auch neue Besucherklientel anlocken soll. Ebenso wenig, wie man aus der Existenz der „Biohalle“ auf eine Agrarwende schließen kann, ebenso wenig zeigt die Integration der pflanzlichen Ernährungsweise eine grundlegend veränderte Einstellung zur Tiernutzung. Im Zentrum der Messe steht nach wie vor das Marketing für Tierprodukte und industrielle Landwirtschaft. Dagegen richtet sich unsere Kritik.

Dass die Messe das Thema veganer/vegetarischer Ernährung ausdrücklich aufnimmt, ist natürlich insofern erfreulich, als es eine gesellschaftliche Entwicklung anzeigt, die wir begrüßen. Zu sehr sollte man sich aber nicht darüber begeistern – denn bislang handelt es sich eindeutig um einen Nischenmarkt. Wir haben schon andere Booms gesehen und ob dieser nun vorhält, verbleibt noch zu sehen. Die Bedeutung des veganen Marktes zu überschätzen, hieße in eine altbekannte Falle des Kapitalismus zu tappen: Er schafft für alle Sonderwünsche das passende Angebot, also auch für ethisch motivierte VeganerInnen. Aber derweil wird weitergeschlachtet – genau wie trotz „Biobooms“ weiter gespritzt und Leben zerstört wird. Ganz abgesehen davon, dass vegan nicht gleich ökologisch und ökologisch nicht gleich gerecht ist.
Für grundlegende Veränderungen brauchen wir die gesellschaftliche Diskussion über die Tierhaltung ebenso wie über unser Wirtschaftssystem. Wir brauchen aber auch den Konflikt und den Kampf – u. a. den Kampf gegen die Macht und die Propaganda-Maschinerie der Tierindustrie.

Logo der Aktion 'Rosa Brille 2015', die an den DBV verliehen wurde.

Ihr sagt, im Zentrum der Grünen Woche „steht nach wie vor das Marketing für Tierprodukte und industrielle Landwirtschaft“. Auf eurer Website listet ihr eine Reihe von Kritikpunkten auf. Auf welche Weise steht die Messe für diese kritisierten Aspekte?

Die Grüne Woche ist die weltgrößte Messe für Landwirtschaft und Ernährung. Zahlreiche zentrale Akteure wie Unternehmen und Institutionen sind auf der Messe als Aussteller vertreten. Gleichzeitig finden während der Messe Fachveranstaltungen für verschiedene Branchen wie das „Frische Forum Fleisch“ statt. In diesem Sinne repräsentiert für uns die Grüne Woche das herrschende Landwirtschaftssystem.
Zugleich ist aber die Messe auch eine große Werbeveranstaltung für eben dieses System, denn überall wird versucht, die negativen Aspekte auszublenden oder zu verharmlosen und die gegenwärtige Praxis – sei es in der Tierhaltung, im Ackerbau, im globalen Handel oder anderen Bereichen – in ein positives Licht zu rücken. Diese Propagandafunktion der Messe möchten wie „demaskieren“.

Und der Deutsche Bauernverband, dem ihr die „Rosa Brille“ verleiht, sowie der Erlebnisbauernhof sind quasi die Paradebeispiele für diese Augenwischerei?

Ja. Der Bauernverband ist auf vielfältige Weise auf der Grünen Woche vertreten: Auch an der Gestaltung des ErlebnisBauernhofs ist er beteiligt, denn dabei handelt es sich um ein Projekt der „Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft“ (FNL). Dieser Verein hat mit Nachhaltigkeit nur insofern etwas zu tun, als es sich um einen guten Werbeslogan handelt. Es ist ein Zusammenschluss von Unternehmen und Interessenverbänden der Agrarindustrie, darunter der Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft, BASF, Monsanto und eben auch der Bauernverband.
Daneben wird der Bauernverband sich noch an einem eigenen Messestand mit Broschüren wie dem „Leitbild Nutztierhaltung“ oder dem „Meat Magazin“ präsentieren. Außerdem tritt er noch in Gestalt der „information medien agrar“ auf, die Lehrmaterialien und Führungen für Kinder und Jugendliche anbietet.

erlebnisbauernhof

Auf all diese Weisen nutzt der Verband die Grüne Woche für seine Öffentlichkeitsarbeit. Dabei verfolgt er unserer Einschätzung nach eine Doppelstrategie: Einerseits beschönigt und verharmlost er die Gewalt, die Tieren im Rahmen der Nutzung zur Produktion von Fleisch, Milch und Eiern angetan wird, auf bisweilen groteske Weise. So zum Beispiel, wenn er auch die grausamste Gefangenhaltung, Verstümmelung und Tötung von Tieren als „tiergerecht“ bezeichnet oder Tiertransporte als Tierschutzmaßnahme vermarktet.
Gleichzeitig hat die Industrie aber eingesehen, dass in Anbetracht der Verfügbarkeit realistischer Informationen und Bilder aus Ställen und Schlachthöfen diese Beschönigung nur bedingt überzeugend ist. Daher versucht er unter den Schlagworten „Transparenz“ und „Versachlichung“ der Bevölkerung die Idee abzugewöhnen, dass Tiere als fühlende Lebewesen überhaupt unseren Respekt und unser Mitleid verdienen. Sie müssen stattdessen als Waren und Ressourcen angesehen werden, deren einziger Zweck in der Herstellung von Produkten und der Erwirtschaftung von Profit liegt.

Ist euer Eindruck, dass diese Strategie des DBV funktioniert?

Ja, wir denken schon, dass der DBV mit seinem Marketing oft erfolgreich ist. Viele Menschen akzeptieren schreckliche Dinge ziemlich leicht, wenn sie sie nur auf die richtige Weise präsentiert bekommen. Im „Schweinemobil“ z. B. zeigt der Bauernverband (bzw. die FNL) vergleichsweise realistisch, wie Schweinehaltung heute aussieht – die Größe der Bucht stimmt ebenso wie der Spaltenboden, wenn auch die Schweine, die oft mit ausgestellt werden, natürlich gerne recht jung und möglichst unverletzt sind. Viele BesucherInnen finden die Ausstellung gut, zumindest wenn man der Darstellung der Veranstalter selbst glauben kann – obwohl man doch unseres Erachtens dort sehen müsste, dass eine solche Bucht für so neugierige und kluge Tiere keine geeignete Umgebung darstellt. Aber genauso finden viele Menschen beim Besuch von Bio-Milchhöfen die Kälber in den Kälberiglus einfach süß ohne darüber nachzudenken, warum sie dort isoliert von ihren Müttern stehen. Und es kommt sogar vor, dass Versuchs-Kühe mit einem Loch in der Seite, durch das man in den Verdauungstrakt hineingreifen kann, bei Forschungseinrichtungen am Tag der Offenen Tür ausgestellt werden und sich darüber kaum jemand aufregt. Es hängt eben sehr stark vom Kontext ab, wie man etwas findet. Auch deshalb wollen wir uns in diese Propaganda-Maschine einmischen – um den Kontext zu stören und aufzuzeigen, was an der Darstellung problematisch ist.

Was ist euer Ziel für dieses Jahr und gibt es geplante Aktionen, zu denen ihr schon etwas verraten wollt?

So wie letztes Jahr wollen wir zum einen der Propagandamaschinerie der Grünen Woche etwas entgegensetzen und den Messeablauf stören. Zum anderen wollen wir aber auch die MessebesucherInnen und auch andere Menschen mit unserer Kritik erreichen und dazu anregen, das Präsentierte nicht einfach unhinterfragt hinzunehmen. Die erste Aktion diesen Jahres war die Verleihung der „Rosa Brille für exzellente Öffentlichkeitsarbeit und professionelle Meinungsmache“ an den Bauernverband am Dienstag den 13.1. Auf die Hintergründe dafür sind wir ja schon weiter oben eingegangen. Am Donnerstag, den 15.1., gab es einen Online- und Telefonaktionstag. Dabei waren alle dazu aufgerufen in sozialen Netzwerken auf die Verlogenheit der Messe hinzuweisen. Die Veranstaltungsreihe „Umweltpolitische Themenwochen“ wird in 8 Vorträgen auf verschiedene Aspekte der gegenwärtigen Landwirtschaft eingehen. Es geht um die zerstörerischen Folgen unseres kapitalistischen (Land-)Wirtschaftssystems, um die ethische Legitimität der Tierausbeutung, um die Methoden der Werbeindustrie, um Möglichkeiten für Protest und Widerstand und um Alternativen für eine gerechtere, bedürfnisorientierte und ernsthaft nachhaltige Landwirtschaft. Begleitet wird die Veranstaltungsreihe durch die Bilderausstellung „Plakate gegen Massentierhaltung“ von Denis Becker.

Am Messegelände selbst werden wir mit Kundgebungen an insgesamt 5 Tagen präsent sein. Auch Animal Rights Watch wird mit dem ARIWA-Mobil und einem eigenen Infostand vor Ort sein. Am Freitag den 16.1. werden wir 15:30 Uhr ein Die-In vor dem Frische Forum Fleisch veranstalten, um auf die Opfer der kapitalistischen Landwirtschaft aufmerksam zu machen. Und zur „Wir haben es satt!“ Demo am 17.1. mobilisieren wir für einen Tierbefreiungsblock, um eine grundsätzlichere Kritik am kapitalistischen Landwirtschaftssystem anzubringen, dass immer mit der Ausbeutung von Mensch, Tier und Umwelt verbunden ist. Wir wollen zudem deutlich machen, dass eine „artgerechte Tierhaltung“ per se nicht möglich ist und ein Ende der Megaställe deshalb nicht ausreicht, sondern dass wir eine vollständige Abkehr von der Tiernutzung brauchen.

