Wir werden die Tiere nicht durchs Shoppen befreien

geschrieben am 12.07.2013 in Rund um den Onlineshop, Politisches.

La_Vita_01_2013

In der aktuellen Ausgabe der La Vita fiel uns ein Artikel ins Auge, von dem wir dachten, dass er es durchaus verdient hat, von mehr Menschen gelesen zu werden als nur denen, die die La Vita kaufen. Sicherlich ist es wichtig, die vegane Lebensweise bzw. „vegan lifestyle“ zu promoten, aber wenn unsere Aktivitäten sich darin erschöpfen, das neueste vegane Produkt zu hypen und uns nen Ast abzufreuen, wenn es Wilmersburger im Reformhaus um die Ecke gibt, ist das schon ein wenig traurig. Wir halten Lebenshöfe für einen wichtigen Teil der Bewegung. Sie zeigen, wie es anders gehen kann, nehmen Tiere aus Tierbefreiungen auf oder solche, die gefunden, freigekauft etc. werden. Das kostet leider auch viel Geld und es wäre schön, wenn sich mehr Menschen entscheiden würden, Lebenshöfe zu unterstützen – mit Geld, Sachspenden, Mitarbeit …


Veganer Lifestyle, Tierbefreiung und Lebenshöfe

Infostand von Free Animal auf einem veganen Straßenfest

Im letzten Jahr hat Free Animal an mehreren veganen Events und Straßenfesten teilgenommen. Neben positiven Erlebnissen ist leider eine Menge Frust über die Resonanz auf unsere Infostände zurückgeblieben. Auf veganen Märkten geben die Besucher*innen viel Geld für kommerzielle Produkte aus, aber am Infostand werden wir immer wieder gefragt, ob „der Aufkleber“ umsonst sei, dass die „La Vita“ etwas kostet, löst Verwunderung aus, selbstgemachte Pralinen, die wir verkaufen, werden gern probiert und auch für gut befunden, aber einige Euro für eine Tüte auszugeben, scheint nicht drin zu sein. Wir fragen uns, wohin der Tierbefreiungsgedanke und mit ihm auch die Lebenshöfe steuern. Drohen die Befreiung der Tiere als politischer Kampf und eventuell die Tiere gleich mit im großen bunten „vegan lifestyle“ unterzugehen?

Das Bewusstsein für Lebenshöfe als Projekt der gesamten Tierbefreiungsbewegung fehlt unserer Einschätzung nach oftmals. Einige Leute müssen die Höfe betreiben und vor allem die praktische Arbeit machen, aber alle sollten sich mit dafür verantwortlich fühlen und die Höfe auch finanziell unterstützen. Es nützt nichts, wenn wir am Infostand zu hören kriegen „toll, was ihr(!) da macht“, „finde ich super, dass es sowas gibt“. Vielmehr ist es nötig, dass diejenigen, die dies äußern, auch einfach mal ein paar Euro für die Lebenshöfe geben. Das ist leider alles andere als selbstverständlich. Die Tiere müssen essen, sie brauchen Einstreu, tierärztliche Behandlungen, Hufpflege, Ställe müssen ausgebessert werden etc. Und das kostet leider viel Geld. Wenn ein Stoffbeutel am Stand 4,50 kostet, liegt das daran, dass der „Gewinn“ eben dringend für die Höfe benötigt wird. Bei veganen Events nehmen BesucherInnen ohne mit der Wimper zu zucken hin, dass sie 6 Euro für den Döner auf den Tisch legen müssen und versuchen nicht zu handeln, weil man eben weiß, kein Geld, kein Döner. Bei uns aber wird gedruckst und gezögert und versucht, doch noch einen Aufkleber oder Button umsonst rauszuschlagen.

Eine weitere Erkenntnis, die wir – nicht nur – von den Veganevents des letzten Jahres mitgenommen haben: Mit Veganismus kann man sich beschäftigen, ohne „Tiere“ überhaupt zu erwähnen. Unreflektiert machen auch vegan lebende Menschen das Vegansein zu einer reinen Lebensstilfrage, die gern auch mal versteckt wird, um unangenehmen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Zur Überwindung der Tierausbeutung trägt diese Taktik sicher nicht bei. Wie auch? Dadurch wird ja niemand angestoßen, gesellschaftliche Zustände und das Mensch-Tier-Verhältnis zu hinterfragen. Das vegane Würstchen ist dann eine weitere Variante neben dem aus Fleisch, aber dass andere überhaupt Fleisch essen, wird eben nicht als der Skandal benannt, der es ist.

