Interview und Soli-Shop: Hard To Port

written on 31st of März 2016 in Soli-Aktionen, Produktneuheiten, Politisches.
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Eigentlich hatten wir vor, Ende März eine der Soli-Aktionen zugunsten der noch recht jungen Organisation Hard To Port zu machen, die sich gegen Walfang in Island einsetzt. Recht schnell entwickelte sich das ganze dann aber in eine Richtung, die wir vorher nicht geahnt hätten (ihr erkennt es schon an der Überschrift) – zumindest für diesen Sommer bzw. solange sie keinen eigenen Onlineshop haben, bekommt ihr nun bei uns die T-Shirts von Hard To Port. Wow! Wir freuen uns sehr über die Anfrage und denken, dass das sehr gut zusammenpasst. Für jedes verkaufte Hard-To-Port-T-Shirt spenden wir künftig unglaubliche 7,50 € an Hard To Port!
Natürlich wollen wir euch dennoch – oder gerade deswegen – die Organisation einmal näher vorstellen. Dafür haben wir ein Interview mit Arne, einem der Mitgründer der Organisation, gesprochen:

Was ist Hard To Port, und magst du erzählen, wie es zur Gründung kam?

Die Anfänge von Hard To Port

Hard To Port existiert seit dem Sommer 2014 und versteht sich als eine Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, den kommerziellen Walfang in Island zu beenden. Entstanden ist unsere Initiative aus einer Protestaktion gegen die Jagd auf Finnwale, eine Spezies die auf einer internationalen Liste für bedrohte Arten steht. Während sich im Hafen der isländischen Hauptstadt Reykjavik jedes Jahr Tausende von Touristen einfinden, um mit den lokalen Whale Watching Anbietern aufs Meer zu fahren, um Wale und Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum zu bewundern, werden zeitgleich nur wenige Meter entfernt Schiffe in Stand gesetzt, die zur Jagd auf die Meeressäuger eingesetzt werden. Ein wirklich sehr bizarrer und verstörender Anblick.

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Walfänger (Bild: Hard To Port)

Unsere beiden Gründungsmitglieder entschlossen sich während ihres Island-Aufenthalts im Frühsommer 2014 dazu, gegen die bevorstehende Jagdsaison zu protestieren. Einer unserer Aktivist_Innen besetzte in den frühen Morgenstunden den Mast eines der Walfangschiffe und verharrte dort für 15 Stunden. Mit Hilfe seines SmartPhones informierte er zahlreiche nationale und internationale Medien über unseren Protest. Wenn es eine Sache gibt, die die Walfangindustrie gar nicht mag, dann ist es Aufmerksamkeit.
Unsere Aktion verhinderte das Auslaufen der Walfangflotte nicht, aber es brachte die Diskussion über die Weiterführung des kommerziellen Walfangs in Island in die Medien und somit zurück in die Köpfe der Menschen. Die Aktion war ebenfalls die Geburtsstunde von Hard To Port und der Beginn unseres organisierten Engagements für den Schutz der Wale in Island.

„Whaler Watching“ 2015: Was habt ihr letztes Jahr gemacht und wie waren die medialen Reaktionen auf die Kampagne?

Trailer zur Hard To Port Doku

Unsere erste Kampagne in Island verlief dank des tollen und sehr engagierten vierköpfigen Teams sehr erfolgreich. Unser Konzept, dem wir den Namen „Whaler Watching“ gegeben haben, zielt darauf ab, die brutale Jagdpraxis aufzudecken, zu dokumentieren und unsere Ergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, um so eine kritische Debatte in Island über das Thema anzustoßen. Die isländische Walfangindustrie ist wie viele andere Industrien, die sich an der Ausbeutung von Tieren bereichern, sehr intransparent und entzieht sich somit einer kritischen Beurteilung durch die Bevölkerung. Viele Informationen über den Walfang, die öffentlich verfügbar sind, stammen von den beteiligten Unternehmen. Die isländische Regierung greift diese Daten ungeprüft auf und publiziert sie. Unserer Meinung nach entsteht so in der Öffentlichkeit ein sehr verfälschtes Bild des kommerziellen Walfangs.