Gutes Stichwort. Ihr kritisiert die „Wir haben es satt“-Demo, die anlässlich der Grünen Woche stattfindet. Nach der Kritik erscheint es gar nicht so naheliegend, sich an der Demo zu beteiligen. Warum tut ihr es dennoch?

Natürlich gehen uns die Forderungen der „Wir haben es satt!“ Demo nicht weit genug. Statt nur der Schließung von Megaställen fordern wir eine Totalabkehr von der Tierhaltung. Auch erscheint die Forderung nach einer kleinbäuerlichen Landwirtschaft innerhalb des kapitalistischen Wirtschaftssystems naiv. Trotzdem haben wir uns dieses Jahr dazu entscheiden, für einem Demoblock zu moblisieren, damit unsere Positionen dort auch vertreten sind. Denn eine Kritik zu haben, bringt aus unserer Sicht nicht viel, wenn sie sich nicht auch in die Diskussionen einbringt. Wir glauben auch, dass die Menschen auf der „Wir haben es satt!“ Demo empfänglicher für unsere Positionen sind, als z. B. die Menschen, die zur Grünen Woche gehen. Wir wollen daher viele Flugblätter zu unserer Tierbefreiungsposition und mit der Ankündigung unseres Vortrags zu Biohaltung am Samstagabend unter die Leute bringen. Außerdem bietet so ein Demoblock einen guten Anknüpfungspunkt für die Mobilisierung von Menschen von außerhalb Berlins.

Bei euch können ja auch emanzipatorisch aktive Menschen mitmachen, die nicht die vollständige Befreiung nichtmenschlicher Tiere anstreben. Passiert das, und wie klappt diese Zusammenarbeit?

Es gibt viele Punkte an der modernen Landwirtschaft zu kritisieren. Nicht nur die Tiernutzung. Auß diesem Grund wünschen wir uns Menschen und Gruppen in dem Bündnis, die den Fokus auf z. B. Gentechnikeinsatz, Pestizideinsatz, Menschenrechtsverletzungen, Umweltzerstörung usw. legen. Leider ging das dieses Jahr auch wieder nicht auf. Zwar werden in unserer Vortragsreihe ReferentInnen von „Rettet den Regenwald“ und Jörg Bergstedt das Themenfeld erweitern, sodas nicht nur Kritik an der Ausbeutung von Tieren im Vordergrund steht. Aber Gruppen mit anderem Themenschwerpunkt, die sich auch mit eigenen Aktionen beteiligen wollen, wird man auch dieses Jahr im Bündnis vergeblich suchen.

Ihr sucht noch nach Menschen, die euch unterstützen. Wenn ich bei euch mitmischen will – was erwarten mich für Menschen und Strukturen?

Eine Kerngruppe von etwa 10 Leuten und eine Peripherie von einigen weiteren. Wir haben uns im Vorfeld der Grünen Woche regelmäßig zu großen Plena getroffen und daneben in Kleingruppen an einzelnen Themen gearbeitet wie einzelne Aktionen vorbereitet, Flyer entworfen, Pressemitteilungen geschrieben, die Homepage strukturiert usw. Im Moment gibt es natürlich sehr viel zu tun, eine Flut von Emails und häufige Treffen. Wir versuchen eine möglichst hierarchiefreie Gruppe zu sein und Entscheidungen per Konsensprinzip zu treffen. Wir sind von unseren Charakteren, Hintergründen und Fähigkeitsschwerpunkten recht unterschiedlich – also dafür, dass wir doch alle vegane TierbefreiungsaktivistInnen zwischen 20 und 35 sind. Wir arbeiten aber meist ziemlich harmonisch zusammen und ergänzen uns. Und viel Spaß macht es auch!
Für diese Saison ist die meiste Vorbereitung leider schon gelaufen, sodass man jetzt eigentlich nur bei den Mahnwachen, Infoveranstaltungen und Flyeraktionen noch unkompliziert einsteigen kann (siehe Termine). Wenn ihr aber unabhängig von uns etwas auf die Beine stellen wollt, können wir das aber natürlich gerne mit bewerben. Aber wer sich bei der Planung für nächstes Jahr mit einbringen möchte, möge sich gerne unter aktionen-gruene-woche@riseup.net melden.

Vielen Dank für das Interview! Wir wünschen euch alles Gute, viel Spaß und erfolgreiche Aktionen!

Zuletzt noch eine kleine Vorankündigung: Wir werden 5 % unseres Bestellaufkommens vom 19. bis 25. Januar an das Bündnis spenden, um die vergangene und künftige Kampagnenarbeit ein wenig zu unterstützen.

Alle Videos sind von 2014! Die Abbildungen sind vom Aktionsbündnis „Grüne Woche demaskieren“.

Bio-veganer Landbau – Wie (un)vegan ist der Anbau von Nahrungsmitteln?

Nach langer Zeit gibt es nun doch mal wieder eine Artikel-Leihgabe bei uns im Blog. Diesmal ein einführender Artikel zu bio-veganem Landbau aus der Tierbefreiung Nr. 82. Kein unwichtiges Thema, denn natürlich wäre es sehr wünschenswert, wenn die Herstellung von Gemüse und Obst auch vegan wäre. Ist sie nur meistens nicht, da tierproduktebasierte Düngung und „Schädling“sbekämpfung Standard sind. Aber lest selbst …
In der erwähnten Ausgabe der TIERBEFREIUNG gibt es natürlich auch weiterführende Artikel zum Thema. Gleichzeitig gab es übrigens in der Kochen ohne Knochen 14 ebenfalls einen Schwerpunkt zu bio-veganer Landwirtschaft!
Danke an die tierbefreier und die Autorinnen, dass sie uns den Artikel und die Fotos zur Verfügung stellen.

von Lisa Rotenberg und Silke Lamla

Wie sehr beschäftigen sich vegan lebende Menschen mit dem Thema Landwirtschaft? Ständig, wäre eine Antwort; schließlich ist die Auseinandersetzung mit der gewaltsamen Ausbeutung und Ermordung von nichtmenschlichen Tieren zur Produktion von Eiern, Milch, Fleisch und anderen Tierprodukten Teil des täglichen Lebens und Hauptthemenfeld des politischen Aktivismus. Zudem besteht das gemeinsame Ziel, die Tiernutzung in der Landwirtschaft abzuschaffen. Nun wird es auch in einer befreiten Gesellschaft notwendig sein, Nahrungsmittel anzubauen, und dies sollte auf eine vegane Weise stattfinden. Wie aber eine Landwirtschaft ohne Tierausbeutung aussehen könnte, darüber gibt es meist keine klare Vorstellung.

Als vegan lebende Menschen sind wir es gewohnt, Zutatenlisten zu lesen, Produktanfragen zu stellen und dabei auch auf möglichst viele „versteckte“ Tierprodukte zu achten, die zum Beispiel in Aromen oder Klebstoffen stecken. Auch der Herstellungsprozess wird ansatzweise bedacht, beispielsweise die Art der Wein- und Saftklärung. Andere Produkte dagegen gelten per se als vegan: Gemüse, Obst, Getreide – das sind die veganen Grundnahrungsmittel. Wenn allerdings deren Herstellungsprozess mit einbezogen wird – in diesem Fall die Anbaumethoden –, dann sind Karotte, Brokkoli und Weizenkorn leider nur in den seltensten Fällen vegan. Die massive Verwendung von Tierprodukten in Landwirtschaft und Gartenbau ist bisher nur selten Thema – vielleicht auch, weil die Alternativen zu wenig bekannt sind. Dabei gibt es bereits seit rund 20 Jahren eine praktische Alternative zu der tierausbeutenden Form der Lebensmittelproduktion: Den bio-veganen Landbau. Mit diesem Artikel möchten wir dieses Konzept bekannter machen und Menschen aus der Tierbefreiungsbewegung für das Thema sensibilisieren.

Von Haarmehl und Hornspänen, von Gülle und Gift

Sowohl im konventionellen Anbau als auch im Bio-Anbau werden zahlreiche Tierprodukte eingesetzt und Maßnahmen zur Abwehr sogenannter Schädlinge ergriffen. Betrachten wir im Folgenden zunächst die beiden Landwirtschaftskonzepte etwas näher und fragen, ob und unter welchen Umständen sie mit einer veganen Lebensweise vereinbar wären. Anschließend gehen wir der Frage nach, ob die sogenannte „vieh“lose[1] Öko-Landwirtschaft vegan ist, bevor wir schließlich das Konzept des bio-veganen Landbaus vorstellen und Hinweise geben, wie dieser gefördert werden kann.