Uns stellt sich die Frage, warum Menschen vegan werden, wie sie ihren Veganismus sehen, was sie als notwendig erachten, damit Tiere tatsächlich frei sein können und ihre Ausbeutung überwunden werden kann, und ob „Ausbeutung“ für die durchschnittlichen VeganerInnen eigentlich noch eine Kategorie ist. Bei all der schönen Diskussion ums vegane Kochen und Shoppen lässt sich nämlich wunderbar vergessen, dass Veganismus keine Lebenseinstellung an sich ist, sondern zumindest in der Vergangenheit die praktische Umsetzung einer viel umfassenderen politischen Notwendigkeit war: nämlich des Einstehens für die Rechte der Tiere und des Kampfes für ihre Befreiung aus der Ausbeutung durch den Menschen. Und dazu gehört sich mit dieser Ausbeutung auseinanderzusetzen, die dahinter stehenden Zusammenhänge und Strukturen zu verstehen und für ihre Überwindung zu streiten.

In unserer Gesellschaft wird alles zur Ware, so auch Veganismus und die vielen bunten veganen Produkte, über die wir uns alle freuen. Natürlich ist es angenehm, wenn man in jedem Supermarkt seine Soja- oder Getreidedrinks und Tofuburger bekommt. Fatal ist es jedoch, wenn man so naiv ist zu glauben, dies sei ein großer Fortschritt hin zu einer Gesellschaft, in der es den Tieren grundlegend besser ginge, oder zu meinen, diese Produkte würden aufgrund eines Bewusstseinswandels hinsichtlich der Tiere bei den Unternehmen angeboten. Genauso wie die Tiere, die als Schnitzel, Frühstücksjoghurt oder Bio-Ei im Supermarkt angeboten werden, lediglich Waren sind, deren einziger Zweck es ist, diejenigen, die die Unternehmen besitzen, reicher zu machen, sind auch vegane Produkte für die Produzenten ein Marktsegment, mit dem sich inzwischen Geld verdienen lässt und das darum gern mitgenommen wird. Warum sollte ein Hersteller oder eine Supermarktkette nicht auch Tofuwürstchen mit ins Angebot aufnehmen, wenn es sich lohnt? Dann liegen neben den Schweinewürsten eben auch solche aus Tofu oder Seitan im Regal. Man sollte jedoch nicht der irrigen Annahme unterliegen, dies hätte irgendetwas mit den Schweinen oder dem Tofu oder der Haltung der Supermarktkette gegenüber beiden zu tun. Sicher sind die kleinen veganen Unternehmen, bei denen ein, zwei Leute, die selbst TierrechtlerInnen sind, ein Geschäft oder Restaurant betreiben, etwas anderes. Aber deren Marktanteil ist gegenüber den großen Unternehmen verschwindend gering.

Tierbefreiung ist ein politischer Befreiungskampf und wie bei anderen Befreiungsbewegungen muss auch dieser Kampf öffentlich ausgetragen werden, die Befreiung der Tiere muss in, mit und auch gegen die Gesellschaft erstritten werden. Wir als Gesellschaft sind dafür verantwortlich, dass die Beherrschung der Tiere weiterhin besteht. Genauso können wir alle dazu beitragen, das Mensch-Tier-Verhältnis zu verändern. Und denjenigen, die die Realitäten der Tierausbeutung stützen, davon profitieren, aber auch denjenigen, die sie hinnehmen, müssen wir immer wieder genau diese Realitäten präsentieren und sie auffordern, ihr Handeln zu ändern. Leider gibt es viel zu viele VeganerInnen, die meinen, mit ihrem Lifestyle-Shopping-Vegansein sei alles getan. Mit veganen Mahlzeiten, die nur lecker genug sein müssen, veganen Supermärkten und dem Wunsch, nicht als „nervige“, „extreme“ VeganerInnen anzuecken, kann man jedoch keine Ausbeutungsverhältnisse verändern. Wir werden die Tiere nicht durchs Shoppen befreien, sondern nur durch einen grundlegenden Wandel im Bewusstsein, in der Gesellschaft und in unserem Wirtschaftssystem.