Whaler Watcher beobachtet Walfänger mit Kamera und Drohne
Whaler Watchers in Aktion
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Mit einem Team bestehend aus Aktivist_Innen, einer Tierärztin und Journalistin, einem Fotografen und einem Dokumentarfilmemacher machten wir uns im Sommer 2015 auf den Weg zu einer zweiwöchigen Kampagne in Island. Uns war es wichtig dem bestehenden Informationsmonopol der Walfänger entgegenzuwirken und die Menschen über die grausame Realität der Jagd auf Wale zu informieren. Während der zwei Wochen konnten wir nicht nur sehr informative Gespräche mit Einheimischen führen, sondern eben auch Teile der Walfangaktivitäten dokumentieren. Vor allem der Einsatz von kamerabestückten Drohnen zur Dokumentation aus der Luft und Apps zur Ortung der Walfangschiffe regte das Interesse der nationalen und internationalen Medien, die überwiegend positiv über unsere Arbeit in Island berichteten.

Euer Team besteht ja bislang ausschließlich aus Leuten aus Deutschland – es ist aber sicher immer einfacher, wenn man bei einer Kampagne die Bevölkerung auf seiner Seite hat. Wie ist der Rückhalt für eure Arbeit in Island – einem Land, dessen Reichtum zu großen Teilen auf Fischfang basiert – aber mittlerweile auch auf Tourismus?

Engagement von ausländischen Organisationen und Gruppierungen muss in der Tat sehr gut durchdacht sein. Viele Menschen in Island sind in ihrer Einstellung zum kommerziellen Walfangprogramm unentschlossen, sehen aber ein „Eingreifen“ aus dem Ausland tendenziell eher kritisch. Nach reichlicher Recherche und Überlegung glaubten wir mit unserer „Whaler Watching“ Kampagne einen Ansatz gefunden zu haben, der es uns erlaubt, effektiv auf ein Ende des kommerziellen Walfangs hinzuarbeiten, dabei aber die Gemüter nicht gegen uns aufzubringen. Einige der Leute und Unternehmen in Island, mit denen wir in Kontakt standen, haben unseren Ansatz durchaus befürwortet, vor allem da sie selber denken, dass viele Menschen in Island nicht ausreichend über die umstrittene Jagd auf Wale informiert sind. Wir vom Hard To Port e.V. versuchen mit unserer Arbeit diese Lücke zu füllen und die Menschen von der Notwendigkeit einer Abkehr vom kommerziellen Walfang zu überzeugen.
Selbstverständlich würden wir es begrüßen, wenn sich vermehrt Einheimische für unsere Initiative interessierten und sich aktiv an unserer Kampagne beteiligen würden. Erste Kontakte konnten wir während und seit unserer ersten Kampagne im letzten Sommer knüpfen, und wir hoffen, dass wir gemeinsam mit Aktivist_Innen und kritischen Bürger_Innen der einheimischen Bevölkerung verstärkt unsere Arbeit im Sommer fortsetzen werden.

Wie reagieren Tourist*innen auf eure Kampagne? Whale Watching ist ja meist fester Bestandteil eines Islandaufenthaltes – andererseits konnte ich letztes Jahr in Island feststellen, dass viele es gar nicht erwarten konnten, Zwergwal in einem der vielen Restaurants zu essen, die Walfleisch auf der Speisekarte haben. Quasi eines der Dinge, die man in Island getan haben muss …

Zwergwal auf der Menükarte
Menükarte eines isländischen Restaurants
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Im vergangenen Sommer haben wir überwiegend mit Einheimischen über unser Anliegen gesprochen und sie nach ihrer Einstellung zum Walfang befragt. Isländer_Innen selber essen kaum Walfleisch. Lediglich 3 % der Isländer_Innen konsumieren regelmässig das Fleisch von Zwergwalen. Eine so geringe Nachfrage wäre nicht lukrativ genug, um diese „Industrie“ am Leben zu erhalten. Die treibende Kraft sind leider die vielen Tourist_Innen, die in den Restaurants das Fleisch der Tiere bestellen. Hier gibt es bereits eine sehr engagierte Kampagne einer anderen NGO, die sich gezielt an Besucher_Innen des Landes wendet. Auch wir vom Hard To Port e. V. werden diesen Ansatz aufgreifen und unsere Arbeit in diesem Bereich intensivieren.

Whalewatching auf Island - jede Menge Tourist*innen auf kleinen Schiffen
Whale Watching
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Wie ist euer Verhältnis zu Whale Watching Anbietern? Geht ihr Engagement gegen Walfang über ein lediglich kommerzielles Interesse hinaus? Viele bieten ja neben Walfang auch gerne Hochseefischen an, was an ihrer Tierliebe durchaus Zweifel aufkommen lässt.