Konventionelle Landwirtschaft

In der konventionellen Landwirtschaft (auch: „kontrollierter“ oder „integrierter“ Anbau) stehen verschiedenste Betriebsmittel zur Verfügung, die je nach Situation kurzfristig eingesetzt werden können, um möglichst hohe Erträge zu erwirtschaften. So werden zum einen leicht lösliche mineralische Düngemittel verwendet, um die Pflanzen möglichst optimal und zeitnah mit Nährstoffen zu versorgen. Zum anderen werden diverse sogenannte Pflanzenschutzmittel eingesetzt, um die Pflanzen vor Konkurrenten zu bewahren: Insektizide und Fungizide, um die Pflanzen vor Insekten und Pilzbefall zu schützen; Herbizide, um die Flächen frei von „Unkräutern“ zu halten; bis hin zu Rodentiziden und Molluskiziden, um Nagetiere und Schnecken zu töten. Der Einsatz von „Pflanzenschutzmitteln“ hat starke Auswirkungen auf wildlebende Tiere. Zum einen werden diese direkt getötet, wenn es sich um pflanzenschädigende Läuse, Käfer oder Fliegen an den Pflanzen oder um konkurrierende Säugetiere oder Schnecken handelt. Zum anderen werden Wildtiere indirekt beeinflusst, etwa wenn durch den Einsatz von Herbiziden die Wildkräutervielfalt abnimmt und somit eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten wegfällt.
Die im konventionellen Landbau verwendeten synthetischen Stickstoffdünger sind von ihren Inhaltsstoffen her vegan, auch wenn sie aufgrund der energieaufwändigen Herstellung ökologisch fragwürdig sind. Zusätzlich werden fossile Dünger verwendet, die zwar ebenfalls vegan sind, aber oftmals nicht unter ökologischen und/oder sozialen Bedingungen hergestellt oder abgebaut werden, sei das Kaliabbau im Ural, Versalzung der Werra und Weser durch Bergwerke des Konzerns „Kali + Salz“ oder das Abtragen ganzer Inselgruppen zur Phosphatgewinnung.
Darüber hinaus verwenden auch konventionelle Betriebe oft zusätzlich Gülle oder Mist auf ihren Feldern – einerseits um den Boden zu düngen, zunehmend aber auch um die anfallenden Exkremente aus der Massentierhaltung zu entsorgen, was mittlerweile ein Problem für viele Großbetriebe darstellt. Konventionelle Großbetriebe sind heute meist stark spezialisiert und betreiben entweder Pflanzenbau oder „Tierproduktion“. Daher fällt auf den tierhaltenden Betrieben viel mehr Gülle an, als der Boden auf den eigenen Flächen aufnehmen könnte. Wenn die Gülle nicht in Biogasanlagen verwendet werden kann, wird sie auf zum Teil weit entfernt liegenden Feldern und Wiesen oft in zu großen Mengen ausgebracht. Die Folgen sind dann unter anderem Nitratauswaschung, Überdüngung von Gewässern und ein geschädigtes Bodenleben. Verursacht wird das Gülleentsorgungsproblem auch durch die ausgedehnte globale Nährstoffverschiebung. Das bedeutet, dass das Futter für die industriell gehaltenen Tiere aus anderen Ländern importiert wird. Den dortigen Böden werden mit dem Futter Nährstoffe entzogen, die sich hierzulande in den Exkrementen akkumulieren.

Fazit: In Bezug auf die Düngung können konventionelle Betriebe aufgrund der Verwendung synthetischer und fossiler Düngemittel vegan Ackerbau betreiben, sofern sie auf zusätzliche Gülle-/Mistdüngung verzichten würden. Doch schon aus dem Grund, dass diverse „Pflanzenschutzmittel“ eingesetzt und damit zahlreiche Kleintiere getötet werden, sind konventionelle Betriebe nicht vegan. Werden ökologische Aspekte mit einbezogen, liegen Nachteile des konventionellen Anbaus in der energieaufwändigen Gewinnung von fossilen und synthetischen Düngern und in den negativen Auswirkungen sowohl von „Pflanzenschutzmitteln“ als auch von einseitiger Anbaugestaltung und Gülleüberschüssen auf das Bodenleben sowie auf Wildpflanzen und wildlebende Tiere.

Ökologischer Anbau

In der ökologischen Landwirtschaft muss der Anbau viel stärker als in der konventionellen Landwirtschaft vorausschauend geplant werden, damit die Pflanzen ausreichend Nährstoffe zur Verfügung haben und nicht zu stark von Krankheiten und Insekten befallen werden. Notwendig sind beispielsweise eine vielfältige Fruchtfolge[2], vorausschauende Bodenbearbeitung und ein möglichst vielseitiges Ökosystem. Als Stickstoffquelle dient im Bio-Landbau vor allem der Anbau von Leguminosen (Pflanzen der Familie der Hülsenfrüchte, wie Klee, Wicke, Erbse, Bohne), die in Kooperation mit sogenannten Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Atmosphäre für sich verfügbar machen. Zusätzlich verwenden die meisten Bio-Betriebe Tiermist als Dünger. Darüber hinaus ist die Verwendung von Schlachtabfällen als Düngemittel gängige Praxis. Im ökologischen Gemüsebau beispielsweise werden sehr oft Horn- oder Hufspäne eingesetzt, die aus den gemahlenen Klauen von Rindern und Schweinen oder den Hufen von Pferden bestehen. Sie werden als schnell wirkende Stickstoffdünger für Pflanzen mit einem hohen Nährstoffbedarf verwendet, also zum Beispiel für Tomaten und Gurken im Gewächshaus. Auch die Verwendung von Federmehl, Haarmehl und Borsten zur Düngung ist erlaubt. In der EU-Verordnung sind weiterhin Blut-, Fleisch- und Knochenmehle als organische Dünger zugelassen und werden teilweise standardmäßig im Gemüsebau eingesetzt. Diese letztgenannten „Dünger“ sind den Bioland- und Naturland-Verordnungen zufolge verboten.[3] Ebenso wie in der konventionellen Landwirtschaft dürfen auch im Bio-Anbau fossile Dünger wie Kali oder Phosphate verwendet werden.
Generell könnten viele Bio-Betriebe vegan wirtschaften, da sowohl die EU-Verordnung als auch fast alle Verbände dies implizit erlauben. Bioland bezeichnet die Tierhaltung zwar als „sinnvolles Bindeglied im Betriebskreislauf“, schließt aber Betriebe ohne Tierhaltung nicht von einer Verbandsmitgliedschaft aus. Als einziger Öko-Verband schreibt Demeter seinen landwirtschaftlichen Betrieben eine Tierhaltung vor.

Im Umgang mit „Schädlingen“ und „Unkräutern“ wird im Bio-Anbau die Bedeutung vorbeugender Maßnahmen betont und ein sich selbst regulierendes Ökosystem angestrebt. Aber auch hier gibt es zahlreiche erlaubte Anwendungen, die mit dem Töten von Tieren in Verbindung stehen. Beikräuter können im Keimlingsstadium durch Abflammen mit einer Gasflamme beseitigt werden, wobei auch Insekten, kleine Säugetiere, Kröten und andere Reptilien Schaden nehmen können. In der sogenannten biologischen Schädlingsbekämpfung werden pflanzenschädigende Insekten nicht durch „Pflanzenschutzmittel“ direkt bekämpft, sondern durch ihre natürlichen Feinde wie zum Beispiel Raubmilben oder Schlupfwespen. Als eine besondere Form von „Nutztieren“ werden diese gewerblich vermehrt und über den Versandhandel verkauft. Sie werden dann durch den Menschen gezielt in den Kulturpflanzenbestand eingebracht, um dort die „Schädlinge“ zu dezimieren. So wird aus dem direkten Töten durch Spritzmittel ein indirektes über die kontrolliert eingebrachten Insekten. Neben der biologischen Schädlingsbekämpfung werden pflanzenschädigende Insekten auch durch Duftstoffe oder Farbtafeln angelockt und getötet. Und auch wenn synthetische Pestizide im Öko-Landbau verboten sind, bleiben zahlreiche Mittel erlaubt, um gegen „tierische Schädlinge“ vorzugehen: Von Bakteriengift-Präparaten (zum Beispiel Bacillus thuringiensis) über Aufbereitungen von Neem oder Chrysanthemen als „natürliche“ Insektizide, bis hin zu Schlagfallen (also Tötungsfallen) und Giften für Mäuse und Ratten. Als Pflanzenstärkungsmittel sind außerdem unter anderem Propolis, Bienenwachs, Eiweiß, Milch und Milchprodukte erlaubt.

„Vieh“lose Öko-Landwirtschaft

Seit den 1980er Jahren wirtschaften immer mehr landwirtschaftliche Öko-Betriebe ohne eigene Tierhaltung. Dafür sind in der Regel keine ethischen Gründe maßgeblich, sondern vor allem das verstärkte Umstellen von bisher konventionell wirtschaftenden „vieh“losen Betrieben auf ökologische Wirtschaftsweise oder eine stärkere Spezialisierung von bestehenden Öko-Betrieben aufgrund von ökonomischem Druck, in deren Rahmen sie ihre Tierhaltung aufgeben. Die Bezeichnung „vieh“los bedeutet allein, dass auf dem Betrieb selbst keine „Nutztiere“ gehalten werden. Das muss aber nicht zwingend bedeuten, dass keine tierlichen Einträge in den Ackerbau stattfinden – sowohl Mist als auch gemahlene Schlachtabfälle können zur Düngung zugekauft werden. Nicht selten wird der Gründüngungsschnitt an tierhaltende Betriebe im Tausch gegen Mist abgegeben. Dass es sich dabei um verschenkte Nährstoffe handelt, darauf kommen wir später noch zurück. Letztlich werden ethische Kriterien bei Entscheidungen zum Umgang mit sogenannten Schädlingen und zur Verwendung tierlicher Zusatzstoffe im Anbau keine Rolle spielen. Insofern ist „vieh“loser Ackerbau keinesfalls gleichzusetzen mit veganem Anbau.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass der ökologische Anbau in der Regel viele Möglichkeiten für einen veganen Anbau offen lässt, ein solcher in der Praxis aber nur umgesetzt wird, wenn eine konkrete Entscheidung dafür vorliegt.

