Wir werden die Tiere nicht durchs Shoppen befreien

La_Vita_01_2013

In der aktuellen Ausgabe der La Vita fiel uns ein Artikel ins Auge, von dem wir dachten, dass er es durchaus verdient hat, von mehr Menschen gelesen zu werden als nur denen, die die La Vita kaufen. Sicherlich ist es wichtig, die vegane Lebensweise bzw. „vegan lifestyle“ zu promoten, aber wenn unsere Aktivitäten sich darin erschöpfen, das neueste vegane Produkt zu hypen und uns nen Ast abzufreuen, wenn es Wilmersburger im Reformhaus um die Ecke gibt, ist das schon ein wenig traurig. Wir halten Lebenshöfe für einen wichtigen Teil der Bewegung. Sie zeigen, wie es anders gehen kann, nehmen Tiere aus Tierbefreiungen auf oder solche, die gefunden, freigekauft etc. werden. Das kostet leider auch viel Geld und es wäre schön, wenn sich mehr Menschen entscheiden würden, Lebenshöfe zu unterstützen – mit Geld, Sachspenden, Mitarbeit …


Veganer Lifestyle, Tierbefreiung und Lebenshöfe

Infostand von Free Animal auf einem veganen Straßenfest

Im letzten Jahr hat Free Animal an mehreren veganen Events und Straßenfesten teilgenommen. Neben positiven Erlebnissen ist leider eine Menge Frust über die Resonanz auf unsere Infostände zurückgeblieben. Auf veganen Märkten geben die Besucher*innen viel Geld für kommerzielle Produkte aus, aber am Infostand werden wir immer wieder gefragt, ob „der Aufkleber“ umsonst sei, dass die „La Vita“ etwas kostet, löst Verwunderung aus, selbstgemachte Pralinen, die wir verkaufen, werden gern probiert und auch für gut befunden, aber einige Euro für eine Tüte auszugeben, scheint nicht drin zu sein. Wir fragen uns, wohin der Tierbefreiungsgedanke und mit ihm auch die Lebenshöfe steuern. Drohen die Befreiung der Tiere als politischer Kampf und eventuell die Tiere gleich mit im großen bunten „vegan lifestyle“ unterzugehen?

Das Bewusstsein für Lebenshöfe als Projekt der gesamten Tierbefreiungsbewegung fehlt unserer Einschätzung nach oftmals. Einige Leute müssen die Höfe betreiben und vor allem die praktische Arbeit machen, aber alle sollten sich mit dafür verantwortlich fühlen und die Höfe auch finanziell unterstützen. Es nützt nichts, wenn wir am Infostand zu hören kriegen „toll, was ihr(!) da macht“, „finde ich super, dass es sowas gibt“. Vielmehr ist es nötig, dass diejenigen, die dies äußern, auch einfach mal ein paar Euro für die Lebenshöfe geben. Das ist leider alles andere als selbstverständlich. Die Tiere müssen essen, sie brauchen Einstreu, tierärztliche Behandlungen, Hufpflege, Ställe müssen ausgebessert werden etc. Und das kostet leider viel Geld. Wenn ein Stoffbeutel am Stand 4,50 kostet, liegt das daran, dass der „Gewinn“ eben dringend für die Höfe benötigt wird. Bei veganen Events nehmen BesucherInnen ohne mit der Wimper zu zucken hin, dass sie 6 Euro für den Döner auf den Tisch legen müssen und versuchen nicht zu handeln, weil man eben weiß, kein Geld, kein Döner. Bei uns aber wird gedruckst und gezögert und versucht, doch noch einen Aufkleber oder Button umsonst rauszuschlagen.

Eine weitere Erkenntnis, die wir – nicht nur – von den Veganevents des letzten Jahres mitgenommen haben: Mit Veganismus kann man sich beschäftigen, ohne „Tiere“ überhaupt zu erwähnen. Unreflektiert machen auch vegan lebende Menschen das Vegansein zu einer reinen Lebensstilfrage, die gern auch mal versteckt wird, um unangenehmen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Zur Überwindung der Tierausbeutung trägt diese Taktik sicher nicht bei. Wie auch? Dadurch wird ja niemand angestoßen, gesellschaftliche Zustände und das Mensch-Tier-Verhältnis zu hinterfragen. Das vegane Würstchen ist dann eine weitere Variante neben dem aus Fleisch, aber dass andere überhaupt Fleisch essen, wird eben nicht als der Skandal benannt, der es ist.