Dies alles ist nicht schön, ist nicht einfach, ist nicht spaßig. Es ist anstrengend, nervig, frustrierend, oft mit Ängsten, Verzweiflung und dem Gefühl, nicht mehr zu können oder zu wollen, verbunden. Manchmal wünscht man sich, dichtzumachen und Spaß daran zu haben, sein Leben im Einkaufszentrum zu verbringen. Aber eine andere Gesellschaft lässt sich nicht als Lebensstil mal so nebenbei mit erreichen. Die Befreiung der Tiere und eine Änderung der Verhältnisse, die Tiere milliardenfach das Leben kosten, erfordert politisches Denken und Handeln, setzt voraus, dass mensch sich über wirtschaftliche und gesellschaftliche Zusammenhänge informiert und hinter die schöne Fassade auch des veganen Shoppings und Lifestyles blickt.

Zur Unterstützung der Lebenshöfe kommen wir trotz alledem nicht umhin, aufs schnöde Geld zu schauen. Wie oben erwähnt, brauchen die dort lebenden Tiere Essen, medizinische Versorgung, ihr Zuhause muss instandgehalten werden, und all das ist nur gegen Geld zu haben. Dafür dass diese Tiere in Würde und mit der Freiheit, die unter den gegenwärtigen Bedingungen für sie möglich ist, bis an ihr natürliches Lebensende versorgt sind, sollten sich die gesamte Tierbefreiungsbewegung und auch alle anderen VeganerInnen verantwortlich fühlen. Warum ist es nicht selbstverständlich, dass jedeR BesucherIn des veganen Weihnachtsmarkts oder Street Day ein, zwei oder fünf Euro für die dort anwesenden Höfe und Projekte spendet, dass der Kuchen anstatt bei einem kommerziellen Stand an dem eines Vereins oder einer Initiative gekauft wird? Oder dass, wer sich das leisten kann, eine Patenschaft für ein Tier übernimmt oder regelmäßig spendet? Lebenshöfe sind schließlich auch ein Zeichen an diese Gesellschaft, in der Tiere kaum eine Überlebenschance haben. Ein Zeichen dafür, wie der Übergang zu einer Welt ohne Tierausbeutung aussehen könnte. Und dies gilt es zu stärken und weiterzuentwickeln. Vielleicht ist das nicht so bunt und spaßig wie vegane Events. Der Veganismus gewinnt sein Potential, die Verhältnisse so zu ändern, dass die Tiere irgendwann frei sein können – und es Lebenshöfe gar nicht mehr geben muss – jedoch nicht als Lifestyle, sondern nur als ein bewusster Bestandteil der Befreiung der Tiere.

Anke Guido
2. Vorsitzende
Free Animal e. V.

Dieser Artikel erschien zuerst in der La Vita 01/2013, der Zeitschrift von Free Animal e. V.

Logo von Free Animal

Free Animal wurde 1996 gegründet, um die wirtschaftliche Existenz von Lebenshöfen zu sichern, auf denen Tiere ihr Leben frei von Nutzung und Ausbeutung bis an ihr natürliches Ende verbringen können. Mittlerweile unterstützt Free Animal e. V. bundesweit sieben Lebenshöfe sowie weitere private Initiativen und Projekte. Über 450 Tiere haben dadurch bis an ihr Lebensende ein sicheres Zuhause, darunter Pferde, Ziegen, Schafe, Esel, Hunde, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Hühner, Gänse und Tauben. Weitere Informationen über den Verein gibt es auf der Webseite www.free-animal.de und auf der Facebook-Seite von Free Animal.