Whale Watching gilt in Island oftmals als ökonomische Alternative zum Walfang. Grundlegend spricht für uns nichts gegen eine respektvolle Begegnung zwischen Mensch und Tier, die in ihrem natürlichen Lebensraum stattfindet, aber pauschal möchten wir die Whale Watching Branche auch nicht befürworten. Walbeobachtungen können die Tiere nicht nur stressen, sondern leider existieren auch Berichte über Kollisionen zwischen Touristenbooten und den Tieren. Das Whale Watching Unternehmen, mit dem wir gesprochen haben arbeitet sehr verantwortungsvoll und ist ein hilfsbereiter Verbündeter im Kampf gegen den kommerziellen Walfang. Wir können und möchten über die Tierliebe und Motivation des Engagements einzelner Mitarbeiter_Innen gegen den Walfang nicht spekulieren. Einige unser Interviewpartner_Innen haben sich vor der Kamera sehr emotional zu dem Thema geäußert – ob sich ihre Faszination und Liebe zu Walen auch auf andere Spezien übertragen lässt, vermögen wir nicht zu sagen.

Wie kann Island eigentlich Mitglied in der Internationalen Walfangkommission IWC sein, die 1986 ein Walfang-Moratorium verkündet hat, und gleichzeitig kommerziellen Walfang betreiben?

Finnwal vor der Zerlegung an Land
Getöteter Finnwal an Land (Bild: Hard To Port)

Nicht nur Island, sondern auch andere Walfangnationen wie Norwegen und Japan sind Mitglieder der Internationalen Walfangkommission. Norwegen und Japan haben dem Walfang-Moratorium von 1982 widersprochen und akzeptieren den Beschluss bis heute nicht oder umgehen ihn mit einer zweifelhaften wissenschaftlichen Begründung ihrer Jagd. Island widersprach dem Moratorium nicht, trat aber wenige Jahre nach dem in Kraft treten aus der Internationalen Walfangkommission aus. Anfang der Jahrtausendwende bemühte sich Island um einen Wiedereintritt und äußerte seinen Vorbehalt zum geltenden Walfangmoratorium. 2003 startete Island unter dem Deckmental der Wissenschaft ein Walfangprogramm. Drei Jahre später verkündete die isländische Regierung die Rückkehr zur kommerziellen Jagd auf die Meeressäuger.

Dieses Jahr soll es in Island keine Jagd auf Finnwale, aber weiterhin auf Zwergwale, geben. Wie deutet ihr diese Entscheidung? Und welche Auswirkungen hat das auf eure Kampagne in 2016?

Zerlegen eines Finnwals in Island.

Die Nachricht der vorläufig gestoppten Jagd auf Finnwale hat uns zugegebenermaßen sehr überrascht. Ihr könnt Euch aber vielleicht vorstellen, wie sehr wir uns gefreut haben, nachdem wir uns in den letzten 2 Jahren sehr engagiert dafür eingesetzt haben. Die Jagd auf Finnwale stand seit Jahren in der Kritik, und viele NGOs haben auf unterschiedliche Art und Weise auf dieses Ziel hingearbeitet. Unabhängig davon, was offiziell als Grund für die vorläufige Einstellung der Jagd genannt wurde, ist dieses Ergebnis ein enormer Erfolg für die gesamte Tierrechts- und Meeresschutzbewegung.
Hard To Port wird seine Arbeit in Island natürlich fortsetzen, solange Wale für kommerzielle Zwecke getötet werden. Unsere Arbeit wird sich bis auf weiteres auf die Zwergwaljagd konzentrieren, d. h. wir werden neben unserer Dokumentationsarbeit auch vermehrt an einem Outreachkonzept arbeiten, mit dem wir uns an die zahlreichen Tourist_Innen des Landes wenden, die (Zwerg)Walfleisch während ihres Aufenthalts konsumieren.

Warum engagiert ihr euch eigentlich für Wale – ein Thema, das ja schon viel von großen Organisationen beackert wird -, während gleichzeitig unglaubliche Mengen anderer mariner Lebewesen weltweit und weitgehend unwidersprochen ihr Leben lassen müssen?

Der kommerzielle Walfang ist zweifelsohne eine sehr dunkle Epoche der jüngeren Geschichte. Wenn man sich einmal etwas intensiver mit dem Thema beschäftigt und realisiert, wie exzessiv und grausam Millionen dieser Tiere getötet wurden und ihre Populationen binnen weniger Jahrzehnte an den Rand des Aussterbens getrieben wurden, dann kann man einen Fortbestand dieser Industrie nicht einfach tolerieren. Wir haben in unserem Ansatz eine echte Chance gesehen, konstruktiv und effektiv auf die Beendigung des kommerziellen Walfangs hinzuwirken.