Uns stellt sich die Frage, warum Menschen vegan werden, wie sie ihren Veganismus sehen, was sie als notwendig erachten, damit Tiere tatsächlich frei sein können und ihre Ausbeutung überwunden werden kann, und ob „Ausbeutung“ für die durchschnittlichen VeganerInnen eigentlich noch eine Kategorie ist. Bei all der schönen Diskussion ums vegane Kochen und Shoppen lässt sich nämlich wunderbar vergessen, dass Veganismus keine Lebenseinstellung an sich ist, sondern zumindest in der Vergangenheit die praktische Umsetzung einer viel umfassenderen politischen Notwendigkeit war: nämlich des Einstehens für die Rechte der Tiere und des Kampfes für ihre Befreiung aus der Ausbeutung durch den Menschen. Und dazu gehört sich mit dieser Ausbeutung auseinanderzusetzen, die dahinter stehenden Zusammenhänge und Strukturen zu verstehen und für ihre Überwindung zu streiten.

In unserer Gesellschaft wird alles zur Ware, so auch Veganismus und die vielen bunten veganen Produkte, über die wir uns alle freuen. Natürlich ist es angenehm, wenn man in jedem Supermarkt seine Soja- oder Getreidedrinks und Tofuburger bekommt. Fatal ist es jedoch, wenn man so naiv ist zu glauben, dies sei ein großer Fortschritt hin zu einer Gesellschaft, in der es den Tieren grundlegend besser ginge, oder zu meinen, diese Produkte würden aufgrund eines Bewusstseinswandels hinsichtlich der Tiere bei den Unternehmen angeboten. Genauso wie die Tiere, die als Schnitzel, Frühstücksjoghurt oder Bio-Ei im Supermarkt angeboten werden, lediglich Waren sind, deren einziger Zweck es ist, diejenigen, die die Unternehmen besitzen, reicher zu machen, sind auch vegane Produkte für die Produzenten ein Marktsegment, mit dem sich inzwischen Geld verdienen lässt und das darum gern mitgenommen wird. Warum sollte ein Hersteller oder eine Supermarktkette nicht auch Tofuwürstchen mit ins Angebot aufnehmen, wenn es sich lohnt? Dann liegen neben den Schweinewürsten eben auch solche aus Tofu oder Seitan im Regal. Man sollte jedoch nicht der irrigen Annahme unterliegen, dies hätte irgendetwas mit den Schweinen oder dem Tofu oder der Haltung der Supermarktkette gegenüber beiden zu tun. Sicher sind die kleinen veganen Unternehmen, bei denen ein, zwei Leute, die selbst TierrechtlerInnen sind, ein Geschäft oder Restaurant betreiben, etwas anderes. Aber deren Marktanteil ist gegenüber den großen Unternehmen verschwindend gering.

Tierbefreiung ist ein politischer Befreiungskampf und wie bei anderen Befreiungsbewegungen muss auch dieser Kampf öffentlich ausgetragen werden, die Befreiung der Tiere muss in, mit und auch gegen die Gesellschaft erstritten werden. Wir als Gesellschaft sind dafür verantwortlich, dass die Beherrschung der Tiere weiterhin besteht. Genauso können wir alle dazu beitragen, das Mensch-Tier-Verhältnis zu verändern. Und denjenigen, die die Realitäten der Tierausbeutung stützen, davon profitieren, aber auch denjenigen, die sie hinnehmen, müssen wir immer wieder genau diese Realitäten präsentieren und sie auffordern, ihr Handeln zu ändern. Leider gibt es viel zu viele VeganerInnen, die meinen, mit ihrem Lifestyle-Shopping-Vegansein sei alles getan. Mit veganen Mahlzeiten, die nur lecker genug sein müssen, veganen Supermärkten und dem Wunsch, nicht als „nervige“, „extreme“ VeganerInnen anzuecken, kann man jedoch keine Ausbeutungsverhältnisse verändern. Wir werden die Tiere nicht durchs Shoppen befreien, sondern nur durch einen grundlegenden Wandel im Bewusstsein, in der Gesellschaft und in unserem Wirtschaftssystem.

