Vegane Kleidung: Alles, was du wissen musst

Bei veganer Kleidung geht es letztendlich um eines: Modische Klamotten, die ohne Tierleid auskommen. Aber: Ob T-Shirts, Schuhe oder Pullis wirklich rein pflanzlich sind, lässt sich nicht immer auf den ersten Blick sagen. Wie du vegane Kleidung erkennst, warum sie die bessere Wahl ist und aus welchen Materialien sie besteht – das alles und mehr erfährst du hier.

Was ist vegane Kleidung?

Vegane Kleidung verzichtet zu 100 Prozent auf tierliche Stoffe. Viele Menschen denken hier direkt an Leder und Pelz – aber die Liste von tierlichen Produkten in Klamotten ist weitaus länger, wie du später erfährst.

Und: Auch die Auswahl an veganen Alternativen ist wahrscheinlich viel größer, als du denkst. Egal, ob du gerne Seide oder Leder trägst – es gibt für alles einen tierfreundlichen Ersatz.

Warum ist tierfreie Mode die bessere Wahl?

Veganer*innen möchten, dass kein Tier für sie leidet – pflanzliches Essen bildet hier lediglich den Anfang. Auch in vielen anderen Bereichen kommen tierliche Produkte zum Einsatz. Sei es in Kosmetika oder eben bei Kleidung. Warum es sich lohnt auf tierliche Produkte in Klamotten zu verzichten – das erfährst du hier.

Leder

Leder ist ein Abfallprodukt der Fleischindustrie – wäre doch schade drum, es nicht zu verwerten. So oder ähnlich lautet ein bekannter Irrglaube, der genau das ist. Eine Unwahrheit. Denn: Bei Leder handelt es sich um eine eigenständige Ware.

Oder anders gesagt: Leder besitzt einen Marktwert und erwirtschaftet so viel Profit, dass Tiere teilweise explizit für die Lederproduktion gezüchtet und geschlachtet werden[1]. Aber nicht nur für Kühe bedeutet Leder großes Leid.

Um die Tierhaut haltbar und geschmeidig zu machen, wird sie gegerbt. Ein Prozess, der unglaubliche Mengen von unglaublich giftigen Chemikalien verschlingt – zum Beispiel Chrom III oder Formaldehyd[2]. Jedes Kilo Roh-Tierhaut benötigt bis zu 500 Gramm Chemikalien[3].

Mit entsprechenden Folgen für Umwelt und Menschen[4]. Zum einen sind die Arbeitsbedingungen in Gerbereien in der Regel katastrophal[5]. Zum anderen findet das Bundesinstitut für Risikobewerung (BfR) immer wieder giftiges Chrom VI in verkaufsfertigen Lederprodukten[6] – dieses kann unter anderem durch verschwitzte Füße in den Körper gelangen.

Möchtest du vegane Kleidung kaufen, solltest du vor allem auf Lederpatches bei Jeanshosen achten. Auch bei Schuhen und Jacken wird viel Leder verarbeitet, hier ist es aber leichter erkennbar.

Schafwolle

Bei Schafwolle gibt es vieles zu kritisieren. Zwei Punkte möchten wir hervorheben: Das Leid bei der Schur und ein übliches Verfahren, bei dem sich dir die Zehennägel kräuseln.

Die Schur findet häufig unter hohem Zeitdruck statt. Deswegen gehen die Scherer*innen nicht selten brutal mit den Tieren um, wodurch Verletzungen entstehen[7]. Dabei reicht die Fixierung alleine bereits aus, um Schafe in Panik und Stress[8] zu versetzen – schließlich besitzen sie einen ausgeprägten Fluchtinstinkt, der ihnen in der freien Natur das Überleben sichern würde.

Vor allem in Australien und Neuseeland kommt zudem ein besonders scheußliches Verfahren zum Einsatz: Das so genannte Mulesing. Hier werden den Schafen Hautfalten um den After herum weggeschnitten – damit sich dort keine Fliegen sammeln[9].

Die extrem schmerzhafte Prozedur findet häufig ohne Betäubung statt und soll einen Fliegenbefall vermeiden – dabei sind die vermehrten Hautfalten das Resultat von gezielten Züchtungen, die den Wolle-Ertrag maximieren.[10]

Wolle findest du vor allem in Pullis, Socken und Schals. Dabei gibt es viele tolle Alternativen – welche das sind, erfährst du weiter unten.

Angora

Bei Angora handelt es sich um das Fell von Angorakaninchen. Durch Züchtungen wächst ihnen ein sehr langes Fell, das die Tiere alleine kaum sauber halten können – was ihr Wohlbefinden bereits stark einschränkt. Denn: Kaninchen sind sehr reinliche Tiere, die viel Zeit für ihre Körperpflege aufwenden. Aber das ist leider erst der Anfang.