Die Unterstützung der Lebenshöfe ist nur durch die finanzielle Hilfe der Mitglieder, SpenderInnen, PatInnen und Fördermitglieder von Free Animal e. V. möglich. Die Bankverbindung des Vereins lautet:
Nassauische Sparkasse Wiesbaden
BLZ: 510 50015
Konto 11 30 60 425
(IBAN: DE29 5105 0015 0113 0604 25, BIC: NASSDE55XXX)
Betreff angeben, z. B.: Spende an Free Animal.
Free Animal e. V. ist als gemeinnützig und besonders förderungswürdig anerkannt. Die Spende kann steuerlich geltend gemacht werden.

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18 Antworten zu “Wir werden die Tiere nicht durchs Shoppen befreien”

  1. Jörg Hartmann sagt am

    „freigekauft“ – das sollte sich doch rumgesprochen haben, dass das keine zu propagandierende Strategie ist, sondern Tierausbeutung finanziert.

  2. daniel sagt am

    Hi Jörg, es liegt mir auch fern, das zu propagieren.
    Es ist allerdings ja durchaus so, dass es passiert und diese Tiere auch auf Lebenshöfen aufgenommen werden, und deren Lebensunterhalt eben auch finanziert werden muss. Grundsätzlich würde ich dem auch zustimmen, dass die Finanzierung der Tierausbeuter*innen durch „Freikaufen“ von Tieren eben nichts am Ausbeutungssystem ändert. Im Gegenteil: dadurch, dass die Menschen, die die Tiere freikaufen wollen, oft ein großes Interesse haben und zeigen, wird der Preis gerne auch in Höhen getrieben, die sonst gar nicht zu erzielen wären …

  3. Patrick sagt am

    Wir gehen doch oftmals recht schizophren durch die Welt. Wir leben in einem kapitalistischen System, glauben aber das es hier sozial zugeht.

    Entweder funktioniert die Refinanzierung des Vorhabens also aus Spenden oder es muss halt auch etwas auf der Einnahmenseite stehen.

    Wenn ich ich mir den letzten Tätigkeitsbericht anschaue, sehe ich da Infotische/Gnadenhöfe etc, was nach sehr viel Arbeit klingt, aber aus meiner Sicht nicht mehr zielführend ist. Es gibt andere die dies scheinbar besser können. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller weniger Stände und mehr politische Lobbyarbeit zu leisten.

  4. emil sagt am

    daniel schreibt: „Im Gegenteil: dadurch, dass die Menschen, die die Tiere freikaufen wollen, oft ein großes Interesse haben und zeigen, wird der Preis gerne auch in Höhen getrieben, die sonst gar nicht zu erzielen wären …“

    ich weiß nicht, ob ich das jetzt missverstanden habe. es sollte jedenfalls klar sein, dass tierfreikäuferinnen den „preis“ nicht beeinflussen und tiere durch vereinzelte freikäufe nicht im „wert“ steigen.

    die tierbefreiungsbewegung dürfte meiner meinung nach tiere nicht freikaufen. damit ließe sie sich auch ihrerseits darauf ein, dass „tiere“ einen „preis“ und einen „marktwert“ haben. in das ausbeutungssystem darf kein geld der tierbefreiungsbewegung fließen. das wäre auch nicht zu vermitteln, selbst wenn das individuum zählt. aber es gibt genug tiere aufzunehmen und zu versorgen, die nicht freigekauft werden „müssten“. und das geld ist knapp.

  5. Ruth sagt am

    Theorethisch ist das alles ganz wunderbar! Aber habt Ihr Euch schon mal mit der Praxis auseinander setzen müssen? Z.B. wenn die Lebensgefährtin des hier lebenden Ganters stirbt, der Ganter sich alleine zu Tode trauert und dringend eine neue Gefährtin braucht! Sollen wir in dem Moment warten, bis sich irgendwann und irgendwo eine Gans retten lässt und der Ganter inzwischen vor Gram gestorben ist? Das ist doch wohl nicht Euer Ernst! In dem Fall sehe ich mich moralisch gezwungen, Gänse „frei zu kaufen“ um das Leben des Ganters und in dem Fall auch das der beiden neuen Gänse zu retten.