Dies alles ist nicht schön, ist nicht einfach, ist nicht spaßig. Es ist anstrengend, nervig, frustrierend, oft mit Ängsten, Verzweiflung und dem Gefühl, nicht mehr zu können oder zu wollen, verbunden. Manchmal wünscht man sich, dichtzumachen und Spaß daran zu haben, sein Leben im Einkaufszentrum zu verbringen. Aber eine andere Gesellschaft lässt sich nicht als Lebensstil mal so nebenbei mit erreichen. Die Befreiung der Tiere und eine Änderung der Verhältnisse, die Tiere milliardenfach das Leben kosten, erfordert politisches Denken und Handeln, setzt voraus, dass mensch sich über wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge informiert und hinter die schöne Fassade auch des veganen Shoppings und Lifestyles blickt.

Zur Unterstützung der Lebenshöfe kommen wir trotz alledem nicht umhin, aufs schnöde Geld zu schauen. Wie oben erwähnt, brauchen die dort lebenden Tiere Essen, medizinische Versorgung, ihr Zuhause muss instandgehalten werden, und all das ist nur gegen Geld zu haben. Dafür dass diese Tiere in Würde und mit der Freiheit, die unter den gegenwärtigen Bedingungen für sie möglich ist, bis an ihr natürliches Lebensende versorgt sind, sollten sich die gesamte Tierbefreiungsbewegung und auch alle anderen VeganerInnen verantwortlich fühlen. Warum ist es nicht selbstverständlich, dass jedeR BesucherIn des veganen Weihnachtsmarkts oder Street Day ein, zwei oder fünf Euro für die dort anwesenden Höfe und Projekte spendet, dass der Kuchen anstatt bei einem kommerziellen Stand an dem eines Vereins oder einer Initiative gekauft wird? Oder dass, wer sich das leisten kann, eine Patenschaft für ein Tier übernimmt oder regelmäßig spendet? Lebenshöfe sind schließlich auch ein Zeichen an diese Gesellschaft, in der Tiere kaum eine Überlebenschance haben. Ein Zeichen dafür, wie der Übergang zu einer Welt ohne Tierausbeutung aussehen könnte. Und dies gilt es zu stärken und weiterzuentwickeln. Vielleicht ist das nicht so bunt und spaßig wie vegane Events. Der Veganismus gewinnt sein Potential, die Verhältnisse so zu ändern, dass die Tiere irgendwann frei sein können – und es Lebenshöfe gar nicht mehr geben muss – jedoch nicht als Lifestyle, sondern nur als ein bewusster Bestandteil der Befreiung der Tiere.

Anke Guido
2. Vorsitzende
Free Animal e. V.

Dieser Artikel erschien zuerst in der La Vita 01/2013, der Zeitschrift von Free Animal e. V.

Logo von Free Animal

Free Animal wurde 1996 gegründet, um die wirtschaftliche Existenz von Lebenshöfen zu sichern, auf denen Tiere ihr Leben frei von Nutzung und Ausbeutung bis an ihr natürliches Ende verbringen können. Mittlerweile unterstützt Free Animal e. V. bundesweit sieben Lebenshöfe sowie weitere private Initiativen und Projekte. Über 450 Tiere haben dadurch bis an ihr Lebensende ein sicheres Zuhause, darunter Pferde, Ziegen, Schafe, Esel, Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Gänse und Tauben. Weitere Informationen über den Verein gibt es auf der Webseite www.free-animal.de und auf der Facebook-Seite von Free Animal.