Bio-veganer Landbau als Alternative

Das bio-vegane Land- und Gartenbaukonzept wurde vom Vegan Organic Network (VON) in den 1990er Jahren in England entwickelt und hat zum Ziel, von der Tierausbeutung wegzukommen und einen nachhaltigen, umweltfreundlichen Weg des Anbaus von Nahrungsmitteln zu entwickeln. Von Beginn an beinhaltete das Konzept nicht nur den veganen Anbau, sondern umfasste auch eine alternative Sichtweise auf Marktwirtschaft, Kooperation und eine Bewegung für Landreform[4] und Umverteilung. Im Grunde werden im bio-veganen Landbau die Ideale der Bio-Landwirtschaft mit denen des Veganismus verbunden. Das heißt also, dass neben einer biologischen Anbauweise keine Tiere zum Zweck der Nahrungsmittelproduktion oder des kommerziellen Gewinns gehalten und auch keine Düngemittel vom Tier eingesetzt werden dürfen. Im bio-veganen Anbau wird kein Tier willentlich getötet, auch keine sogenannten Schädlinge. Außerdem ist es nicht erlaubt, dass im Betrieb erzeugte Produkte an andere Betriebe zum Zweck der Tierfütterung abgegeben werden.
Positiv ausgedrückt sind zentrale Standardprinzipien bio-veganer Betriebsführung: Der Erhalt der Bodenfruchtbarkeit und die Förderung des Bodenlebens mit Hilfe pflanzlich-organischer Stoffe, einer ausgewogenen Fruchtfolge und minimaler Bodenbearbeitung sowie die weitgehende Nutzung betriebseigener Ressourcen für die Nährstoffzufuhr anstatt importierter Hilfsmittel. Weiterhin nimmt die Förderung der wildlebenden Tiere und auch der Wildpflanzen eine zentrale Stellung ein, deren Habitate geschützt und ausgebaut werden sollen.

Geschichte des bio-veganen Landbaus im deutschsprachigen Raum

Um den bio-veganen Landbau auch im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen, hat sich Ende der 1990er Jahre der österreichische Verein BioVegaN gegründet. Dieser Verein betrieb die Internetseite biovegan.org, gab bis 2005 die Hefte Regenwurm – Die Zeitschrift für Bio- und Vegan-Interessierte heraus und kooperierte eng mit dem englischen VON. BioVegaN ist heute nicht mehr aktiv und hat die Regenwurm-Hefte und die Internetdomain der Veganen Gesellschaft Österreich übertragen, welche deren Nutzung dem heute länderübergreifenden Biologisch-Veganen Netzwerk (BVN) überlässt, das sich Anfang 2001 in Deutschland gegründet hat.
Während das VON bereits eigene Standards für den Anbau entwickelt hat, um möglichst vielen kommerziellen Erzeuger*innen Richtlinien an die Hand zu geben, mit deren Hilfe sie ihren Betrieb auf eine bio-vegane Produktion umstellen und die so erzeugten Produkte über ein eigenes Label, das Stockfree Organic Symbol, vermarkten können, ist der bio-vegane Anbau im deutschsprachigen Raum bisher noch nicht sehr bekannt, und es dürften kaum mehr als eine Handvoll Betriebe sein, die nach den Richtlinien des VON wirtschaften.

Pflanzen als Nährstofflieferanten in der Landwirtschaft

Wie aber kann ein Anbau gestaltet werden, der ganz ohne tierliche Düngemittel auskommt und bei dem keine Tiere absichtlich getötet werden? Vor allem in Zusammenhängen rund um die Öko-Landwirtschaft schlägt einer*m bei Erwähnung des bio-veganen Landbaus starke Skepsis entgegen. Sehr hartnäckig hält sich beispielsweise die Behauptung, Bio-Landwirtschaft sei ohne tierliche Dünger nicht möglich, und es wird so dargestellt, als gäbe es alternativ nur Kunstdünger. Die Tiere seien nötig, um den Nährstoffkreislauf zu schließen, da nur sie Gras und Kräuter verwertbar machen würden und ihr Dung zur Düngung notwendig sei. Dem ist zu antworten: Klar geht es auch ohne Tierhaltung und -mist! Wie funktioniert denn der natürliche Nährstoffkreislauf? Pflanzen wachsen mit Hilfe von Sonnenlicht, Wasser (Regen) und Kohlendioxid, aus dem sie Kohlenstoff bilden. Weiterhin brauchen sie Stickstoff aus der Luft und Mineralien aus dem Boden, die sie jeweils mit Hilfe der Bodenorganismen aufschließen. Aus abgestorbenen Pflanzenteilen ernähren sich die unzähligen Bodenlebewesen: Zunächst werden die organischen Substanzen von Bodentieren wie Regenwürmern, Käfern und Milben zerkleinert und anschließend von Mikroorganismen wie Bakterien und Pilzen in Humus umgewandelt. Durch die Bodenbearbeitung wird auf Ackerflächen Humus abgebaut und die darin enthaltenen Nährstoffe werden schließlich wieder von den Pflanzen aufgenommen. Für diesen Kreislauf werden „Nutztiere“ überhaupt nicht benötigt, vielmehr hängen sie von ihm ab. Sie essen die Pflanzen und scheiden nur einen Bruchteil der in den Pflanzen enthaltenen Nährstoffe wieder aus. Den anderen Teil brauchen sie für ihr Wachstum und ihre Körperfunktionen. Dabei produzieren sie Wärme sowie klimaschädliche Atmungs- und Verdauungsgase.

Bild von mit Gras gemulchten Pflanzenreihen (vor allem Spinat)

Humus kommt von Pflanzen

Anstatt also die Nährstoffe zu verfüttern und die nährstoffreduzierten Ausscheidungen zum Düngen zu nehmen, können sie den Nahrungspflanzen auch gleich zur Verfügung gestellt werden. Hierfür kommen mehrere Möglichkeiten in Frage: Gründüngung (das heißt: Anbau von Gras, Klee, Luzerne oder anderen Grünpflanzen, die den Boden bedecken und Blattmasse und Stickstoff verfügbar machen), pflanzenbasierter Kompost, Terra Preta oder Mulch. Auch Ackerbohnen oder Lupinen können zu Schrot vermahlen und an beliebiger Stelle zur Düngung verwendet werden, anstatt im Futter zu landen. Diese Möglichkeiten werden im Bio-Anbau bereits verwendet, aber bisher meist nur in Ergänzung zum Tiermist. Apropos Tiermist: Auch das kohlenstoffreiche Stroh aus dem Getreideanbau findet im bio-veganen Anbau Verwendung – anstatt als Einstreu, kann es als Mulch dienen.
Um keinen langfristigen Rückgang des Humusgehalts und damit einen Verlust an Bodenfruchtbarkeit zu bewirken, muss beständig eine ausreichende Zufuhr an organischer Substanz in den Boden erfolgen. Im Bio-Anbau wird dazu meist der strohreiche Mist von „Nutztieren“ verwendet.
Dass „vieh“los wirtschaftende Betriebe oft eine abnehmende Bodenfruchtbarkeit aufweisen, hängt mit einer nicht ausreichend ausgefeilten Anbaugestaltung zusammen. Dort wird die gemähte Gründüngung meist als Futter an tierhaltende Betriebe gegeben, oder der Grünschnitt wird vor Ort liegen gelassen. Stattdessen könnte der Kleegrasschnitt auf betriebseigenen Flächen sinnvoll genutzt werden, etwa zu Heu getrocknet und anschließend ebenfalls als Mulch verwendet, mit anderen Pflanzenresten zu Kompost verarbeitet oder als Häcksel in den Boden eingearbeitet werden. Damit würden die darin angereicherten Nährstoffe dem Boden direkt zugeführt, ohne den verlustreichen Umweg über das Tier zu gehen. Diese Verfahren wurden in den letzten Jahren im Rahmen der agrarwissenschaftlichen Forschung zu „vieh“losem Ackerbau weiterentwickelt und sind zum Teil schon praxisreif[5] Im bio-veganen Anbau werden sie auf einzelnen Betrieben bereits seit Jahrzehnten umgesetzt. Mit besserer landwirtschaftlicher Beratung und mit Verbreitung von angepassten Methoden könnte der „vieh“lose Ackerbau verbessert werden, und auch der bio-vegane Anbau könnte von den neuen Erkenntnissen profitieren.

Umgang mit „Schädlingen“

Ein einseitiges Auftreten von Schadinsekten wird im bio-veganen Anbau als Zeichen eines nicht vorhandenen Gleichgewichts zwischen „Schädlingen“ und ihren Gegenspielern gesehen, und es werden Überlegungen nach dem Grund dafür angestellt, zum Beispiel eine zu einseitige Anbaugestaltung. Die Grundannahme ist, dass Vielfalt Stabilität schafft und Risiken vermeidet. Im Gegensatz zum konventionellen (und in Teilen dem ökologischen) Ansatz, wo Insektizide sowohl die nützlichen als auch die Schadinsekten töten, versucht der systembasierte bio-vegane Ansatz ein Verständnis für die vielfältigen Interaktionsnetzwerke zu entwickeln. Beispielsweise ist die vollständige Auslöschung von Schadinsekten gar nicht wünschenswert, da andere Insekten auf sie als Nahrung oder Brutstelle angewiesen sind und ohne sie nicht überleben könnten. Oder das Beispiel Schnecken. Abseits von Schneckenkorn oder anderen Tötungsansätzen bietet der Systemansatz mehrere Möglichkeiten: Kurzfristig zum Beispiel das regelmäßige Hacken des Bodens und langfristig die Förderung der natürlichen Gegenspieler. Ein Teich lässt Molche ansiedeln, langes Gras zieht Blindschleichen an, und Haufen von Blättern und Zweigen bieten Igeln ein Versteck. Tausendfüßler und Käfer essen Schneckeneier, deshalb sollten sie mit Unterschlupfmöglichkeiten und Streifen von Wildpflanzen gefördert werden. Im bio-veganen System sind also Wildtiere und -pflanzen explizit erwünscht.