  6. Angelika sagt am

    @Jörg: Nur um Missverständnisse zu vermeiden, es werden zwar „freigekaufte“ Tiere auf den Lebenshöfen aufgenommen, allerdings weder durch die Höfe, Projekte oder Free Animal freigekauft. Meistens sind es spontane Aktionen/Reaktionen einzeler Menschen, die dann nicht mehr wissen, wohin mit dem Tier. Haben diese Tiere dann nicht auch das Recht auf einem Hof aufgenommen zu werden, sie haben sich nicht selbst in diese Situation gebracht. Dass das keine Strategie ist, ist uns allen klar, aber du wirst auch nie einen einzelnen Menschen davon abhalten aus Mitleid oder anderen Gründen ein Tier freizukaufen. Das beste Beispiel dafür ist Diamant, der jetzt auf Pferdeglück lebt, erst im Zirkus ausgebeutet, dann an einen Viehhändler verschachert und dann durch eine Tierschützerin aus Mitleid freigekauft.

    @Patrick: Alle von Free Animal unterstuetzen Projekte und Höfe leisten einen grossen Anteil Eigenleistung, das nicht nur arbeitstechnisch. Es gibt aber immer wieder Situationen, die mensch nicht einkalkulieren kann. TA-Rechnungen, die explodierenden Getreidepreise etc.. Wie willst du z.B. bei einem Pferd, dass 30 Jahre werden kann, die Heupreise kalkulieren?
    Zu den Ständen: Ich weiss nicht, wer die anderen, die das besser können, sind, aber durch Infostände wird auch politische Arbeit gemacht. Free Animal, das nur zur Info, ist kein Hof oder Projekt, sondern eher eine Art „Dach“, das die Existenz der Höfe und Projekte versucht abzusichern und dafür bzw. deswegen machen wir Infostände und Öffentlichkeitsarbeit und auch das ist eine Art politischer Lobbyarbeit, oder wie soll die deiner Meinung nach aussehen?

  7. emil sagt am

    patrick schreibt: „Wenn ich ich mir den letzten Tätigkeitsbericht anschaue, sehe ich da Infotische/Gnadenhöfe etc, was nach sehr viel Arbeit klingt, aber aus meiner Sicht nicht mehr zielführend ist. Es gibt andere die dies scheinbar besser können. Aus meiner Sicht wäre es sinnvoller weniger Stände und mehr politische Lobbyarbeit zu leisten.“

    die drei hauptarbeiten von free animal sehe ich darin, 1. lebenshöfe zu betreuen und zu unterstützen (vor allem finanziell), 2. öffentliche lobbyarbeit für den tierbefreiungsgedanken zu machen, 3. geld einzutreiben.

    das erforderliche geld sollte nicht an erster stelle von der tierbefreiungsbewegung eingefordert werden. denn diese hätte meiner meinung nach zum einen wichtigeres zu tun, als geld für lebenshöfe zu sammeln, zum anderen braucht sie auch geld für ihre politischen aktionen. solange lebenshöfe noch so gemäßigt auftreten wie bisher (abgesehen vom antitierbenutzungshof, der sehr politisch auftritt), dürften sie für „tierliebe menschen“, die vielleicht selbst noch nicht einmal vegetarisch leben, attraktiv zu unterstützen sein.

    politisch und finanziell sollte sich free animal meiner meinung nach weniger nach innen in die tierbefreiungsbewegung wenden, als nach außen, die öffentlichkeit, die es zu sensibilisieren gibt, sowohl für das politische (dass tiere keine „nutztiere“ seien), als auch das finanzielle. dies sehe ich als wichtige aufgabe von free animal an, und erst dadurch wäre free animal meiner meinung nach teil der aktivistischen tierbefreiungsbewegung. der text macht auf mich leider einen anderen eindruck.

  8. emil sagt am

    zum freikauf:

    wie ist das zu verstehen, wenn angelika schreibt: „Nur um Missverständnisse zu vermeiden, es werden zwar “freigekaufte” Tiere auf den Lebenshöfen aufgenommen, allerdings weder durch die Höfe, Projekte oder Free Animal freigekauft.“ und ruth schreibt: „In dem Fall sehe ich mich moralisch gezwungen, Gänse “frei zu kaufen” um das Leben des Ganters und in dem Fall auch das der beiden neuen Gänse zu retten.“?