Die Unterstützung der Lebenshöfe ist nur durch die finanzielle Hilfe der Mitglieder, SpenderInnen, PatInnen und Fördermitglieder von Free Animal e. V. möglich. Die Bankverbindung des Vereins lautet:
Nassauische Sparkasse Wiesbaden
BLZ: 510 50015
Konto 11 30 60 425
(IBAN: DE29 5105 0015 0113 0604 25, BIC: NASSDE55XXX)
Betreff angeben, z. B.: Spende an Free Animal.
Free Animal e. V. ist als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Die Spende kann steuerlich geltend gemacht werden.

Interview mit dem Kaffeekollektiv Aroma Zapatista

Vor einem Jahr hat sich das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista gegründet. Wie auch wir, wünschen sich die vier Gründungsmitglieder eine gerechtere und solidarischere Welt ohne Ausbeutungsverhältnisse und Umweltzerstörung.Wir finden ihr Engagement unbedingt unterstützenswert und haben gleich ihren Kaffee in unser Sortiment aufgenommen. Damit ihr euch ein Bild von ihnen machen könnt, haben wir sie für euch interviewt:

Kaffeepackungen auf Regal-klein

Ihr habt euch 2012 gegründet. Wie kam es dazu?

Wir vier haben vor der Gründung von Aroma Zapatista zwischen 3 und 5 Jahren bei Café Libertad gearbeitet. Dort kam es im Jahr 2011 zu immer heftigeren persönlichen aber auch politischen Konflikten. Es gab Versuche mit Hilfe von Moderatorinnen und einem Supervisor die Konflikte in den Griff zu bekommen, was allerdings scheiterte. Die Folge war, dass 6 von 9 Menschen bei Café Libertad ausstiegen. 2 arbeiten jetzt in anderen Bereichen. Kerstin, Doro, Dorit und ich (Hans-Martin ) wollten uns in keinem Fall aus der ökonomischen Solidaritätsarbeit mit den Zapatist_innen zurückziehen. Deshalb gründeten wir das Kaffeekollektiv Aroma Zapatista eG. In der Trennungsvereinbarung mit Café Libertad wurde vereinbart, dass wir im Laufe des Jahres 2012 zapatischen Rohkaffee von ihnen bekommen konnten . Diesen Kaffee lassen wir zur Zeit nach und nach rösten und verkaufen ihn dann. Für die Ernte 2012/13 haben wir mit den zapatistischen Kaffeekollektiven eigene Verträge über den Import von Rohkaffee abgeschlossen.

 

Was unterscheidet euch von anderen Firmen, die fair gehandelten Kaffee anbieten?

Im Bereich des fairen Handels bewegen sich viele unterschiedlich große, aber auch unterschiedlich motivierte Akteure. Über Lidl etc., also große streng kapitalistisch ausgerichtete Firmen braucht man, glaube ich, kein Wort zu verlieren. Unser Ansatz ist ein anderer – wir bezeichnen unsere Arbeit als solidarischen Handel, da wir davon ausgehen, dass ein fairer Handel zur Zeit nicht möglich ist. Wir unterstützen mit den Zapatist_innen eine Bewegung, die einen gesellschaftsverändernden Charakter hat, unter anderem allein schon dadurch, dass durch ihren Aufstand 1994 viele indigene Familien in Chiapas überhaupt erst eigenes Land zur Verfügung haben und nicht mehr auf den Kaffeefincas reicher Europäer oder Mexikaner arbeiten müssen.

Auch wollen wir uns soweit wie möglich von den Schwankungen des Kaffeepreises am Weltmarkt vor allem nach unten abkoppeln. Der faire Handel macht auch die Schwankungen nach unten mit (Im fairen Handel ist der Kaffeepreis an den Weltmarktpreis, wenn auch mit einem Aufschlag, gekoppelt).

 

Was verbindet euch mit der zapatistischen Bewegung in Mexiko? Und warum wollt ihr gerade die Zapatist*innen unterstützen?

Die Motivation ist bei uns unterschiedlich: Kerstin Dorit und Doro waren schon mehrfach in Chiapas, sei es als Menschenrechtsbeobachterin, Filmemacherin, Delegierte für den Kontakt mit den Kaffeekooperativen. Sie haben dadurch die Zapatist_innen, ihre Arbeit, ihre Erfolge und auch ihre Probleme kennengelernt.