Flächenumnutzung und mehr Raum für Natur und Wildtiere

Blühstreifen auf dem Gärtnerhof Bienenbüttel

Heute wird ein Großteil der Ackerfläche für die Tierhaltung benutzt. In Deutschland werden zur Zeit rund 61 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche für die Erzeugung von Futtermitteln landwirtschaftlicher „Nutztiere“ verwendet. Das sind in absoluten Zahlen rund 10,4 Millionen Hektar, von denen knapp die Hälfte aus Wiesen und Weiden besteht.[6] Von Kritiker*innen kommt immer wieder das Argument, Landwirtschaft ganz ohne Tierhaltung sei nicht erstrebenswert, weil dadurch alte Kulturlandschaften wie zum Beispiel die Heide oder die Alpenwiesen verschwinden würden. Auch sei die Artenvielfalt auf extensiv bewirtschafteten Grünflächen am höchsten und nehme mit fortschreitender Sukzession[7] ab,[8] was für eine extensive Beweidung spreche. Zunächst: Durch eine Verbreitung der vielseitigen, veganen Ernährung und einen entsprechenden Landbau würde sich die Kulturpflanzenvielfalt auf unseren Äckern enorm erweitern. Die Landschaft würde ganz im Gegensatz zu Mais-, Raps- und Getreidewüsten wieder bunt werden. Unter anderem Sonnenblumen, Lein, Buchweizen, Hanf, Erbsen, Bohnen, Linsen, Mohn und vielfältigstes Gemüse würden die Äcker bewachsen. Auch Grünland hätte seinen Platz. Es könnte Mulch und Rohstoffe zur Kompostierung liefern, mit Nuss- und Obstbäumen oder schnell wachsenden Gehölzen bepflanzt werden, die ökologische Nischen schaffen und ebenfalls Energie liefern. Das Gras könnte zudem in Biogasanlagen zur Strom- und Wärmeproduktion genutzt werden. Auch der Natur und den Wildtieren, die durch Kulturflächen und Weiden weitgehend verdrängt wurden, könnte wieder mehr Raum gegeben werden. Besonders in den Fällen, in denen der Anbau von Nahrungspflanzen schwierig ist, etwa auf steilen Bergwiesen, wäre zu überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, das Grünland der Natur zurückzugeben. Auch wiederkäuende Wildtiere wie Rehe, Mufflons, Rothirsche oder Wisente nutzen Gras als Nahrung, halten dadurch die Landschaft ein Stück weit offen und begrenzen somit die Verbuschung und Wiederbewaldung. Und das tun sie um so mehr, je weniger Jagddruck oder andere Stressfaktoren sie in den Wald flüchten lassen.

Argumente, dass der Kontakt zu „Nutztieren“ und die Erhaltung der Kulturlandschaft erstrebenswert seien, zeigen vor allem eine anthropozentrische Sichtweise sowie das Bedürfnis, an dem Bestehenden festzuhalten, anstatt fantasievoll die Möglichkeiten in der Utopie zu sehen. Zynisch ausgedrückt: Ist es wirklich pädagogisch wertvoll oder erstrebenswert, eingesperrte Tiere anzugucken, die dem Streichel- und Kontaktbedürfnis der Menschen so lange ausgeliefert sind, bis sie letztlich doch umgebracht werden? Mal angenommen, Tiere würden nicht mehr mutwillig als „Schädlinge“ oder bei der Jagd getötet, und größere Flächen stünden den wildlebenden Tieren zur Verfügung. Dann könnte sich eine intensivere und gleichberechtigtere Form des Kontakts zwischen Menschen und wildlebenden Tieren ergeben. Kulturlandschaften haben sich im Laufe von gesellschaftlichem Wandel immer verändert – deshalb werden sie auch so genannt. In einer veganen Gesellschaft würden sie sich weiter verändern, was auch sehr bereichernd sein kann.

Wie verbreitet ist der bio-vegane Anbau?

Explizit bio-vegan wirtschaftende Höfe gibt es im deutschsprachigen Raum und weltweit bisher nur wenige. In Deutschland[9] und den USA sind es je etwa zehn bio-vegan wirtschaftende Betriebe, die in einem der Netzwerke assoziiert sind, in Kanada etwa fünf, in Großbritannien und Frankreich je vier, in Österreich zwei und in Irland, Spanien, Hawaii und Neuseeland je etwa einer.[10] Hinzu kommen viele kleine und größere Selbstversorger*innenprojekte, deren Zahl seit einigen Jahren ansteigt.
Faktoren, die den bio-veganen Landbau erschweren, sind zum einen agrarpolitische Erschwernisse, die den Biolandbau allgemein betreffen, wie die Subventionspolitik, die vor allem Großbetriebe fördert, oder fehlender Zugang zu Anbauflächen. Viele Betriebe haben kein Interesse, die vegane Zielgruppe anzusprechen, was neben der fehlenden ethischen Motivation vielleicht auch an der zu geringen Nachfrage liegt. Auf der Nachfrageseite besteht vor allem ein Informationsdefizit – hier sind die Veganverbände und einzelnen (Tierrechts-)Gruppen aufgerufen, Aufklärungsarbeit zu leisten und über die veganen Anbaumethoden zu berichten.

Es gibt einzelne Betriebe, die bereits seit Jahrzehnten bio-veganen Anbau betreiben, aber insgesamt ist die Erfahrung auf diesem Gebiet bislang noch sehr begrenzt. Der Anbau ist an jedem Standort unterschiedlich; es gibt kein allgemeingültiges Rezept. Bis sich ein funktionierendes Anbausystem eingestellt hat, muss über Jahre hinweg einiges ausprobiert werden. Das Anlegen von Hecken und Baumreihen beispielsweise ist mit viel Arbeit und Kosten verbunden; außerdem ist dadurch weniger Fläche für den Anbau vorhanden. Für einen Betrieb muss sich das bezahlt machen, da die gesamte Landwirtschaft den kapitalistischen Marktgesetzen ausgesetzt ist. Dies macht es oft schwierig, die Grundideen auch umzusetzen, und bietet wenig Spielraum, mit neuen Anbauverfahren zu experimentieren. Um einen Ausweg zu schaffen, umfasst das bio-vegane Konzept auch alternative Wirtschaftswege, beispielsweise die solidarische Landwirtschaft, bei der sich Gärtner*innen und Begärtnerte in einer Kooperation zusammenschließen und damit ein Stück unabhängig von den Marktpreisen machen.

Den bio-veganen Landbau fördern!

Allen Interessierten – ob Erzeuger*innen oder Verbraucher*innen – stellt das BVN die bio-veganen Standards des VON in übersetzter Fassung auf seiner Internetseite zur Verfügung. Diese umfassenden Richtlinien sind so angelegt, dass möglichst viele Höfe sich an einer Umstellung auf die bio-vegane Wirtschaftsweise beteiligen können. So gibt es neben verbotenen und empfohlenen Betriebsmitteln und -methoden auch solche, die zulässig oder nur eingeschränkt zulässig sind, damit Betriebe, die noch nicht alle Idealvoraussetzungen erfüllen, nicht an einzelnen Punkten scheitern müssen.

Es gibt viele Möglichkeiten, an einer Verbreitung und Förderung des bio-veganen Anbaus mitzuwirken. Fragt Gärtnereien in eurer Umgebung, wie sie düngen und ob sie vegane Alternativen einsetzen können! Informiert andere darüber, dass bio-veganer Anbau möglich ist und erzählt von den Vorteilen! Schreibt Leser*innenbriefe, wenn wieder einmal alte Mythen aufgetischt werden! Oder experimentiert selbst mit bio-veganem Anbau im Garten oder auf dem Balkon. Auf der Homepage des BVN findet ihr weitere Möglichkeiten, euch einzubringen. Kommt ins Forum oder schreibt uns eine Mail. Wir freuen uns über Kommentare, Ideen und Menschen, die mitmachen wollen!

Das Biologisch-Vegane Netzwerk
Inspiriert vom Vegan Organic Network gründete sich 2001 in Deutschland das Biologisch-Vegane Netzwerk. Ziel war und ist die Verbindung der Ideale des Veganismus mit denen des Ökologischen Landbaus zur Förderung und Entwicklung einer nachhaltigen landwirtschaftlichen Lebensmittelproduktion ohne Tierausbeutung. Zu diesem Zweck wurden bereits Hofbefragungen durchgeführt und die bio-veganen Anbaurichtlinien aus England übersetzt. Auf der neu aufgelegten Webseite biovegan.org finden sich im „Infopool“ vielfältige Informationen rund um den bio-veganen Land- und Gartenbau und die FAQs – unter anderem mit Tipps, wie jede*r Einzelne die bio-vegane Idee verbreiten kann. Es gibt ein Forum für den Austausch von Praktiker*innen und anderen Interessierten, ferner können Blogartikel geschrieben und per Newsletter abonniert werden. Über eine Mailingliste wird über Termine, Anfragen und neue Mitglieder informiert und werden aktuelle Themen diskutiert. Für die Zukunft ist auch eine Netzwerkkarte angedacht, auf der regionale Einkaufsmöglichkeiten, Erzeuger*innen, (andere) Selbstversorger*innen und Gemeinschaftsgärten zu finden sein werden.