  9. Angelika sagt am

    @Emil: Wunderbar, wie du dir den Kopf darüber zerbrichst, was FA sollte und was nicht. Wir fordern nicht an erster Stelle Gelder von der Tierbefreiungsbewegung, wenn ueberhaupt fordern, dann auch. Wir respektieren deine Meinung, werden uns aber sicherlich dort bewegen, wo wir es für richtig halten. Wenn mein Text dir nicht gefällt, schreibe doch mal expliziert warum. Vielleicht kann ich daraus was lernen.
    zum Freikauf: Da steht z.B.!, es waere aber interessant zu wissen, wie du handeln wuerdest, Ganter sterben lassen?; es kamen auch 2 neue Gaense, die aber wie ich geschrieben habe, privat „freigekauft“ wurden.
    Emil, nicht böse gemeint, aber meiner Meinung nach diskutierst du, um des Diskutieren willens. Wir lassen dir deinen Faible für den ATBH, der sicherlich gute Arbeit leistet und den FA auch schon unterstützt hat, aber lass uns auch unsere Arbeit so machen, wie wir sie für richtig halten und versuche nicht, uns in eine Ecke zu drängen, in die wir nicht passen. Deine Meinung, wer ein Teil der Tierbefreiungsbewegung ist, sein sollte oder nicht, ist nicht allgemeingültig. Diese endlos langen, immer wieder kehrenden Diskussionen kosten Kraft und Energie, enden letztendlich in Rechtfertigungen, die niemand nötig hat und führen zu nichts. Diese Zeit und Energie setze ich lieber woanders ein.

  10. emil sagt am

    angelika: es wäre wunderbar, wenn free animal e.v. sich seinerseits etwas mehr konzeptionelle gedanken machen würde und auch in der lage wäre, diese zu vermitteln. was heißt denn hier in eine ecke drängen? ich versuche, konstruktiv aufzutreten, nicht destruktiv. wenn ihr allerdings in einer ecke steht, aus der ihr euch auch nicht herausbewegen möchtet, dann bin doch nicht ich schuld daran, wenn ich das benenne?

    ich habe definitiv besseres zu tun als sinnlos zu diskutieren. wenn du („wir“, „der verein“) der meinung bist, ein diskurs über lebenshöfe und ihre bedeutung für die tierbefreiungsbewegung sei nicht nötig, dann kann er gerne auch ohne dich geführt werden. ich wundere mich nur sehr über diese haltung.

    den ATBH sehe ich als politischen lebenshof an und somit als teil der aktivistischen tierbefreiungsbewegung. ich sehe ihn als „selbstverständlich“ an und würde ihn nicht mehr „faiblen“, wenn andere höfe – als höfe – ebenfalls der tierbefreiungsbewegung angehörten.

  11. Anke sagt am

    @Patrick: Welche Ideen hast du denn für weitere Spendeneinwerbung? Wie könnte politische Lobbyarbeit konkret Spenden einbringen? Denn neben aller politischen Arbeit braucht es hier und jetzt ganz unmittelbar Geld, um die Tiere auf den Höfen zu versorgen.
    Wenn du Ideen für das Einwerben dieser Mittel hast oder für uns da aktiv werden willst, melde dich gern bei Free Animal und stelle uns dein Konzept vor. Wir würden uns freuen.