Ich habe in den Achtzigern Solikaffee nach der Revolution in Nicaragua verkauft, dann lange Zeit eher in Hamburg in anderen Bereichen gearbeitet und bin über die Arbeitssuche vor 7 Jahren wieder in den Solikaffeehandel eingestiegen und habe dabei die politische und ökonomische Arbeit der Zapatist_innen schätzen gelernt.

 

Was bedeutet es für euch, in einem Kollektiv zu arbeiten?

Da wir alle diese Gesellschaft nicht für die Beste aller möglichen halten und sie gerne verändern wollen, denken wir, dass einer der wichtigen Schritte in diese Richtung der Versuch ist, die eigenen Arbeitsstrukturen zu demokratisieren. Auf diesem Weg bietet ein Kollektiv die besten Möglichkeiten. Dazu gehört auch, dass wir immer wieder auch im Kollektiv unsere Verhaltensweisen, unser Diskussionsverhalten infrage stellen und ggf. verändern, um dauerhaft auch zu einem wirklich gut funktionierenden und emanzipatorischen Kollektiv zu werden. Das private oder auch arbeitstechnische Verhalten ist eben auch politisch.

 

Was sind eure Pläne für die Zukunft?

Unser wichtigstes Ziel ist es, eine langfristige Perspektive zu haben, für die Zapatist_innen, für uns und natürlich für alle Lieberhaber_innen unseres Kaffees. Das erste Jahr ist gut gelaufen, aber es ist unser Ziel, unseren Kaffeeumsatz weiterhin zu erhöhen, um uns bald Löhne auszahlen zu können. Auch steigen bei höherem Kaffeeverkauf unsere Möglichkeiten, die zapatistische Bewegung zu unterstützen, da von jedem kg Röstkaffee 0,45 € als Unterstützungsgeld nach Chiapas gehen. Ein weiterer wichtiger Schritt ist es, wenn möglich, weitere Produkte aus Chiapas zu vermarkten, um zusätzlich zu den Kaffeebäuer_innen andere Zapatistas zu unterstützen. Zur Zeit ist der Import von Zitronengrastee geplant.

Zum Anderen ist natürlich auch die politische Soliarbeit sehr wichtig, um weiter über die Zapatist_innen und über Ihren Kampf um ihre Autonomie und Würde zu informieren und Unterstützer_innen zu werben.

Wenn unser Projekt gut läuft, können wir uns vorstellen auch anderen Kaffee von Kaffeebäuer_innen zu importieren, die für ihre Rechte zu kämpfen.

 

Wie kann man euch unterstützen?

Vor allen Dingen: Viel Kaffee trinken und Freund_innen etc. überzeugen, unseren zapatistischen Kaffee zu kaufen. Jede Unterstützung ist hier willkommen. Zudem freuen wir uns sehr über private Direktkredite für den Rohkaffee-Einkauf, um die Bankzinsen möglichst gering zu halten. Weiterhin ist es auch wichtig, über die politischen Ziele und Forderungen der Zapatist_innen zu informieren und sie in ihrem Kampf zu unterstützen. Für Soli- und Informationsveranstaltungen stehen wir gern zur Verfügung.

Infos und Online-Shop: www.aroma-zapatista.de

 

Selbstbestimmtes Arbeiten im Kollektiv

“Grüne Wiese“ und “roots of compassion“ stellen sich vor.

“roots of compassion“ ist ein Kollektiv von vegan lebenden und herrschaftskritischen Menschen aus Münster. Sie betreiben einen veganen, zum größten Teil bio und fairen Online-Shop, seit 2009 einen Verlag und seit 2012 einen Vegan-Laden in Münster. Sie möchten durch ihre Arbeit den Tierbefreiungsgedanken und die vegane Lebensweise verbreiten sowie Gesellschafts- und Kapitalismuskritik üben. Zeitgleich müssen und wollen sie von ihrer Arbeit leben können – ein Spagat, der nicht immer einfach ist.