Biologisch-Veganes Netzwerk (BVN)
www.biovegan.org
biovegan-de@lists.riseup.net

Fußnoten:

  1. [1] Der Begriff „Vieh“ wird im speziesistischen Sprachgebrauch abwertend benutzt. Er hebt die Sicht auf die Tiere als rein ökonomische Faktoren hervor. Der Begriff „viehloser Landbau“ ist verbreitet und beschreibt eine Betriebsführung, die aus wirtschaftlichen und/oder betriebsorganisatorischen Beweggründen geleitet ist. Der bio-vegane Anbau geht in seinen Anforderungen weit darüber hinaus und ist zudem ethisch motiviert.
  2. [2] Fruchtfolge bezeichnet die zeitliche Aufeinanderfolge unterschiedlicher Kulturpflanzen auf einer bestimmten Fläche.
  3. [3] Die Grundlage für den Anbau und die Verarbeitung aller in der Europäischen Union gehandelten Bio-Produkte ist heute die „EU-Verordnung zum Ökologischen Landbau“ von 2007. Darüber hinaus sind viele landwirtschaftliche Betriebe und verarbeitende Unternehmen einem der Bio-Verbände angeschlossen. Diese Anbauverbände haben oft einen unterschiedlichen historischen Hintergrund oder sind regional beziehungsweise produktspezifisch ausgerichtet. In Deutschland sind Bioland, Biopark, Naturland und Demeter die größten Anbauverbände, wobei Demeter als Verband der sogenannten bio-dynamischen Wirtschaftsweise eine anthroposophische Grundlage hat (in der TIERBEFREIUNG findet ihr auch „Eine kurze Kritik der Anthroposophie“). Die EU-Verordnung stellt eine Minimalforderung dar und wird oft auch als „Öko-light“ bezeichnet, da die Vorgaben oft hinter denen der Bio-Verbände zurückliegen.
  4. [4] Landreform bedeutet eine Änderung des Zugangs zu Landnutzungsrechten, oft ist damit eine gleichmäßigere beziehungsweise „gerechtere“ Verteilung der Landflächen und die Umverteilung der Landflächen von Großbetrieben auf viele Menschen gemeint.
  5. [5] Siehe dazu „Gründüngung mal anders“ im Bioland-Fachmagazin 02/2011, http://archiv.bioland.de/fileadmin/bioland/file/verlag/Zeitschrift/leseprobe.pdf“.
  6. [6] Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bärbel Höhn, Hans-Josef Fell, Cornelia Behm, Ulrike Höfken und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 16/4930 – 14. Mai 2007 – Frage 41, http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/16/049/1604930.pdf.
  7. [7] Sukzession bedeutet: Verbuschung und Übergang zum Wald.
  8. [8] Gottfried Briemle (2006): „Landschaftsökologisch sinnvolle Mindestpflege von artenreichem Grünland und dessen erfolgsorientierte Bewertung“. In: Karin Reiter, Andreas Schmidt und Ursula Stratmann (Bearbeitung): … Grünlandnutzung nicht vor dem 15. Juni … Sinn und Unsinn von behördlich verordneten Fixterminen in der Landwirtschaft. BfN-Skripten 124, 2004, Seite 33 bis 56, www.bfn.de/fileadmin/MDB/documents/skript124.pdf. Briemle schreibt auch „Fachartikel“ über „Die Bedeutung der Astrologie aus der Sicht der Geisterwelt.“ Ob dies seine fachliche Kompetenz auf dem Gebiet der Grünlandwissenschaften einschränkt, können wir nicht einschätzen.
  9. [9] Würden die bio-veganen Standards zugrunde gelegt, wäre diese Anzahl vermutlich kleiner. Von einer neu gegründeten Interessengruppe wird demnächst die alte Liste der vegan wirtschaftenden Betriebe erweitert beziehungsweise überarbeitet werden.
  10. [10] Siehe dazu: www.vegeculture.net, www.goveganic.net, www.veganorganic.net, auch nach eigenen Quellen.

Vor 21 Jahren: Brandanschlag in Solingen

eine von vier Ausgaben der Lotta bekommt ihr heute gratis mitgeschickt

Der Brandanschlag in Solingen war nicht der erste Übergriff auf Geflüchtete und Migrant*innen im gerade neu vereinten Deutschland – denken wir nur an Hoyerswerda 1991 oder Rostock-Lichtenhagen und Mölln 1992. Und er blieb leider auch danach nicht der letzte.
Der Solinger Anschlag, bei dem fünf Menschen starben, markiert auf  furchtbare Weise einen entscheidenden Einschnitt in das Grundrecht auf Asyl – bzw. seine faktische Abschaffung, die erst drei Tage vorher im Bundestag beschlossen worden war. Allerdings wurde das Asylrecht schon seit den 1970er Jahren immer weiter augehöhlt, durch Vismumspflichten, Residenzpflicht, Neuinterpretation des Gesetzes etc. …
Die Hetzstimmung gegen Geflüchtete durch Medien und Politik, gepaart mit Anschlägen durch extrem Rechte (zwischen 1991 und 1993 laut „Lotta“ über 4.700 Stück) ergänzten sich gut, sollte doch vermeintlich die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl die Gewalt eindämmen (wie perfide …). Dabei konnten sich die Rechten ja erst recht bestätigt fühlen …

Gegenwärtig sehen wir uns wieder mit einer Welle von Angriffen auf Geflüchtetenunterkünfte konfrontiert. Die Amadeu Antonio Stiftung zählte allein bis Anfang März 21 Angriffe auf solche Einrichtungen, 13 davon Brandanschläge. Dazu kommen zahlreiche Demonstrationen gegen Geflüchtete, die meist von organisierten Rechten und Kameradschaften, direkt oder indirekt, angemeldet wurden. Die Ressentiments, Vorurteile und teilweise offen ausgelebter Hass gegen Asylsuchende ist nicht nur ein Problem der rechten Schläger*innen, sondern auch in weiten Teilen der Gesellschaft verbreitet. An diese menschenfeindlichen Einstellungen konnten die Rechten immer öfters erfolgreich andocken.
Wir möchten euch ans Herz legen: Beschäftigt euch mit der Thematik, geht auf die Straße gegen Rechte, bekämpft Ressentiments in der Gesellschaft. Es gibt zweifellos mehr als eine antifaschistische Zeitschrift, die lesenswert ist, wir möchten euch diesmal die Lotta ans Herz legen. Jeder Bestellung im deutschen Shop legen wir heute ein Probeexemplar der Lotta bei (eine der oben abgebildeten Ausgaben). In der Ausgabe #50 geht es übrigens konkret um den Anschlag in Solingen. Auch weil wir solche Magazine als Informationsquelle wichtig finden, möchten wir euch ermutigen, sie (auch testweise) zu abonnieren.
Vielen Dank an die Redaktion der Lotta, die uns hierfür die Hefte zur Verfügung gestellt hat!

Wir feiern den Tag der Befreiung …

8. Mai - Tag der Befreiung. Wir gedenken den Opfern  des deutschen Vernichtungskriegs. Und ganz nebenbei bekommt ihr heute 20 % auf unsere Antifa-Artikel.

Naja, feiern ist ein wenig viel gesagt, denn die Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft geschah weder aufgrund von Widerstand in Deutschland, noch war sie die Befreiung von Nazis oder Faschismus an sich.
Vor allem ist es für uns ein Tag, um der Opfer dieser Gewaltherrschaft, der Kriegs-, Besatzungs- und Vernichtungspolitik, zu gedenken: Jüdinnen*Juden, Roma und Sinti, Menschen mit Behinderung, Homosexuelle, Zwangsarbeiter*innen, politisch Andersdenkende, Kriegsgefangene und viele mehr. In diesem Sinne meint “Befreiung” nicht die Befreiung eines herbeihalluzinierten “armen deutschen Volkes”, das Hitler zum Opfer gefallen sein soll, sondern die Befreiung all jener, die noch in den Konzentrations- und Arbeitslagern lebten, aller politisch Verfolgten und politischen Häftlinge, sowie der Menschen in den überfallenen Gebieten…
Außerdem ist es trotz unseres Wunsches nach einer Welt ohne Militär/Militarismus ein Tag des Dankes an die Soldat*innen der Allierten (auch wenn es ihnen sicherlich nicht nur um die Bekämpfung des Faschismus oder gar des Antisemitismus ging…), antifaschistische Partisan*innen, Widerstandskämpfer*innen in Konzentrationslagern und Ghettos, antifaschistische Untergrundaktivist*innen usw., die letztlich die deutsche Kapitulation herbeigeführt haben.
Wie schon angedeutet, haben sich die Nazis 1945 nicht in Luft aufgelöst, sondern sind nach wie vor unter uns, nicht nur als Aktive in rechten und rechtspopulistischen Parteiorganisationen sondern auch als Erzieher*innen im Kindergarten um die Ecke. Und dabei können sie mühelos an Ressentiments der sogenannten “Mitte der Gesellschaft” anknüpfen…
Wenn ihr eure Antifaschistische Gesinnung nach außen tragen wollt, haben wir übrigens ein paar Antifa-Artikel für euch reduziert. Das ersetzt keine engagierte Gesellschaftsanalyse und -kritik, ist aber immerhin ein Anfang.

Tierbefreiung goes Blockupy

tierbefreiung_blockupyEin Termin, der sich leider auf dem Weg in den Newsletter verirrt hat, aber schon relativ bald ansteht: Tierbefreiung goes Blockupy.
Das Bündnis ruft dazu auf, sich 2014 wieder bei Blockupy zu engagieren, denn die Proteste gegen Kapitalismus, Ausbeutung, Ausgrenzung und Verelendung bieten auch für die Tierrechts- und befreiungsbewegung Anknüpfungspunkte. Dabei sollen vier Ziele erreicht werden: die Befreiung der Tiere zu einem Teil der Blockupy- und linker Kämpfe machen, eine kritische Gesellschaftsanalyse in die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung tragen, Schnittmengen mit den Zielen der radikalen Linken herausarbeiten und eine emanzipatorische Gesellschaftskritik formulieren sowie für eine Veränderung kämpfen (genauer findet ihr’s im Aufruf).