  12. Ruth sagt am

    @Emil: Lieber Emil, es ist ganz offensichtlich so, dass – wie meistens – zwischen Theorie und Praxis Welten liegen. Deine Meinung ist rein theoretisch o.k. Aber in unserem Fall – hier kann ich nur über unseren Hof sprechen – ist ein politisches Auftreten, wie Du es wünschst, nicht möglich. Wir sind 2 Personen im Alter von 64 und 52 Jahren mit einigen gesundheitlichen Einschränkungen. Unsere ganze Kraft und Zeit geht in die Versorgung der hier lebenden 36 Tiere. Mit welcher Kraft und mit welcher Energie sollten wir da noch politische Arbeit leisten? Wir haben weder Zeit für ein „Privatleben“ noch für Demos oder politische Aktivitäten. Da Du scheinbar mehr der Theoretiker bist, kannst Du Dir ein solches Leben sicherlich nicht vorstellen. Die Tiere sind nun mal da, das ist ja wohl unbestritten, und müssen versorgt werden. Dass dies Unsummen an Geld verschlingt (uns bleibt z. B. auch kein „privates“ Geld, um uns am veganene Lifestyle zu beteiligen), macht unsere Situation auch nicht leichter! Wie Anke schon schreibt, müssen die Tiere hier und jetzt essen, brauchen Heu und Stroh, müssen tierärztlich versorgt werden, brauchen vernünftige Unterkünfte und und und….. Es ist müßig, das alles zu erklären, daher mein ERNSTGEMEINTER Vorschlag: Lebe für ein paar Wochen unser Leben mit allen Sorgen, mit aller Arbeit, mit allen Einschränkungen und versuche in der Zeit mit den vorhandenen finanziellen Mitteln auszukommen. Solange Du keine praktischen Erfahrungen gemacht hast, wird es schwer für Dich sein, Dir ein objektives Urteil zu bilden.

  13. Ruth sagt am

    @Patrick: Dein Satz, dass Lebenshöfe „gemäßigt“ auftreten, empfinde ich persönlich als Schlag ins Gesicht und eine glatte Unverschämtheit. Wie ich bereits Emil gefragt habe, wann bitteschön sollen wir uns denn der politischen Arbeit widmen? Peter beispielsweise nimmt seit Ende der 80er Jahre Tiere auf und hat jahrelang – bis zur Gründung von free animal – alle Kosten alleine gestemmt. Bis heute fließt jeder Cent in die Versorgung der Tiere, d. h. dass er seit ca. 25 Jahren nur für die Tiere da ist. Dass er „so ganz nebenbei“ voll berufstätig war, spielt sicher für Dich auch keine Rolle. Natürlich ist die politische Arbeit wichtig, wobei ich persönlich den Eindruck habe, dass Ihr Euch ZU wichtig nehmt.Die Arbeit und die Verantwortung, die wir vor Ort leisten, spielt in Euren ganzen Ausführungen überhaupt keine Rolle. Das ist einfach nur eine Schande! Kennst Du eigentlich die Angst und die Sorgen, die man hat, wenn ein Tier krank ist! Kannst Du Dir vorstellen, wie es ist, wenn ein Tier völlig traumatisiert durch eine schreckliche Vorgeschichte auf den Hof kommt, wieviel Einfühlungsvermögen und Sensibilität gefordert sind, damit dieses Tier spürt: Es gibt auch ein besseres Leben!? Hast Du eine Ahnung davon, wieviel Kraft es kostet, den Tod eines Tieres zu überwinden? Das sind nämlich die Dinge, die in der Theorie keinen Platz haben, über die sich keine Gedanken gemacht werden und mit denen wir Tag für Tag konfrontiert werden! Denkst Du bei aller Theorie noch darüber nach, dass dahinter Lebewesen stehen, siehst Du die Tiere in ihrer Gesamtheit oder in ihrer Individualität? Hast Du praktische Erfahrung mit Tieren, und hier rede ich nicht vom Hund eines Freundes oder einer Freundin? Ihr redet immer von „den Tieren“, nie von Einzelschicksalen! Und unsere Arbeit scheint in Deinen/Euren Augen sinn- und nutzlos! Bevor Du/Ihr solche Kommentare los lasst, denkt doch mal bitte darüber nach, wie unsensibel sowas rüberkommt, wie sich die Menschen, die auf den Höfen MIT den Tieren leben, dabei fühlen! Und denkt bitte alle einmal darüber nach, dass es sich hier nicht unbedingt um junge Menschen handelt, die sich politisch in irgend einer Form engagieren wollen, sondern überwiegend um ältere Menschen, die vielen von Euch einiges an Lebenserfahrung voraus haben!

  14. Claudia sagt am

    Ich denke, dass es sich jeder Veganer zur Aufgabe machen sollte, einen Lebenshof zu unterstützen. Schließlich wird man doch Veganer, um etwas für Tiere zu tun. Und seien wir doch mal ehrlich: fast jeder hat Geld für Zigaretten, Schokolade, DVD´s, Kino, Essen gehen u.s.w., da werden doch ein paar Euro pro Monat zur Unterstützung der Lebenshöfe übrig sein!