Grüne Wiese ist ein Laden und Onlineshop für ökologische und zugleich fair(er)produzierte Kleidung. Die Betreiber_innen Simone und Lars kommen aus der Anti-Atom, Klimagerechtigkeits-und globalisierungskritischen Bewegung. Seit der Gründung 2008 bieten sie nicht nur öko-faiere Produkte an, sondern praktizieren auch eine Unternehmungsführung, die Nachhaltigkeit und Solidarität statt Profit maximiert. Gemeinsam mit weiteren Läden und grünen Modelabels haben sie einen Kodex für solidarisches Wirtschaften entwickelt.

Die Veranstaltung läuft im Rahmen der Veranstaltungsreihe “Anarchismus und Selbstorganisation“, Donnerstag 06.06.2013, 19.30 Uhr, Interkulturelles Zentrum Don Quijote Nieberdingstr. 8, Münster

Mitte März wird die Atom-Katastrophe von Fukushima 2 Jahre her sein …

Anlässlich dieses traurigen Jahrestags wird es am 9. März an mehreren Orten Kundgebungen geben. Und zwar: in Grohnde, Gronau, Grundremmingen, Neckarwestheim, Paris (natürlich Frankreich) und Tihange (Belgien). Darüberhinaus wird es an zahllosen Orten Mahnwachen geben – und diese Übersicht bezieht sich nur auf Deutschland …

380.000 Menschen wurden in der Region evakuiert, viele Regionen auch außerhalb der Sperrzone sind stark kontaminiert. Diese Katastrophe ist ein weiteres Beispiell für die gravierenden Gefahren, die von der sogenannten friedlichen Nutzung der Kernenergie ausgehen.
Dennoch sind nach wie vor neun Atommeiler in Deutschland am Netz, teilweise bis 2022 (Genug Zeit, um das Abschalten irgendwann doch nochmal abzublasen). Atomausstieg fängt Zuhause an, und wir sehen weiterhin: der Atomausstieg ist Handarbeit!

Wir müssen nicht nur gegen Atomkraftwerke auf die Straße gehen, sondern die gesamte Industrie, die dahinter steckt, angreifen: zum Beispiel die Energieversorger, die weiterhin Atomenergie verkaufen. Oder die Uranfabriken in Gronau und Lingen, die weiterhin, auch nach 2022, Brennstoff für Atomkraftwerke in aller Welt herstellen wollen.

Wir schließen uns (weiterhin) der Forderung an: Alle Atomanlagen abschalten!

roots of compassion unterstützt den Aufruf zur Demonstration am 9. März in Gronau.

Außerdem am selben Tag und verdammt wichtig: Um 11 Uhr wird es am Bremer Platz in Münster eine Demonstration gegen den am selben Tag später stattfindenden 1000-Kreuze-Marsch der rechtskonservativen Abtreibungsgegner*innen von EuroProLife geben. Unter http://gegen1000kreuze.blogsport.de/rueckblick/ (wirklich, die URL stimmt) findet ihr den Aufruf. Von Gronau nach Münster ist’s mit dem Auto etwa eine Stunde. Lässt sich vielleicht verbinden.

Das böse f-Wort

Liebe Leute,
natürlich sind wir uns der Zweischneidigkeit des Themas Facebook sehr wohl bewusst.
Der große Knackpunkt Datenunsicherheit verursacht dabei das lauteste Zähneknirschen: niemand von uns weiß genau, was mit unseren Daten geschieht, an wen sie weitergegeben werden, wer was mitlesen kann. Zudem wird es einem auch nicht gerade leicht gemacht, in dem Dschungel aus Untermenüs und Kleingedrucktem den Überblick zu behalten.
So reiht sich in den Facebookgrundsätzen, Datenschutzrichtlinien, Privatsphäre- und Anwendungseinstellungen eine Information an die nächste und es heißt, Augen auf und tapfer weiterlesen, auf der Suche nach dem richtigen Sicherheitshäckchen.