Termine
15. Mai: Pro­tes­te zum Jah­res­tag der spa­ni­schen 15M-​Be­we­gung sowie gegen den EU-​Gip­fel in Brüs­sel
16. Mai: lo­ka­le Ak­tio­nen in zahl­rei­chen Städ­ten in Eu­ro­pa
17. Mai: grö­ße­re Pro­tes­te in den vier deut­schen Städ­ten Ber­lin, Ham­burg, Düs­sel­dorf und Stutt­gart
vom 15. bis 25. Mai: de­zen­tra­le Pro­tes­te der Tier­be­frei­ungs­be­we­gung gegen die Fleisch­in­dus­trie

Stellungnahme zu Demo-Aufruf gegen FineFood Emsdetten

Keine oder ungültige Arbeitsverträge.

Ungültige Krankenversicherung.

7-Tage-Schichten, 10-18 Stunden am Tag. Zwang zu Überstunden.

Löhne, die nur dann den Mindestlohn erreichen, wenn Akkord- und “Anwesenheitsprämien” hinzugerechnet werden.

Keine Hilfe bei Verletzungen, keine/unzureichende Arbeitsschutzkleidung.

Kontrollen, Beleidigungen, Einschüchterungen durch Vorarbeiter.

Spinte werden vom Vorarbeiter in Abwesenheit durchsucht.

Wer bei der Arbeit redet, riskiert eine Strafe von 50 €, wer wegen Krankheit fehlt, 50-100 €.

Verletzte und kranke Arbeiter*innen werden ohne Geld und Versorgung in ihr Heimatland transportiert.

Von der Firma gestellte “Wohnungen”: dringend sanierungsbedürftig, zerbrochene Scheiben, alte Elektrik und Wasserleitungen. Bis zu 14 Menschen in kleinen 3-Zimmer-Wohnungen. Bis zu drei Menschen in einem Bett, die sich nicht kennen und teilweise nicht die gleiche Sprache sprechen. Miete für die Wohnung: 980 €.

Diese ist eine kurze Beschreibung der Arbeitsverhältnisse in einer Tierzerteilungsfabrik in Emsdetten.

Tierliche UND menschliche Opfer – die Fleischindustrie gehört abgeschafft!

Am 15.03.2014 findet in Emsdetten, nicht weit von Münster, eine Soli-Demo gegen die ausbeuterischen Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie statt http://antiraems.blogsport.de/soli-demo-15-03-2014/. Die Forderungen der Veranstalter*innen wurden in den letzten Wochen von uns sehr kontrovers diskutiert. Einige lehnen diese komplett ab, anderen gehen sie nicht weit genug, da sie das mörderische System der Tierausbeutung nicht als Ganzes hinterfragen und die größte Zahl der Opfer, die millionenfach ermordeten Tiere, unerwähnt bleiben. Dennoch erachten wir es als notwendig, sich auch mit der Menschen verachtenden Seite der Fleischindustrie auseinanderzusetzen.

Über die oben angerissenen Zustände in Emsdetten könnt ihr euch hier genauer informieren: http://antiraems.blogsport.de/taubenstrasse/

In ihrem Buch “Warum wir Hunden lieben, Schweine essen und Kühe anziehen” zitiert die US-amerikanische Psychologin Melanie Joy beispielsweise erschreckende Interviewausschnitte von Arbeitern in der Fleischindustrie, in denen deutlich wird, welch psychischer Belastung diese ausgesetzt sind:

“Das Schlimmste, schlimmer als die körperliche Gefahr, ist der emotionale Preis, den man zahlt. Wenn man eine Zeitlang als Stecher arbeitet, entwickelt man eine Einstellung, mit der man töten, aber nichts mehr empfinden kann. Da schaut man dann vielleicht einem Schwein in die Augen, das unten im Tötungsbereich bei einem herumläuft, und denkt sich: “Gott, sieht doch eigentlich ganz nett aus, das Tier.” Man möchte es vielleicht sogar streicheln. Im Schlachtbereich sind Schweine zu mir hergekommen, die haben mich beschnuppert wie ein kleiner Hund. Zwei Minuten später musste ich sie töten […]. Ich empfinde dabei nichts mehr.” Joy (2010), 94

Die Arbeiter*innen in der Fleischindustrie haben sich in ein zerstörerisches Umfeld begeben – für sich und für die Tiere. In der Hoffnung und Notwendigkeit, Geld zu verdienen, lässt sich ein Großteil von ihnen aus Osteuropa anwerben. Sie wohnen – wie Emsdetten zeigt –  in notdürftigen Unterkünften, werden ausgebeutet und sind einem physisch wie auch psychisch belastenden Arbeitsalltag ausgesetzt. Die meisten kennen ihre Rechte nicht – sie sind der Landessprache nicht mächtig und werden sicherlich auch nicht über diese aufgeklärt. Oft handelt es sich bei den Angestellten in Fleischfabriken zusätzlich um illegalisierte Einwander*innen, die aufgrund ihres Aufenthaltsstatus noch einfacher auszubeuten sind und sich nicht bei “offiziellen Stellen” beschweren können.

Die Fleischindustrie ist ein mörderisches und lebensverachtendes Gewerbe, das von Menschen geschaffen wurde und von Menschen auch wieder abgeschafft werden muss!

Das Team vom Antitierbenutzungshof hört auf

Banner des Antitierbenutzungshofes

Der Antitierbenutzungshof sucht Menschen, die ihn in einem antispeziesistischen, abolitionistischen Sinn weiterführen wollen, ohne dabei andere Unterdrückungs- und Ausbeutungsformen, die das patriarchale, sexistische, rassistische, kapitalitische System hervorbringt, zu vergessen! Das derzeitige „Hofteam“ hört leider auf.
„Es muß ein Team von mindestens zwei Personen sein, das den Hof schmeißt, da mind. eine Person Lohnarbeit machen muß, da manche Dinge nur mit Hilfe erledigt werden können, da das Leben als EinsiedlerIn i.d.R. zu belastend ist, …
Etwa 700 € müssen von den zukünftigen BetreiberInnen monatlich zum Hofbetrieb aus privaten Mitteln beigesteuert werden, dazu kommen die eigenen Lebenshaltungskosten. Die Hofrate und die Wiesenrate würden wir dauerhaft weiterzahlen, so daß mietfreies Wohnen mit Wohnrecht, solange die Tiere gut versorgt werden, hier gegeben ist.
Für eine flexibel gestaltbare Übergabezeit mit Einweisungen, Besprechungen usw. können ehemalige HofbetreiberInnen zeitweise noch auf dem Hof mitwohnen und mitmachen.“

Bitte teilt dieses Gesuch an Menschen und Kreise, von denen ihr denkt, dass sie zum Antitierbenutzungshof passen.

+++ UPDATE 04.02.2014: Es sieht alles danach aus, dass Johannes, Daniels Bruder, den Hof übernehmen wird. Wir sind gespannt, wie sich das Projekt nun entwickeln wird. Den Zuschuss von 100 € im Monat erhalten wir zunächst aufrecht. +++

Wir werden die Tiere nicht durchs Shoppen befreien

La_Vita_01_2013

In der aktuellen Ausgabe der La Vita fiel uns ein Artikel ins Auge, von dem wir dachten, dass er es durchaus verdient hat, von mehr Menschen gelesen zu werden als nur denen, die die La Vita kaufen. Sicherlich ist es wichtig, die vegane Lebensweise bzw. „vegan lifestyle“ zu promoten, aber wenn unsere Aktivitäten sich darin erschöpfen, das neueste vegane Produkt zu hypen und uns nen Ast abzufreuen, wenn es Wilmersburger im Reformhaus um die Ecke gibt, ist das schon ein wenig traurig. Wir halten Lebenshöfe für einen wichtigen Teil der Bewegung. Sie zeigen, wie es anders gehen kann, nehmen Tiere aus Tierbefreiungen auf oder solche, die gefunden, freigekauft etc. werden. Das kostet leider auch viel Geld und es wäre schön, wenn sich mehr Menschen entscheiden würden, Lebenshöfe zu unterstützen – mit Geld, Sachspenden, Mitarbeit …


Veganer Lifestyle, Tierbefreiung und Lebenshöfe

Infostand von Free Animal auf einem veganen Straßenfest

Im letzten Jahr hat Free Animal an mehreren veganen Events und Straßenfesten teilgenommen. Neben positiven Erlebnissen ist leider eine Menge Frust über die Resonanz auf unsere Infostände zurückgeblieben. Auf veganen Märkten geben die Besucher*innen viel Geld für kommerzielle Produkte aus, aber am Infostand werden wir immer wieder gefragt, ob „der Aufkleber“ umsonst sei, dass die „La Vita“ etwas kostet, löst Verwunderung aus, selbstgemachte Pralinen, die wir verkaufen, werden gern probiert und auch für gut befunden, aber einige Euro für eine Tüte auszugeben, scheint nicht drin zu sein. Wir fragen uns, wohin der Tierbefreiungsgedanke und mit ihm auch die Lebenshöfe steuern. Drohen die Befreiung der Tiere als politischer Kampf und eventuell die Tiere gleich mit im großen bunten „vegan lifestyle“ unterzugehen?