90 Prozent der global verwendeten Angorawolle stammt aus China[11] – einem Land, in dem Tierquälerei nicht einmal im Ansatz juristisch beachtet oder gar verfolgt wird. Hier leben die Kaninchen in winzigen Einzelkäfigen mit Drahtböden[12]. Dabei sind Kaninchen gesellige Tiere, die viel Bewegung benötigen.

Ist das Fell lang genug – etwa alle drei Monate – werden Angorakaninchen geschoren oder gerupft. Beides hinterlässt Schmerzen und Traumata. Der Umgang mit den Kaninchen ist so grausam, dass namhafte Marken keine Angorawolle mehr verwenden. Trotzdem wird sie noch immer in großen Mengen „produziert“ und verkauft.

Pelz

Jedes Jahr sterben 100 Millionen Tiere[13],damit aus ihrem Fell Kleidung und Accessoires hergestellt werden können. 85 Millionen davon leben auf Pelzfarmen – meistens auf engstem Raum in Drahtkräfigen und unter grausamen Bedingungen.

15 Millionen werden in freier Wildbahn gefangen[14]. Dabei kommen noch immer Fangeisen zum Einsatz, bei denen die Tiere über Tage hinweg um ihr Leben kämpfen[15].

War Pelz eine Zeit lang verpönt, so steigt der Verkauf leider wieder. Den meisten Pelz findet mensch heutzutage als Kapuzenbesatz bei Jacken oder Mützenbommeln. Wir empfehlen dir, komplett auf einen solchen Besatz zu verzichten – auch dann, wenn er als künstlich bzw. „Fake Fur“ deklariert ist. Denn häufig mogeln Hersteller*innen bei der Kennzeichnung und verwenden doch echtes Fell – das sagt auch die Stiftung Warentest[16].

ein kleiner Teil eines unserer Stände bei einem veganen Straßenfest
Federn

Federn findest du vor allem als Füllmaterial in Jacken und Bettdecken. Primär stammen sie von Enten und Gänsen. Das Rupfen geschieht maschinell oder per Hand – teilweise auch bei lebendigem Leib[17]. Beides ist mit großen Schmerzen und Stress verbunden[18]: Die Tiere werden gefangen, anschließend festgehalten und umgedreht – eine Position, die Vögel mit einer lebensbedrohlichen Situation verbinden.

80 Prozent der weltweit verwendeten Federn kommen zwar aus China. Wer Federn aus Deutschland kauft, unterstützt trotzdem Tierleid. Denn: Zwar mag der Lebendrupf verboten sein – das Raufen aber nicht. Beim „Raufen“ sollen – in der Theorie – während der Mauser lose Federn vom Körper gesammelt werden.

In der Realität ist die Mauser aber kein Prozess, der in einer Vogelgruppe zeitlich synchron abläuft. Heißt: Bei manchen Tieren sitzen die Federn noch immer sehr fest[19]. Davon abgesehen löst das Raufen so oder so erheblichen Stress aus.

Kaschmir

Kaschmir (auch Kashmir) besteht aus der weichen Unterwolle von Kaschmirziegen. Diese wird den Tieren teilweise mit Metallkämmen grob entrissen – oftmals mitten im Winter. Als Folge leiden die Ziegen unter Kältestress[20], der immer wieder tödlich endet. Denn: Sie besitzen nur wenig Fett und sind auf ihr Fell angewiesen.

Kaschmir findet du vor allem in Pullis, Mützen, Schals und Bettdecken.

Horn

Horn besteht aus abgestorbenen Zellen. Du findest das Material zum Beispiel in Krallen, Kauen, Hufen oder Hörnern. Wer vegan leben möchte, sollte bei Knöpfen, Kämmen, Schmuck und Schnitzereien aufpassen – hier kann sich Horn von Tieren verstecken. Zwar mag es teilweise als „Schlachtabfall“ entstehen. Der Kauf unterstützt damit jedoch wirtschaftlich genau das – die Tötung von Tieren.

Seide

Seide wird aus dem Kokon der Seidenraupe gewonnen. Letztendlich haben es Hersteller*innen zwar auf den Kokon und nicht die Raupe bzw. Larve abgesehen – aber diese wird dennoch getötet, weil sie den Seidenfaden beim Schlüpfen „zerstören“ würde. Heißt konkret: Die Raupen werden lebendig verbrüht. Um nur ein Gramm Seide herzustellen, müssen etwa 15 Seidenraupen sterben[21].