Eine Ausführliche Leitfaden zum Schutz der Privatsphäre findet sich z.B hier:
http://www.klicksafe.de/themen/kommunizieren/soziale-netzwerke/facebook-privatsphaere-schuetzen-durch-richtige-einstellungen/

Trotz einer sehr fragwürdigen Einstellung gegenüber Privatsphäre und Informationsfreiheit haben wir uns dazu entschlossen, Facebook als Informationsplattform zu nutzen. Denn, und das stellen wir auch immer wieder fest – die meisten von euch sind eh schon da. Und für uns bietet es eine einfache und schnelle Möglichkeit der Bekanntgabe von Neuigkeiten, Vernetzung, Austausch und natürlich auch eine Plattform für uns als Geschäft. Und auch ihr könnt hier sehr einfach mit uns kommunizieren.
Seid euch aber bitte dabei immer bewusst – der Preis ist vergleichsweise hoch. Facebook “weiß”, mit wem ihr kommuniziert, wo ihr draufklickt, was ihr euch länger anschaut, welche Beiträge, Links, Videos usw. ihr gut findet. Wenn ihr eingeloggt seid, weiß facebook auch, welche Seiten ihr anschaut – so auch bei uns, denn Facebook ist auch in unsere Seite integriert.
Was sich für uns als sehr praktisch herausgestellt hat, ist bspw. bei Firefox die Erweiterung Multifox. So könnt ihr facebook in ein eigenes Fenster verbannen und verhindern, dass eure weiteren Webaktivitäten registriert werden.
Das ist zumindest eine Krücke, mit der ihr euch recht geschützt durchs Web bewegen könnt.

Bevor ihr facebook aber nutzt, fragt euch aber doch, ob ihr euer halbes Leben tatsächlich dieser Firma anvertrauen wollt, ohne sicher zu sein, was irgendwann mal mit euren Daten geschieht.
Uns könnt ihr auch weiter problemlos per Mail erreichen, auch mit pgp-Verschlüsselung. Oder einfach telefonisch.

Knastpatenschaften gegen Militarismus

Wir solidarisieren uns mit Hanna Poddig, die mit einer Ankettaktion 2008 einen Militärtransport für mehrere Stunden stoppte, um ein Zeichen gegen Militarismus und Krieg zu setzen. Für die Aktion wurde sie zu 90 Tagessätzen à 15 Euro verurteilt. Wir von roots of compassion übernehmen als Zeichen der Solidarität die Patenschaft für eine Woche und legen auch euch ans Herz, euch zu beteiligen. Weitere Infos erhaltet ihr hier: http://krieg.nirgendwo.info/

Interview mit der Kinderbuchautorin Ruby Roth

Kürzlich hatten wir Gelegenheit, der Kinderbuchautorin Ruby Roth ein paar Fragen zu ihrer Motivation für ihre Arbeit und zu ihrem bekannten Kinderbuch „Warum wir keine Tiere essen“ zu stellen. Hier findet ihr unser Interview. Viel Spaß beim Lesen!

1. Wann und wie bist du persönlich mit dem Thema Tierrechte und Veganismus in Kontakt gekommen?
Obwohl meine Mutter Vegetarierin war und ich auf einem Biobauernhof aufgewachsen bin und auf dem College mit veganen Mitbewohner_innen zusammenlebte, kam ich nicht auf die Idee selbst vegan zu leben bevor ich 20 war! Ich dachte, das sei einfach nichts für mich. Dann wurde ich von einer Freundin herausgefordert, als ein gesundheitliches Experiment vegan zu leben. Ich war begeistert. Es war als hätte ich eine schwere Jacke ausgezogen und begonnen, loszulaufen. Je mehr ich dann lernte, desto mehr wurde ich in meiner Entscheidung bestärkt. Ich beschäftigte mich schon lange mit politischen Themen und Fragen der Gerechtigkeit und als ich mehr über die Zusammenhänge zwischen dem Konsum von Tierprodukten und (welt-)politischen Problemen wie Krankheiten, Tierquälerei, der Verschmutzung von Land, Luft und Meeren, Umweltschutz, Wasserverschwendung, Immigration und sogar Geschlechter- und Rassismusfragen lernte, ließ ich meinem Wissen Taten folgen. Ich bin froh darüber, diesen Weg gewählt zu haben.