Das Bewusstsein für Lebenshöfe als Projekt der gesamten Tierbefreiungsbewegung fehlt unserer Einschätzung nach oftmals. Einige Leute müssen die Höfe betreiben und vor allem die praktische Arbeit machen, aber alle sollten sich mit dafür verantwortlich fühlen und die Höfe auch finanziell unterstützen. Es nützt nichts, wenn wir am Infostand zu hören kriegen „toll, was ihr(!) da macht“, „finde ich super, dass es sowas gibt“. Vielmehr ist es nötig, dass diejenigen, die dies äußern, auch einfach mal ein paar Euro für die Lebenshöfe geben. Das ist leider alles andere als selbstverständlich. Die Tiere müssen essen, sie brauchen Einstreu, tierärztliche Behandlungen, Hufpflege, Ställe müssen ausgebessert werden etc. Und das kostet leider viel Geld. Wenn ein Stoffbeutel am Stand 4,50 kostet, liegt das daran, dass der „Gewinn“ eben dringend für die Höfe benötigt wird. Bei veganen Events nehmen BesucherInnen ohne mit der Wimper zu zucken hin, dass sie 6 Euro für den Döner auf den Tisch legen müssen und versuchen nicht zu handeln, weil man eben weiß, kein Geld, kein Döner. Bei uns aber wird gedruckst und gezögert und versucht, doch noch einen Aufkleber oder Button umsonst rauszuschlagen.

Eine weitere Erkenntnis, die wir – nicht nur – von den Veganevents des letzten Jahres mitgenommen haben: Mit Veganismus kann man sich beschäftigen, ohne „Tiere“ überhaupt zu erwähnen. Unreflektiert machen auch vegan lebende Menschen das Vegansein zu einer reinen Lebensstilfrage, die gern auch mal versteckt wird, um unangenehmen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Zur Überwindung der Tierausbeutung trägt diese Taktik sicher nicht bei. Wie auch? Dadurch wird ja niemand angestoßen, gesellschaftliche Zustände und das Mensch-Tier-Verhältnis zu hinterfragen. Das vegane Würstchen ist dann eine weitere Variante neben dem aus Fleisch, aber dass andere überhaupt Fleisch essen, wird eben nicht als der Skandal benannt, der es ist.

Uns stellt sich die Frage, warum Menschen vegan werden, wie sie ihren Veganismus sehen, was sie als notwendig erachten, damit Tiere tatsächlich frei sein können und ihre Ausbeutung überwunden werden kann, und ob „Ausbeutung“ für die durchschnittlichen VeganerInnen eigentlich noch eine Kategorie ist. Bei all der schönen Diskussion ums vegane Kochen und Shoppen lässt sich nämlich wunderbar vergessen, dass Veganismus keine Lebenseinstellung an sich ist, sondern zumindest in der Vergangenheit die praktische Umsetzung einer viel umfassenderen politischen Notwendigkeit war: nämlich des Einstehens für die Rechte der Tiere und des Kampfes für ihre Befreiung aus der Ausbeutung durch den Menschen. Und dazu gehört sich mit dieser Ausbeutung auseinanderzusetzen, die dahinter stehenden Zusammenhänge und Strukturen zu verstehen und für ihre Überwindung zu streiten.

In unserer Gesellschaft wird alles zur Ware, so auch Veganismus und die vielen bunten veganen Produkte, über die wir uns alle freuen. Natürlich ist es angenehm, wenn man in jedem Supermarkt seine Soja- oder Getreidedrinks und Tofuburger bekommt. Fatal ist es jedoch, wenn man so naiv ist zu glauben, dies sei ein großer Fortschritt hin zu einer Gesellschaft, in der es den Tieren grundlegend besser ginge, oder zu meinen, diese Produkte würden aufgrund eines Bewusstseinswandels hinsichtlich der Tiere bei den Unternehmen angeboten. Genauso wie die Tiere, die als Schnitzel, Frühstücksjoghurt oder Bio-Ei im Supermarkt angeboten werden, lediglich Waren sind, deren einziger Zweck es ist, diejenigen, die die Unternehmen besitzen, reicher zu machen, sind auch vegane Produkte für die Produzenten ein Marktsegment, mit dem sich inzwischen Geld verdienen lässt und das darum gern mitgenommen wird. Warum sollte ein Hersteller oder eine Supermarktkette nicht auch Tofuwürstchen mit ins Angebot aufnehmen, wenn es sich lohnt? Dann liegen neben den Schweinewürsten eben auch solche aus Tofu oder Seitan im Regal. Man sollte jedoch nicht der irrigen Annahme unterliegen, dies hätte irgendetwas mit den Schweinen oder dem Tofu oder der Haltung der Supermarktkette gegenüber beiden zu tun. Sicher sind die kleinen veganen Unternehmen, bei denen ein, zwei Leute, die selbst TierrechtlerInnen sind, ein Geschäft oder Restaurant betreiben, etwas anderes. Aber deren Marktanteil ist gegenüber den großen Unternehmen verschwindend gering.

Tierbefreiung ist ein politischer Befreiungskampf und wie bei anderen Befreiungsbewegungen muss auch dieser Kampf öffentlich ausgetragen werden, die Befreiung der Tiere muss in, mit und auch gegen die Gesellschaft erstritten werden. Wir als Gesellschaft sind dafür verantwortlich, dass die Beherrschung der Tiere weiterhin besteht. Genauso können wir alle dazu beitragen, das Mensch-Tier-Verhältnis zu verändern. Und denjenigen, die die Realitäten der Tierausbeutung stützen, davon profitieren, aber auch denjenigen, die sie hinnehmen, müssen wir immer wieder genau diese Realitäten präsentieren und sie auffordern, ihr Handeln zu ändern. Leider gibt es viel zu viele VeganerInnen, die meinen, mit ihrem Lifestyle-Shopping-Vegansein sei alles getan. Mit veganen Mahlzeiten, die nur lecker genug sein müssen, veganen Supermärkten und dem Wunsch, nicht als „nervige“, „extreme“ VeganerInnen anzuecken, kann man jedoch keine Ausbeutungsverhältnisse verändern. Wir werden die Tiere nicht durchs Shoppen befreien, sondern nur durch einen grundlegenden Wandel im Bewusstsein, in der Gesellschaft und in unserem Wirtschaftssystem.

Dies alles ist nicht schön, ist nicht einfach, ist nicht spaßig. Es ist anstrengend, nervig, frustrierend, oft mit Ängsten, Verzweiflung und dem Gefühl, nicht mehr zu können oder zu wollen, verbunden. Manchmal wünscht man sich, dichtzumachen und Spaß daran zu haben, sein Leben im Einkaufszentrum zu verbringen. Aber eine andere Gesellschaft lässt sich nicht als Lebensstil mal so nebenbei mit erreichen. Die Befreiung der Tiere und eine Änderung der Verhältnisse, die Tiere milliardenfach das Leben kosten, erfordert politisches Denken und Handeln, setzt voraus, dass mensch sich über wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge informiert und hinter die schöne Fassade auch des veganen Shoppings und Lifestyles blickt.

Zur Unterstützung der Lebenshöfe kommen wir trotz alledem nicht umhin, aufs schnöde Geld zu schauen. Wie oben erwähnt, brauchen die dort lebenden Tiere Essen, medizinische Versorgung, ihr Zuhause muss instandgehalten werden, und all das ist nur gegen Geld zu haben. Dafür dass diese Tiere in Würde und mit der Freiheit, die unter den gegenwärtigen Bedingungen für sie möglich ist, bis an ihr natürliches Lebensende versorgt sind, sollten sich die gesamte Tierbefreiungsbewegung und auch alle anderen VeganerInnen verantwortlich fühlen. Warum ist es nicht selbstverständlich, dass jedeR BesucherIn des veganen Weihnachtsmarkts oder Street Day ein, zwei oder fünf Euro für die dort anwesenden Höfe und Projekte spendet, dass der Kuchen anstatt bei einem kommerziellen Stand an dem eines Vereins oder einer Initiative gekauft wird? Oder dass, wer sich das leisten kann, eine Patenschaft für ein Tier übernimmt oder regelmäßig spendet? Lebenshöfe sind schließlich auch ein Zeichen an diese Gesellschaft, in der Tiere kaum eine Überlebenschance haben. Ein Zeichen dafür, wie der Übergang zu einer Welt ohne Tierausbeutung aussehen könnte. Und dies gilt es zu stärken und weiterzuentwickeln. Vielleicht ist das nicht so bunt und spaßig wie vegane Events. Der Veganismus gewinnt sein Potential, die Verhältnisse so zu ändern, dass die Tiere irgendwann frei sein können – und es Lebenshöfe gar nicht mehr geben muss – jedoch nicht als Lifestyle, sondern nur als ein bewusster Bestandteil der Befreiung der Tiere.

Anke Guido
2. Vorsitzende
Free Animal e. V.

Dieser Artikel erschien zuerst in der La Vita 01/2013, der Zeitschrift von Free Animal e. V.

Logo von Free Animal

Free Animal wurde 1996 gegründet, um die wirtschaftliche Existenz von Lebenshöfen zu sichern, auf denen Tiere ihr Leben frei von Nutzung und Ausbeutung bis an ihr natürliches Ende verbringen können. Mittlerweile unterstützt Free Animal e. V. bundesweit sieben Lebenshöfe sowie weitere private Initiativen und Projekte. Über 450 Tiere haben dadurch bis an ihr Lebensende ein sicheres Zuhause, darunter Pferde, Ziegen, Schafe, Esel, Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Gänse und Tauben. Weitere Informationen über den Verein gibt es auf der Webseite www.free-animal.de und auf der Facebook-Seite von Free Animal.

Die Unterstützung der Lebenshöfe ist nur durch die finanzielle Hilfe der Mitglieder, SpenderInnen, PatInnen und Fördermitglieder von Free Animal e. V. möglich. Die Bankverbindung des Vereins lautet:
Nassauische Sparkasse Wiesbaden
BLZ: 510 50015
Konto 11 30 60 425
(IBAN: DE29 5105 0015 0113 0604 25, BIC: NASSDE55XXX)
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Free Animal e. V. ist als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Die Spende kann steuerlich geltend gemacht werden.