Klebstoffe

Wo Kleber Materialien zusammenhält, kommen sehr oft Kasein (Milchprotein) oder Glutinleim (aus Tierknochen) zum Einsatz: Etwa bei Schuhen oder Handtaschen. In den meisten Fällen können Hersteller keine Aussagen dazu machen, ob der Kleber in ihren Produkten wirklich rein pflanzlich ist. Eine Kennzeichnungspflicht existiert nämlich nicht.

Woraus besteht vegane Kleidung?

Tierprodukte ohne Leid gibt es nicht. Die gute Nachricht: Kein Mensch braucht Wolle, Leder, Kaschmir und Co. Hanf, Baumwolle, Ananasleder oder Viskose – die Auswahl an veganen Materialien ist groß. Und: Sie bringt noch mehr Vorteile mit sich.

Material Vorteile Alternative zu?
Baumwolle ♥ besonders hautverträglich

♥ langlebig und pflegeleicht

♥ geringes Allergiepotenzial

wichtig: Unbedingt auf Bio-Qualität und fairen Handel achten!

Wolle, Angora, Kaschmir
Hanf ♥ benötigt sehr wenig Wasser im Anbau

♥ kommt ohne Pflanzenschutzmittel aus

♥ lockert den Boden auf

♥ sehr robust

Wolle, Seide (kühlt im Sommer, wärmt im Winter
+ natürlicher Glanz)
Leinen ♥ lässt sich sehr heiß  waschen

♥ keimtötend und schmutzabweisend

♥ besonders im Sommer angenehm zu tragen

Wolle, Angora
Kunstleder ♥ keine Gerbchemikalien notwendig

♥ leicht zu pflegen

♥ besteht nicht immer aus Kunststoff, sondern teilweise aus Pilz- oder Ananasfasern

Leder

100 Prozent vegane Klamotten erkennen:
Auf diese 7 Dinge solltest du achten

Wer nur noch vegane Kleidung im Schrank hängen haben will, muss diese natürlich zunächst erkennen können. Gar nicht so leicht, aber unsere sieben Tipps helfen dir dabei:

1. Achte auf versteckte Lederapplikationen/ Lederanteile: Auch wenn nicht die komplette Jacke aus Leder besteht, können zum Beispiel Aufnäher aus Tierhaut sein.

2. Schau dir die Knöpfe an: Hornknöpfe zu erkennen, ist zugegebenermaßen relativ schwierig. Unterschiedliche Braun- und Beigetöne auf einem Knopf können hier ein Indiz sein. Manche Knöpfe sind zudem mit Tierhaut überzogen.

3. Wirf einen Blick auf das Etikett: Hier findest du Informationen zu den verarbeiteten Materialien. Der Hinweis „enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ kann Gold wert sein – muss aber leider nur bei einem Textilfaser-Anteil von mindestens 80 Prozent angegeben werden.

4. Besteht das Produkt aus verschiedenen Materialien? Wenn ja, wurden diese geklebt? Dann hilft nur eins: Den Hersteller*die Herstellerin anfragen und hoffen, dass er*sie Auskunft zum Kleber geben kann.

5. Kunstpelz inspizieren: Wie gesagt, wir empfehlen dir, auf jeglichen Pelz oder pelzähnliche Produkte zu verzichten – künstlich oder nicht. Geht es nicht anders, ziehe die Fasern vorsichtig auseinander. Eine Lederschicht weist hier auf Echtpelz hin. Solltest du dir nach diesem Test nicht ganz sicher sein, hilft der nächste Schritt: Puste über den Pelz. Echtes Fell legt sich zur Seite und gibt den Blick frei auf eine gekräuselte, kürzere und sehr feine Unterwolle. Kunstfell hingegen ist starrer und hat meistens gleich lange Haare. Zur Not kannst du eine Flamme an den Pelz halten. Schmelzen die Fasern wie Plastik zu Klümpchen, ist das Fell nicht echt.

6. Findest du Siegel? Die Vegan-Blume versichert dir zum Beispiel, dass die Kleidung vegan ist. Allerdings sind vegane Siegel bei Klamotten wenig verbreitet.

7. Bei Schuhen auf Piktogramme achten: Hersteller müssen das verwendete Material bei Schuhen in vier Kategorien einteilen und angeben:
1. Leder
2. beschichtetes Leder
3. Textil (Vorsicht: Kann auch Wolle, Pelz, Seide bedeuten)
4. Sonstiges

Letztendlich ist es relativ kniffelig, vegane Kleidung als solche zu erkennen – vor allem Lederaufnäher, Perlmuttknöpfe oder tierlicher Kleber verstecken sich gerne.

Möchtest du sicher gehen, empfehlen wir dir daher, bei rein veganen Hersteller*innen und Marken zu kaufen. In unserem Sortiment bekommst du 100 Prozent pflanzenbasierte Kleidung: T-Shirts, Pullis und Jacken, Schuhe und mehr.

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