2. Was hat dich dazu inspiriert, ein Kinderbuch über Tierausbeutung zu schreiben?
Ich hatte Kunst an einer Grundschule unterrichtet und die Kinder waren sehr neugierig bezüglich meiner veganen Lebensweise. Sie wollten alle wissen, warum ich den Käse, der ihnen serviert wurde nicht aß. Als ich ein Buch suchte, in dem dies erklärt würde konnte ich keins finden, das nicht von einem sprechendem Tier oder einer sprechenden Pflanze handelte.. diese Kinder waren zu cool dafür. Als Künstlerin und Politikstudentin entschied ich mich, ein Buch zu schreiben. Beispielsweise war die Bildung von Kindern war ein großer Faktor für den Erfolg eines Recycling-Programms in Los Angeles. Ich denke das gleiche könnte für Veganismus und die kommenden Generationen gelten.

3. Wann sind aus deiner Sicht Kinder bereit, sich mit dem Thema Tierausbeutung auseinanderzusetzen? Die Realität insbesondere der in Massentierhaltungen ausgenutzten Tiere ist schließlich deprimierend und kann auch für Erwachsene ziemlich überwältigend sein. An welche Altersgruppe richtet sich dein Buch und wie würdest du sicherstellen, dass die Kinder nicht überfordert werden, wenn sie das Buch lesen?
Ich glaube es ist nie zu früh damit zu beginnen, Kindern die Wahrheit zu erklären. Ich habe noch nie ein Kind erlebt das von meinem Buch überfordert war… nur Erwachsene! Die Wahrheit zu erklären ist in Ordnung solange es auf die richtige Weise getan wird: indem die einfachen Fakten erklärt werden, nicht angsteinflößend, hysterisch und überemotional. Mein Buch ist für 6 bis 10-jährige Kinder geschrieben, aber auch jüngere Kinder können die Bilder schon ansehen und beginnen zu verstehen. Meine Erfahrung ist, dass Kinder nicht die Beschönigungen brauchen, die sie oft bekommen. Sie reagieren auf die Informationen sehr intelligent und selbstbestimmt.

4. Aus deiner Erfahrung als Lehrerin, kannst du andere Wege empfehlen um Kindern das Thema Tierausbeutung behutsam näher zu bringen? Ja! Triff mitfühlende Entscheidungen und diskutiere sie. Suche beispielsweise in einem Laden ein Shampoo aus, das nicht an Tieren getestet wurde und erkläre wieso. Hilf deinen Kindern, nach entsprechenden Logos zu suchen. Oder besucht einen Lebenshof anstatt eines Zoos, eines Zirkus oder eines Tierparks. Diskutiert warum es besser ist Orte zu besuchen an denen Tieren geholfen wird statt sie einzufangen, zu benutzen und sie krank zu machen. Kinder verstehen und mögen es, zu helfen und sich tapfer zu fühlen.

5. Woran arbeitest du momentan? Hast du Pläne, weitere Bücher zu veröffentlichen?
Ich veröffentliche 2012 ein neues Kinderbuch über vegane Entscheidungen und die vegane Lebensweise, über Lebensmittel, Umweltverschmutzung, Unterhaltung bis zu Ökologie. Über meinen Newsletter www.WeDontEatAnimals.com könnt ihr euch auf dem Laufenden halten. Ich hoffe, das Buch auch in Deutschland veröffentlichen zu können. Ich bin glücklich von einer wachsenden veganen Bewegung in Deutschland zu hören. Danke!

Vielen Dank für das Interview und alles Gute!

Birgit Mütherich ist verstorben

Birgit Mütherich, bekannt durch kritische Texte, Vorträge, Veranstaltungen, Demonstrationen, ist am 16. November 2011 gestorben. Wir möchten an dieser Stelle ihr großes Engagement für die Rechte der Tiere und ihre gesellschaftskritische Arbeit würdigen. Sie hinterlässt viele menschliche und nicht-menschliche Wegbegleiter_innen, die um sie trauern. Die Tierrechtsbewegung verliert eine brillante Rednerin und Analytikerin, die Tiere verlieren eine couragierte und empathische Kämpferin für ihre Befreiung.

Hier findet ihr einen ausführlichen Nachruf auf Birgit Mütherich, der uns aus dem Herzen spricht.