Ja, verständlich – aber was ist mit den vielen anderen Meereslebewesen, die zeitgleich an den Rand des Aussterbens oder darüber hinaus gebracht werden? Und selbst wenn sie nicht vom Aussterben bedroht sind, reden wir hier ja auch von unvorstellbaren Mengen von Individuen, die auf See getötet werden.

Wir vom Hard To Port e. V. lehnen jegliche Form der Ausbeutung und Tötung von Tieren ab, egal um welche Spezies es sich dabei handelt. Ein Ende des kommerziellen Walfangs in den kommenden 2-3 Jahren in Island zu erwirken, erschien uns als ein realistisches Ziel, zumal wir mit unserem Ansatz eine, unserer Meinung nach, vielversprechende Strategie ausgearbeitet hatten, die wir mit einem überschaubaren Budget in die Tat umsetzen konnten.
Natürlich hat uns unser Engagement in anderen Organisationen in der Vergangenheit für das Thema „kommerzieller Walfang“ sensibilisiert. Wenn man miterlebt wie ein (Zwerg)Wal vor den eigenen Augen am Ende einer Harpune qualvoll um sein Leben kämpft, dann ist das ein Moment der sich fest im Gedächtnis einbrennt und der einen so schnell nicht mehr loslässt.
Zweifelsohne ist es wichtig auch andere Themen anzusprechen und sich für die vielen anderen (Meeres)Lebewesen die vom Menschen ausbeutet werden zu engagieren. Sollte unser Verein in naher Zukunft über weitere finanzielle Mittel verfügen, werden wir darüber nachdenken in welchem Bereich und mit welcher Kampagne wir unsere Arbeit ausbauen können.

Viele Menschen, denen Wale am Herzen liegen, unterstützen vermutlich schon Organisationen wie Greenpeace und Sea Shepherd. Einige von euch waren ja auch schon für Sea Shepherd aktiv. Warum braucht es dennoch Hard to Port – und was unterscheidet euch von diesen Organisationen?

Port of Hvaljördur, Iceland 30th of June 2015. First whale of the season hunted by the islandic whaler-industry. Activists of the anti-whaling-ngo "HARD TO PORT" tried to raise attention by lighting smoke-signals and to climb the dead whale. The fin whale is officially an endangered animal.
Hafen von Hvaljörþur, Aktion von Hard To Port
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Unsere Arbeit wäre unter dem Namen einer anderen, bestehenden Organisation so vermutlich nicht realisierbar gewesen.
Wir versuchen bei Hard To Port einen Rahmen für unseren (Tierrechts)Aktivismus zu schaffen, der sich mit unserer politischen Einstellung und unserem Privatleben vereinbaren lässt. Bislang klappt das auch ganz gut. Wir sehen unsere Initiative als Teil einer Grassroots-Bewegung die unserer Ansicht nach von einer Vielfalt von Ansätzen und Gruppierungen profitiert und gestärkt wird. In vielen Fällen befürworten wir die Arbeit und Kampagnen anderer Organisationen. Es ist aber auch kein großes Geheimnis und legitim anzumerken, dass es oftmals einige inhaltliche Differenzen gibt, sei es bei politischen Standpunkten oder der Art zu kommunizieren, um zwei Beispiele zu nennen.

Das können wir verdammt gut verstehen … Vielen Dank für das Interview!

Artikel im Morgunblaþiþ anlässlich der Aktion von 'Hard to Port'
Artikel im Morgunblaþiþ
(Bild: Boris Niehaus, Creative Commons BY-NC-ND)

Wie könnt ihr denn nun Hard To Port unterstützen? Zum einen natürlich, indem ihr eines der super-super-schicken T-Shirts kauft. Zum anderen findet ihr auf der Website von Hard To Port einige Hinweise, was für Unterstützung sie brauchen können: Geldspenden, Equipment, personeller Einsatz, Unterstützung vor Ort – und natürlich: Verbreiten, verbreiten, verbreiten.

Wenn ihr es bis hierhin geschafft habt – das könnte euch vielleicht auch interessieren:

  • Blackfish DVD – eine Dokumentation über den Orca Tilikum und über die Lebensbedingungen der Tiere in Gefangenschaft.
  • Moby Dick T-Shirt – Moby Dick versus Ahab! Die Rache kommt aus der Tiefe der See …
  • Öko Krieger – Geschichten über Öko-Aktivist*innen aus der ganzen Welt
  • The Ghosts in our Machine DVD – eine Dokumentation über das Leiden der Tiere weltweit – aber auch über gerettete Tiere, die der Maschinerie entgehen konnten
  • We Animals – Bildband mit Fotografien von Jo-Ann McArthur, die auch in dem Film „The Ghosts in our Machine“ portraitiert wird
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