  15. Achim sagt am

    >>dürften sie für “tierliebe menschen”, die vielleicht selbst noch nicht einmal vegetarisch leben, attraktiv zu unterstützen sein<>Kennst Du eigentlich die Angst und die Sorgen, die man hat, wenn ein Tier krank ist! Kannst Du Dir vorstellen, wie es ist, [usw.]?<<

    Ich weiß nicht, wie es bei Enmil ist, aber ja, kenne ich und kann ich. Nur mache ich nicht so ein Gewese drum wie die ganzen Spendensammler – insbesondere sammle ich keine Spenden.

  16. Achim sagt am

    Da das System meinen Beitrag verstümmelt hat, nochmal ein Versuch.

    [quote]dürften sie für “tierliebe menschen”, die vielleicht selbst noch nicht einmal vegetarisch leben, attraktiv zu unterstützen sein[/quote]

    Sprich, noch mehr Ablaßhandel für Unveganer, von denen jeder einzelne dann im Rest seines Lebens mehr Tiere ermordet als in allen „Lebenshöfen“ zusammen leben.

    Nur kann man die abstrakten Tiere, die, wäre auch nur einer dieser Unveganer vegan geworden, statt mit ihm Ablaßhandel zu bereiben, nicht ermordet werden würden (ganz ohne „Lebenshöfe“) nicht streichlen, oder?

    [quote]Kennst Du eigentlich die Angst und die Sorgen, die man hat, wenn ein Tier krank ist! Kannst Du Dir vorstellen, wie es ist, [usw.]?[/quote]

    Ich weiß nicht, wie es bei Enmil ist, aber ja, kenne ich und kann ich. Nur mache ich nicht so ein Gewese drum wie die ganzen Spendensammler – insbesondere sammle ich keine Spenden.

  17. Anke sagt am

    „Nur mache ich nicht so ein Gewese drum wie die ganzen Spendensammler – insbesondere sammle ich keine Spenden.“

    Toll! Dann verrate uns doch, wie Leute ohne reich zu sein viele große Tiere mit deren Bedarf an Platz, Essen, Tierarztkosten etc. versorgen sollen. Oder sollen auch die Tiere dann zum Schlachthof?
    Und woher willst du wissen, dass die Menschen, die den Lebensunterhalt der Tiere bei den von Free Animal unterstützten Höfen mitfinanzieren, „Unveganer“ sind? Oder dass die Tiere auf den Höfen, die nicht gestreichelt werden wollen, nicht einfach in Ruhe in der Gesellschaft ihrer Artgenossen gelassen werden?

  18. Frauke sagt am

    Mich stört immer wieder das ‚Entweder Oder‘. Natürlich retten wir auch Tiere durchs Shoppen. Durch weniger Konsum von Tierprodukten und sei es auch von völlig unbewussten egozentrierten Gesundheitsveganer*innen. Wenn vegane Produkte Wachstumsraten von 30% haben, heißt das ja, dass der Konsum von Tierprodukten sinkt. Zumindest bei uns.

    Trotzdem ist es natürlich richtig, dass die Lebenshöfe und die politische Arbeit zum Bewusstseinswandel gefördert werden müssen. Aber wir müssen die Menschen so ansprechen, dass sie auch zuhören. Wäre es z. B. vielleicht sinnvoll, einmal mit den etwas größeren „Playern“ des veganen Lifestyles zu sprechen und zu versuchen, eine direkte Förderung zu erhalten? Wilmersburger, Natumi oder TofuTown fallen mir dazu ein. Ich könnte mir vorstellen, dass der Verkauf veganer Produkte mit dem Vermerk „x% des Gewinns gehen an Lebenshöfe“ auch den Unternehmen selbst wieder zugutekommt und eben recht viel zusätzliches Geld generiert wird als nur durch das Spendensammeln an Infotischen bei veganen Sommerfesten. Außerdem würde ein solcher Text auf den Verpackungen immer wieder in den Blick der Konsumenten geraten und dazu beitragen, eine Verknüpfung herzustellen, die bei vielen tatsächlich noch nicht ausgeprägt ist.

    Just my 2 cents.

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